Er rückt felsigem Grund zu Leibe

Der Hauptfriedhof ist 100 Jahre alt. "Freie Presse" berichtet über den lebendigen Ort. Heute: Gartenbauingenieur Steffen Packmohr

Plauen.

Die Vogtländer gehen ungern Kompromisse ein, auch nicht bei der Bepflanzung von Gräbern. "Im Frühling setzen sie gewohnheitsmäßig Stiefmütterchen in die Erde, im Sommer kommen dann die Gottesaugen dran", so ist Steffen Packmohrs Erfahrung mit den Gepflogenheiten, an denen besonders Ältere festgehalten. Der Grünpflanzen-Experte bietet den Hinterbliebenen dennoch immer mal Mischpflanzungen an. Und manche lassen sich darauf ein. Schließlich überredet Packmohr sie nicht, sondern leistet Überzeugungsarbeit. Das sei ein Unterschied, sagt der 55-Jährige.

"Grabpflege ist Vertrauenssache, und dieses Vertrauen muss man sich eben erst erarbeiten", so der Landschaftsgärtner und Gartenbauingenieur, der auf dem Plauener Hauptfriedhof, gleich neben dem Eingang an der Kleinfriesener Straße, sein Büro hat. Er beschäftigt fünf Mitarbeiter. Vier davon helfen ihm draußen, eine Sekretärin sorgt halbtags für die Aufrechterhaltung der Öffnungszeiten. Täglich von 9 bis 14 Uhr und am Dienstag von 11 bis 17 Uhr hat sie ein Ohr für die Kundenwünsche.

Unter denen, die Packmohr und sein Team mit der Grabpflege beauftragen, sind viele Auswärtige, die nur unregelmäßig in Plauen weilen. "Die freuen sich, wenn sie unverhofft kommen und alles gut aussieht", weiß Packmohr. Nach dem Studium befand sich sein Büro 1987 schon einmal auf dem Hauptfriedhof. Damals arbeitete der Vater zweier erwachsener Kinder für die Stadtverwaltung. Seit 1992 ist er selbstständig. Für ihn schließe sich jetzt, der Kreis - da sein Schreibtisch erneut in den Räumen direkt an der Ruhestätte steht.

Der gebürtige Riesaer verbrachte seine Jugend in Markleeberg bei Leipzig, Im Zoo der Messestadt hat er gelernt. Die Arbeit bei den Tieren sei okay gewesen, aber am liebsten verwirkliche er sich, wenn er auf Menschen eingehen kann. Der Friedhof als Bestattungsort solle nach Packmohrs Erachten noch recht lange erhalten bleiben. Damit beziehe er sich einerseits auf die parkähnlichen Strukturen des Gottesackers in Reusa, andererseits auf die allgemeine Art der Bestattung hierzulande. Es ist ein klitzekleiner Seitenhieb auf den Modetrend Friedwald. "Naturnah geht auch hier", so Packmohrs Überzeugung.

Zu seinen Aufgaben gehört die Pflege der jungen Eiben auf dem Krematoriumsvorplatz - 50 Liter Wasser sind bei der momentanen Hitze pro Gießgang zu schleppen -, und das Schachten von Gräbern. Oft muss er dabei felsigem Grund zu Leibe rücken. Selbst mit dem Bagger könne das schon mal einen Arbeitstag lang dauern. Erdbestattungen gibt es allerdings nicht so oft. "Unter 30 pro Jahr", schätzt Packmohr.

Tag des Friedhofs am Samstag, 15. September: Neben Garten- und Pflanzexperten präsentieren sich auch Steinmetze und Bestatter vor Ort.

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