Große Sprünge im Rathaus: Narren übernehmen die Macht

Mehr Karnevalisten und Zuschauer als sonst haben gestern den Auftakt der Fünften Jahreszeit gefeiert. Der Oberbürgermeister übergab eine "sehr, sehr gut gefüllte" Stadtkasse. Der Inhalt überraschte trotzdem.

Plauen.

Kurz vor 11 Uhr rückt die bunte Narren-Armee an: Ein Traktor zieht einen Wagen mit den Spitzen-Karnevalisten die Bahnhofstraße hinunter, dahinter marschiert mit schmissigen Musik das bunt kostümierte Fußvolk aus den Vereinen in Plauen, Straßberg, Oberlosa, Weischlitz und Jocketa. Der Zug führt den Unteren Graben hinauf, über die Marktstraße zum Altmarkt, der umrundet, dann über die Herrenstraße wieder zum Rathaus-Eingang. Dort haben sich schon eine halbe Stunde vorher die ersten Schaulustigen versammelt. Über 200 Karnevalisten und etwa ebenso so viele Zuschauer sind diesmal gekommen, um den Start der Fünften Jahreszeit zu feiern. "Es sind deutlich mehr als sonst, so viele hatten wir gar nicht erwartet", gesteht Joachim Kriester vom Verein Vogtländischer Carnevalisten (VVC), dem Dachverband der vogtländischen Faschings-Vereine. Der Grund ist relativ einfach: Diesmal fällt der traditionelle Rathaus-Sturm auf einen Sonntag. Selbst das durchwachsene Wetter mit Regenschauern schreckt die Interessenten nicht.

Punkt 11.11 Uhr gibt es kein Halten mehr: Die Menge bahnt sich den Weg ins Rathaus, Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer (mit Zylinder) und seinen Getreuen bleibt nur die Kapitulation. Die wird im Ratssaal perfekt gemacht: Oberdorfer übergibt mit Stadtkasse und Rathausschlüssel auch "die Bürde der Regentschaft" in Narrenhand. Die Kasse sei diesmal "sehr, sehr gut gefüllt", kündigt der OB scheinheilig an - allerdings ist kein Geld darin, sondern Legosteine. "Damit könnt ihr euch bis nächstes Jahr ein eigenes Rathaus samt Ratssaal bauen, denn der ist ja wegen des Umbaus nächstes Jahr zu", so Oberdorfer zu den Narren. Karnevalist Lutz Reinhardt, bekannt als "Rathaus-Elektriker", haut scharfzüngig in die gleiche Kerbe: "Betrachtet euch alle noch mal gut die alte Rathaus-Fassade, die Fertigstellung der neuen wird wohl niemand von uns erleben", stichelt er. Und nimmt die Stadtverwaltung kräftig auf die Schippe. Unter anderem behauptet er, die Rathaus-Crew hätte ja auch ein Faschingsprogramm aufführen wollen: "Es hat sich aber keine Kapelle gefunden, die so langsam spielen kann."

So bleibt das Programm allein an den Karnevalisten hängen, geboten wird eine flotte Show, unter anderem mit den Konfettis, der Kindertanzgruppe des VVC, die mit einer perfekten Choreografie das Publikum begeistern. Aber auch die Wema-Mädels und eine kleine Solistin aus Straßberg bekommen viel Beifall.

Etwas Besonderes haben sich die Weischlitzer einfallen lassen, die Mädchen absolvieren ihren schwungvollen Auftritt auf elf Mini- Trampolinen. Angesichts der Schwingungen im maroden Saal könne man sich ja vielleicht die Abrisskosten sparen, unkt Reinhardt vor ihrer Darbietung - doch der Saal hält stand. Karnevalist Kriester hat da auch noch eine Assoziation: "Riesensprünge, ohne dabei einen Schritt vorwärts zu kommen, sowas passt doch bestens in Plauener Rathaus", meint er.

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