Großes Güllelager in Zobes: Anwohner fordern Aufklärung

Seit in Zobes am Windrad die Bagger Erde wegschieben, wachsen im Dorf neue Ängste. Die Bürger haben viele Fragen.

Zobes/Theuma.

Seit die Zobeser Einwohner mitbekommen haben, dass die Agrargenossenschaft Theuma-Neuensalz direkt neben dem Windrad und damit etwa 450 Meter von der Wohnbebauung entfernt ein Güllelager baut, werden alte Ängste wach. Noch zu gut erinnern sich viele an frühere extreme Gerüche aus der Biogasanlage und fragen sich, ob eine neue Geruchsbelästigung auf sie zukommt.

Horst Schmidt, der über das Thema schon mit einigen Einwohnern gesprochen hat, fordert: "Wir wollen informiert werden. Es geht nicht darum, etwas zu verhindern. Aber wir verlangen eine Garantie, dass keine neuen Geruchsbelästigungen auf uns zu kommen." Hans Ratloff befürchtet außerdem, dass die Dorfstraßen dem Fahrverkehr nicht gewachsen sind. Auch wenn die Anlieferung der Gülle aus Theuma über Mechelgrün erfolge: "Die Fahrbelastung beim Abtransport wird erheblich. Die landwirtschaftlichen Flächen reichen direkt bis an die Gärten."

Das Bauvorhaben bestätigt der Vorsitzende der Agrargenossenschaft Udo Weymann: "Wir haben seit Februar eine Baugenehmigung und haben jetzt mit den Erdarbeiten begonnen." Geplant sei die Errichtung eines Güllelagers mit einem Fassungsvermögen von 5700 Kubikmetern. Damit erhöhe der Betrieb seine Lagerkapazität von sechs auf neun Monate. Gesetzlich vorgeschrieben sei eine Lagerkapazität von sechs Monaten. Mit der Erhöhung befinde sich der Betrieb perspektivisch auf der sicheren Seite. Laut Gesetz sei das Ausbringen von Gülle zwar schon im Februar wieder möglich, aber nur, wenn die Witterungsbedingungen stimmen.

Das bestätigt auch Jana Brückner, Pflanzenbauberaterin in der Plauener Informations- und Servicestelle des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. "Sind die landwirtschaftlichen Flächen noch schneebedeckt, tiefgefroren oder wassergesättigt, dürfen die Landwirte keine Gülle ausbringen." Im Gespräch sei zudem eine gesetzlich vorgeschriebene Lagerkapazität von neun Monaten.

Die Agrargenossenschaft entschied sich für ein Güllelager mit Emissionsschutzhaube. "Der Bautyp entspricht in etwa dem Güllelager neben der Zobeser Biogasanlage", erklärt Weymann. Laut Angaben des Herstellers verringere die Haube die Emissionen gegenüber einer offenen Lagerung um 96 Prozent, so der Geschäftsführer. Es kursiert in Zobes zudem der Verdacht, die Agrargenossenschaft habe sich wegen Einwohnerprotesten in Theuma für den Standort nahe Zobes entschieden. Dazu der Vorsitzende: "Es war von Anfang an ein dezentraler Standort geplant. Wir haben bewusst eine Fläche gewählt, die möglichst weit von den Häusern entfernt ist, aber nah genug an unseren Flächen, um beim Ausbringen keine Zeit durch lange Fahrstrecken zu verlieren."

Ulrich Bergler aus Zobes vermisst am Baustandort eine Bautafel. "Ich musste sogar an meinem Haus eine Bautafel anbringen. Wenn es am Güllelager keine gibt, entsteht der Verdacht, dass hier etwas vertuscht werden soll", schildert er die Bedenken der Bürger. Auch dass sich der Standort des Güllelagers genau in der Hauptwindrichtung zum Dorf befinde, ärgert Bergler. Schließlich gebe es im Dorf schon genug Emissionsquellen und Umweltbelastungen. Bergler zählt auf: "Die Biogasanlage, der Hühnerstall, die Kompostieranlage. Außerdem lagert in Dorfnähe asbestbelasteter Bauschutt. Und ein Windrad haben wir auch schon."

Auch vom Gespräch mit Bürgermeisterin Carmen Künzel (Freie Wähler) sind die Männer enttäuscht. "Frau Künzel hat gesagt, sie wisse nicht Bescheid", sagt Horst Schmidt. Die Bürgermeisterin erklärt gegenüber der "Freien Presse", dass es schon zwei oder drei Jahre her sei, seit die Agrargenossenschaft den Bauantrag stellte. "Aber nicht hier bei uns in der Gemeinde. Wir hatten damit nichts zu tun. Wir sind nicht berechtigt, dazu eine Stellungnahme abzugeben. Das lief alles über die Verwaltung in Treuen und auch dort wird nur die Einhaltung der Gesetze geprüft. Ich halte es für besser, wenn die Bürger ihre Fragen direkt an Herrn Weymann stellen." Die Prüfung und die Genehmigung des Bauantrages obliege dem Landratsamt, so Künzel. Weymann hat sich bereit erklärt, die Fragen der Bürger im Rahmen einer Einwohnerversammlung zu beantworten.

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