DJ Westbam: "Ostdeutschland hat eine lange Techno-Tradition"

Legende der Techno-Szene legt am Samstag im Plauener Club Zooma auf - Stücke vom neuen Album zu hören

DJ und Produzent Westbam (54) gilt als einer der bekanntesten DJs weltweit. Der erste deutsche Großrave Mayday geht auf sein Konto. Mit Elsa Middeke sprach er über den Reiz, im Osten aufzutreten, was ihn an vogtländischer Küche lockt und was das Besondere an seinem neuen Album ist.

Freie Presse: Erst Dr. Motte, dann Marusha und nun auch Westbam im Plauener Club Zooma: Warum funktioniert Techno auch noch im 30. Jahr?


DJ Westbam: Alle paar Jahrzehnte gibt es große musikalische Umwälzungen. Die letzte Große war die DJ-Revolution ab Mitte der 80er. Nach Elvis Presley wurde auf der Rock'n'Roll-Grundlage - Gesang, Gitarre, Schlagzeug - der Style immer wieder neu erfunden: Beat, Glam Rock, Punk, New Wave oder Grunge. Nach diesem Schema haben in den vergangenen dreißig Jahren immer wieder neue Generationen den Sound vom DJ, dem Typen mit dem Mixer und den Turntables, neu erfunden: House, Techno, Rave, Dub Step, Minimal, Electro oder Breaks.

Worin liegt für Sie der Reiz, im ländlichen Ostdeutschland aufzulegen - statt in hippen Großstadt-Clubs?

Keine falsche Bescheidenheit. Ost-Berlin und Ostdeutschland waren nach dem Mauerfall die Urzelle unserer Sound-Revolution. Berlin ist immer noch die Technohauptstadt der Welt und das strahlt bis heute in den Osten aus. Ostdeutschland hat eine lange Technotradition, die sich nicht hinter Paris oder New York verstecken muss. 1990 habe ich dort gespielt, auch in Dresden. Und ich kann sagen: Die besten Partys waren die in Dresden.

Es ist Ihr erster Besuch im Vogtland, soviel ich weiß. Worauf sind Sie besonders gespannt?

Das wäre natürlich toll, wenn ich noch irgendwo mal auf Neuland stoßen würde - nach all den Jahren (lacht)! Also ich muss zugeben, das Vogtland sagt mir zwar was, aber so richtig fit bin ich nicht beim Thema deutsche Regionen ... Neulich fragte mich jemand, ob ich schon mal im südlichen Nord-Ost-Westfalen gespielt hätte. Ich bin in Westfalen geboren, aber da musste ich passen.

Was landet als Stärkung vor dem Gig aus der vogtländischen Küche auf Ihrem Teller: grüne Klöße, Bambes mit Fleisch, süßer Kartoffelkuchen - oder was ganz anderes?

Auf jeden Fall probiere ich was Lokales. Das mache ich überall, wo ich hinkomme. Es gibt ja Kollegen, die haben auf der ganzen Welt gespielt und überall nur bei McDonalds gegessen. Wie schade! Bambes mit Fleisch hört sich gut an.

Halten Sie es mit der alten Schule aus Plattenteller und Mischpult oder steckt Ihr Musik-Mix auf einem USB-Stick in der Hosentasche?

Nee, da bin ich ganz modern und spiele vom Stick. Ich weiß, da schimpfen jetzt ein paar Old-Schooler. Aber ich finde, die neue Technik hat so viele Möglichkeiten gebracht, von denen ich als Teenie-DJ in den 80ern geträumt hätte. Bis ich meinen ersten Track 1985 im Club spielen konnte, hat es vom Demo bis zur Produktion und dann bis zur Testpressung Monate gedauert. Heute mache ich ein paar Stunden vor meinem Set vielleicht einen neuen Track, den ich abends spielen kann. Wie fresh ist das denn?

Was macht einen guten DJ aus?

Man kann sich jedenfalls nicht mehr mit seinen seltenen Platten hervortun. Heute kommen ja alle überall an denselben Stuff ran. Aber dafür habe ich jetzt mein ganz eigenes Programm aus unveröffentlichten Tracks und radikal veränderten Edits und Bearbeitungen von Tracks anderer Leute. Zusammen mit den Möglichkeiten, die es heute am Mischpult gibt, den Loop-Funktionen und den Effekten, kann man die Musik live jeden Abend noch mal ein bisschen anders weiterver arbeiten - so, dass es vom Mix persönlicher und individueller ist als früher.

Was ist das Besondere an Ihrem neuen Album und bekommt Plauen daraus am 4. Mai etwas zu hören?

Risky Sets ist ein Auslese aus den Sachen, die ich in den vergangenen Jahren gebastelt habe. Mein Album davor, Götterstraße, war ja eher eine Betrachtung des Clublebens aus dem Weltraum, also von ganz weit weg. Risky Sets ist jetzt mit einem Knall wieder genau auf der Mitte des Dancefloors gelandet. Mein Risky Sets-Sound bringt viele Facetten meiner musikalischen Lebensgeschichte zusammen. Ich versuche darin anders zu sein als viele DJs und merke, dass das auch gerade beim jüngeren Publikum ankommt.

Tickets für den Gig mit DJ Westbam am Samstag, 22 Uhr, im Club Zooma kosten 8 Euro bis 23 Uhr, danach 10 Euro.


Der Künstler

Westbam wurde am 4. März 1965 als Maximilian Lenz in Münster geboren. Als Jugendlicher spielte er Bass in einer Punkband. Seinen Künstlernamen Westfalia Bambaataa leitete er vom HipHop-DJ Afrika Bambaataa ab. Ab Mitte der 80er Jahre startete er durch als Techno-DJ, Produzent (Beatbox Rocker), Labelgründer (Low Spirit), Veranstalter (Mayday) und Mitbegründer der Loveparade. 2014 stieg er bei Mayday aus. Auf seiner neuen Platte "Risky Sets" arbeitet Westbam mit Hip-Hop-Größen wie Kendrick Lamar und Drake zusammen. Er lebt mit seiner Frau und zwei Söhnen in Berlin und auf Mallorca (.em)

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