Freistaat rechnet Bahnausbau nach Cheb durch

Der Bund hält sich bislang bedeckt. Doch Sachsen legt jetzt Pläne offen: Wird die Bahnlinie im Vogtland zweispurig und mit Oberleitung zur Alternative für die Elbtal-Trasse?

Plauen/Dresden.

Sachsens Landesregierung denkt offenbar nicht nur über die Elektrifizierung der Bahnstrecke von Plauen in Richtung Cheb/Eger nach, sondern auch über einen zweigleisigen Ausbau. Das Problem: Dresden hat es nicht in eigenen Händen. Bahn-Infrastruktur liegt in der Zuständigkeit des Bundes. Doch das Bundesverkehrsministerium hatte sich zuletzt zu den Chancen für das Projekt bedeckt gehalten. Nach Aussagen des Parlamentarischen Staatssekretärs Enak Ferlemann (CDU) liegen der Bundesregierung bislang "keine Erkenntnisse zu voraussichtlichen Planungs- und Baukosten" vor.

Doch nach dem "Freie Presse"-Bericht "Weitere Elektrifizierung nicht in Sicht" vom 19. Dezember legt jetzt der Freistaat überraschend die Karten auf den Tisch. Laut Regierungssprecher Ralph Schreiber hat das Wirtschaftsministerium bereits im August der LISt Gesellschaft für Verkehrswesen und ingenieurtechnische Dienstleistungen einen umfangreichen Auftrag erteilt. Das Ingenieurbüro soll Wirtschaftlichkeitsberechnungen zum zweigleisigen Ausbau und zur Elektrifizierung der Strecke von Plauen bis zur tschechischen Grenze erarbeiten - auf tschechischer Seite liegt beides ohnehin bereits vor. "Mit ersten Ergebnissen wird im 1. Quartal 2019 gerechnet", erklärt Ralph Schreiber. "Der Freistaat investiert hierfür 210.000 Euro."

Sascha Aurich

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Zunächst soll die Studie alle Rahmenbedingungen erfassen, die für die Umsetzung des Ausbau-Projektes und dessen Wirtschaftlichkeit relevant sind. In weiteren Schritten sollen die benötigten Investitionen in Planung und Bau sowie die laufenden Betriebskosten ermittelt werden. Dabei lege die sächsische Staatsregierung große Hoffnungen in das von Bundesverkehrsminister Scheuer angekündigte Elektrifizierungsprogramm. "Eine Aufnahme der Strecke Plauen-Cheb hat der Bundesminister zwar bisher nicht angekündigt, jedoch könnten die Ergebnisse der Wirtschaftlichkeitsrechnung hier eine neue Bewertungsbasis bilden", sagt Sachsens Regierungssprecher.

Die Aufnahmekriterien für das Programm sollten bereits im September 2018 vorliegen, ihre Ausformulierung dauere jedoch weiter an. Unter Berufung auf Fachkreise geht Schreiber von einer offiziellen Ankündigung des Programms inklusive der geforderten Voraussetzungen Anfang 2019 aus. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) setze dabei auf "blickige Abgeordnete im Bundestag" - eine Formulierung, die er bei der Erwähnung des Vorhabens beim Sachsentag der CDU im Februar 2018 in Reichenbach verwendet hatte. Der vogtländischen Abgeordneten Yvonne Magwas traue er das zu. Alle Beteiligten sollten an einem Strang ziehen und sich aktiv für die Realisierung einsetzen.

Die Elektrifizierung und Aufwertung der Bahnstrecke von Plauen gen Tschechien würde nicht nur das Vogtland besser an die Region Karlovy Vary/Karlsbad anbinden. Sie würde auch als Alternative der durchs Elbtal führenden Bahntrasse den Güterverkehr dort entlasten.

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