Kriegszeit: 97-Jährige hilft bei Spurensuche

Ihr Vater kämpfte einst im Ersten Weltkrieg. Ein Karton voller Briefe sind Elfriede Baumann geblieben. Das Schicksal des Soldaten ist eines von vielen, welchen sich die neue Ausstellung im Pausaer Heimateck widmet.

Pausa.

Ihre Mutter, damals ein junges Mädchen, erhielt viele Briefe von ihm von der Front. Tochter Elfriede Baumann hat sie alle aufbewahrt. "Sie müssen sich sehr gern gehabt haben", sagt Elfriede Baumann. Damals, als ihre Eltern so jung waren. Die alte Dame aus Ranspach lächelt. Sie selbst hat den Ersten Weltkrieg nicht miterlebt.

Es ist lange her. Heute ist die Ranspacherin 97 Jahre alt. Die Briefe hat sie all die Jahre gehütet. "Es ist ein ganzer Karton voll. Mein Vater hatte gerne geschrieben." Es sind alles Liebesbriefe, die er von 1909 bis 1918 nach Thierbach schrieb. Paul Richard Haase, so hieß der Vater, hatte bereits drei Jahre vor Kriegsbeginn gedient, war beim Reiterregiment in Borna stationiert. Dann musste er in den Krieg ziehen, kam 1915 zum Einsatz an der Westfront in Frankreich, zur Grenzabsicherung in Lothringen. "Er hatte Karten geschickt und Briefe. Und jedes Mal, hat er gehofft, dass er wieder heim kommt." All die Briefe bewahrte Klara Friedrich auf. Als er 1918 vom Krieg zurückkam, heiratete das Paar im Herbst des selben Jahres. Ein Jahr später zog man nach Ranspach. 1921 kam dann Elfriede Baumann zur Welt.

"Er hatte eine wunderbare Stimme, sang im Männergesangsverein in Ranspach", erinnert sich die 97-Jährige. "Und er setzte sich im Dorf für alle ein." Es sind nicht viele Erinnerungen, die Elfriede Baumann noch hat. Ihr Vater starb 1930 an einer Krankheit. "Das war für meine Mutter schwer, allein mit uns drei Kindern." Auch als dann der Sohn im Zweiten Weltkrieg fiel. Die Erinnerung an den Bruder tut der Seniorin bis heute weh.

Dass nun das Soldatenschicksal ihres Vaters gemeinsam mit anderen in den Fokus der neuen Ausstellung des Pausaer Heimatvereins rückt, freut sie. Da ist die schmucke dunkelblaue Uniform zu sehen, ein Foto und natürlich einige der Briefe. Es sind diese Schicksale, die der damaligen Zeit ein Gesicht geben. So heißt denn auch die Schau "100 Jahre nach Kriegsende: Spuren an der Heimatfront in Pausa".

Ute Arnold vom Heimatverein, die die Ausstellung konzipiert hat, sagt: "Es soll keine Kriegsdarstellung sein, sondern es geht um die Heimatfront, um das Leben in Pausa." Es wurden in der Stadt 223 Gefallene gezählt. Ihnen wird in der Ehrenhalle der Gefallenen des Ersten Weltkrieges in der Pausaer Kirche gedacht. Auf dem Friedhof der Stadt gibt es nur ein einziges Soldatengrab, das von Oskar Kurt Valentin. "Sein Vater hat ihn 1918 aus Belgien heimgeholt und hier beerdigt," sagt Ute Arnold. Es waren viele junge Männer, die in der Ferne für den Krieg sterben mussten. Viele erst Anfang 20 und das ganze Leben noch vor sich habend. Ute Arnold ist es auch wichtig zu zeigen, wie es den Zurückgebliebenen ging. Frauen, Kinder, kranke, alte Menschen. Frauen waren notgedrungen in Männerberufen tätig, wie Anna Wunderlich, die in Pausa die Tischlerei der Familie übernahm. Oder die junge Pausaerin, die in der Kartuschieranstalt in Plauen tätig war und bei der dortigen Explosion wie so viele andere starb. Die Kinder wurden militärisch erzogen. "Die Kindersterblichkeit stieg damals im Deutschen Reich um 50 Prozent." Zeitungsanzeigen erinnern in der Ausstellung daran, dass das auch auf Pausa zutraf. Und: "Allein in Pausa galten 1918 fast 300 Kinder als unterernährt." Es wurden ein Frauenverein und eine Suppenküche gegründet, zur Hilfe der Armen. Alles Spuren an der Heimatfront in Pausa. Und doch müsse man über den Tellerrand blicken, ist Ute Arnold überzeugt, um zu zeigen, was die Söhne und Männer im Krieg erlitten.

Zur Ausstellung gehört auch, dass Schüler der Oberschule Pausa ihre Dokumentationen zum Thema "Denkmäler für die Gefallenen und Vermissten des Ersten Weltkrieges" in der Region Pausa präsentieren.


Ausstellungsprogramm

Die Ausstellung "Pausa im Ersten Weltkrieg - Spurensuche an der Heimatfront" wird heute, 14 Uhr im Heimateck Pausa eröffnet. Ute Arnold vom Heimatverein, die die Schau konzipiert hat, gibt einen Überblick.

An den Wochenenden bis 23. September ist die Schau immer samstags und sonntags von 14 bis 17.30 Uhr geöffnet. Dazu kommen Begleitveranstaltungen.

Am 2. September hält Gerd Naumann vom Vogtlandmuseum Plauen um 16 Uhr im Pausaer Heimateck den Vortrag "Die Explosion in der Kartuschierfabrik Plauen". Am 9., 16. und 23. September, jeweils um 16 Uhr, kann man zur Ausstellungsführung von Ute Arnold ins Heimateck kommen.

Am 23. September ist 15 Uhr ab Heimateck eine Führung zur Ehrenhalle der Gefallenen des 1. Weltkrieges in der Pausaer Kirche und ein Besuch des Soldatengrabes von Oskar Valentin auf dem Pausaer Friedhof mit Ekkehard Weigelt zu erleben. (sim)

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