Erneut Neonazi-Konzert geplant

Die rechtsextremistische Kleinstpartei Der Dritte Weg erhöht im Vogtland ihre Aktivitäten - und agiert mit einschlägig vorbelasteten Neonazis.

Plauen.

Nur wenige Tage nach dem seitens der Polizei aufgelösten rechtsextremistischen Konzert nahe Erlbach läuft über die sozialen Netzwerke in Neonazikreisen der Zusammenruf für die nächste Veranstalter dieser Art in der Region: Für den 2. Oktober ist ein Konzert des Liedermachers Lunikoff im Vogtland angekündigt. Die Organisation läuft über WhatsApp. Wie für das Konzert im oberen Vogtland wird der Ort geheim gehalten und ein privater Kreis suggeriert - die altbekannte Masche, urteilt die Polizei. Mehrfach hatte die Zwickauer Polizei zuletzt in der Region mit Veranstaltungen wie dieser zu tun.

Der sächsischen rechtsextremistischen Musikszene kommt laut Urteil des Verfassungsschutzes eine bundesweit hohe Relevanz zu. Im Verfassungsschutzbericht für 2018 sind 25 rechtsextremistische Konzerte für Sachsen angeführt. Seit 2017 ist die Tendenz wieder steigend, auch wuchs die Teilnehmerzahl. Die subkulturell geprägte rechte Szene stellt einen großen Teil des rechtsextremistischen Personenpotenzials dar, heißt es. Dynamik erhält das Thema, da über die sozialen Medien innerhalb kürzester Zeit eine Mobilisierung möglich ist. Beobachter nehmen aber auch wahr, dass gebildeten Strukturen nach einem Ereignis in Inaktivität verfallen.


Unterdessen kündigte die rechtsextremistische Kleinstpartei Der Dritte Weg nach ihrem Ausschluss von der bevorstehenden Landtagswahl an, Strukturen in Sachsen weiter ausbauen zu wollen. Im Vogtland erhöht die Neonazi-Partei ihre Aktivitäten in Richtung Jugend, will vor dem Schulstart Selbstverteidigungskurse für Kinder anbieten und veranstaltet im August einen Aktionstag in Plauen mit kostenlosem Schulbedarf und Zuckertüten für deutsche Kinder. Diese Woche kündigte der Führungskader der Partei um Tony Gentsch zudem für den 3. August einen "Jugendtag" in Plauen mit Wanderung, Kochkurs und Grillabend an. Der Tag soll die Gemeinschaft stärken, heißt es seitens der Partei.

Im Emblem für die im Januar in Plauen neu gegründete Jugendbewegung der rechtsextremistischen Partei findet sich neben einem Eichenlaubkranz auch ein Schwert. Liedermacher Lunikoff, für dessen Konzert im Herbst Tony Gentsch als Redner angekündigt ist, verwendet in seinem Logo das L der SS-Kavallerie-Division Lützow. Hinter Lunikoff steckt Sänger und Liedermacher Michael Regener. Er war der Frontmann der Rechtsrock-Band Landser, die inzwischen als kriminelle Vereinigung und wegen Volksverhetzung verboten ist, und gilt in der Neonaziszene nicht zuletzt aufgrund seiner Verurteilung und Haftstrafe als Kultfigur. Regener ist laut Recherche des Netzes für Digitale Zivilgesellschaft "Belltower" führendes Mitglied einer elitären, militanten und einflussreichen Neonazi-Bruderschaft. Einzelne Mitglieder dieser Bruderschaft sollen an den Dritten Weg gebunden sein. Aus der Feder des Liedermachers stammt der Titel "Der dritte Weg marschiert".

Lunikoff trat 2014 zuletzt im Vogtland auf. Auch damals zogen organisierte Rechtsextreme die Fäden. Hinter der Veranstaltung in Zobes stand die extremistische Partei Die Rechte aus Nordrhein-Westfalen, die eines der größten Rechtsrock-Konzerte Sachsens auf die Beine stellen wollte. Laut Polizei seien die damalige Veranstaltung und das nun angekündigte Konzert jedoch kaum vergleichbar. 2014 wussten die Ordnungsbehörden genau, was auf sie zukommt. Bei den über die sozialen Netzwerke organisierten "Privatpartys" sei lange vieles offen. Für das Konzert im Herbst liegt der Versammlungsbehörde im Landratsamt noch keine Anmeldung vor. Ob eine Veranstaltung in dieser Form zulässig ist oder Schritte einzuleiten wären, könne erst eingeschätzt werden, wenn weitere Details wie etwa die Lokalität bekannt seien, heißt es auf Nachfrage. Im Fall des Konzerts bei Erlbach war dies erst wenige Stunden vor Beginn der Fall.

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