Naturschützer gegen Baumfällung

In Thossfell sollen Bäume gefällt werden, weil ihre Wurzeln zu Stolperfallen geworden sind. Dagegen wird Protest laut.

Thoßfell.

Mit den Überlegungen der Gemeinde Neuensalz, die Linden entlang des Fußweges unterhalb der Schule in Thoßfell zu fällen, um an zwei Stellen durch Wurzeln entstanden Stolperfallen zu beseitigen, ist Reinhold Turczyk, Mitglied im Naturschutzbund Deutschland, aus Treuen nicht einverstanden. Die Gemeinderäte hatten das Thema zur jüngsten Sitzung Anfang September besprochen. Laut Einschätzung der Bürgermeisterin Carmen Künzel (parteilos) sei Fällen die einzige Möglichkeit, die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Ratsmitglied Jens Baumgärtel (IG FFW) wies darauf hin, dass Kinderwagen nicht mehr durch die entstandenen Engstellen fahren können und das außerdem auch die Gefahr bestehe, dass Fußgänger an den bis zu 20 Zentimeter hohen Erhebungen stolpern oder sogar stürzen.

Das sieht Reinhold Turczyk anders. Er sagt: "Der Gehweg kann an einer der beiden Linden mit dem Kinderwagen problemlos passiert werden, weil daneben noch genug Platz zum Ausweichen über den Rasen ist." Bei einer weiteren Bodenerhebung genüge es, den Kinderwagen an einer Seite etwas anzuheben, um vorbeizukommen.

Bei seiner Einschätzung bezieht sich der Naturschützer auf rechtskräftige Urteile von Gerichten. Er erklärt: "Die Rechtsprechung geht davon aus, dass im Bereich von Straßenbäumen mit Unebenheiten in Verkehrsflächen zu rechnen ist und dies den Verkehrsteilnehmern bekannt sein dürfte."

Ein richtungsweisendes Urteil habe das Oberlandesgericht Düsseldorf gefällt. "Hier stolperte ein Passant über eine Erhebung im Plattenbelag im Bereich von Straßenbäumen. Die Klage wurde abgewiesen, da der Passant bei der gebotenen Sorgfalt die Erhebung im Plattenbelag rechtzeitig hätte erkennen können, zumal derartige Bodenerhebungen im Bereich von Straßenbäumen nicht selten sind und daher allen Passanten hinlänglich bekannt sein dürften," zitiert Turczyk Textteile aus einer Schriftenreihe der Uni Hannover, die sich mit Baumwurzeln unter Verkehrsflächen beschäftigt. Außerdem, so Turczyk weiter, haben Bäume eine wichtige Aufgabe in Ortschaften für das Klima. "Sie bilden Sauerstoff und haben einen hohen ästhetischen und psychologischen Wert." Allerdings habe die Gemeinde laut Turczyk die Pflicht, vor nicht vermeidbaren Gefahrenstellen zu warnen, weshalb es ratsam sei, Warnschilder aufzustellen. Eine weitere Möglichkeit bestehe darin, die Unebenheiten durch Anheben des Fußweges zu begradigen, schlägt der Naturschützer vor, der auch berichtet, sich bereits seit Jahren mit dem Thema zu beschäftigen und sich bei zahlreichen Baumseminaren weitergebildet zu haben. Turczyks Ratschlag lautet daher: "Ich empfehle, die Linden nicht zu fällen."

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