Neuer Trend: Bio für die Füße

Viele, die zum Orthopädieschuh-Fritsch kommen, haben Knick-, Senk- und Spreizfüße. Der Laden existiert seit 100 Jahren. Als er 99 wurde, stand er kurz vor dem Ende.

Plauen.

Ein kleines Schaufenster am Hradschin, und dahinter beginnt die Welt der Füße. Knickfüße, Klumpfüße, Kinderfüße. In der Werkstatt, die es dort gibt, steht Martin Langheinrich und beschäftigt sich den ganzen Tag lang mit Füßen in allen Formen. Er schneidet Schuhe auf Maß.

Martin Langheinrich ist Orthopädieschuhmacher-Meister. Das Handwerk hat er von Fritschs gelernt, der letzten Generation der Orthopädieschuhmacher-Familie, die den Laden geführt hatte. 99 Jahre nach der Eröffnung konnten die Fritschs ihn nicht mehr aus der eigenen Familie heraus weiter betreiben, er stand vor der Schließung. Dann kam Thomas Kohl, der eigentlich Betriebswirtschaftler ist und Apotheken berät. Er übernahm das Geschäft vor einem Jahr, investierte eine sechsstellige Summe und machte Martin Langheinrich zu seinem fachlichen Betriebsleiter.

Jetzt wird das Geschäft am Hradschin hundert. Es hätte auch passieren können, dass es dieses Jubiläum nicht schafft. Aber die Entwicklung bestärkt ihn in seiner Entscheidung, sagt Thomas Kohl: "Wir arbeiten am Image, wir wollen Schauwerkstatt sein. Schuhmanufaktur." Konkurrenzlos ist der Laden nicht. Kohl zufolge gibt es sechs solche Fachgeschäfte in der Stadt. Aber er will versuchen, auch die Jungen anzuziehen. Die, bei denen es auch so ganz gut läuft und die Verkäufer mit Basecaps cool finden. Thomas Kohl ist 48, seine Partnerin sechs Jahre jünger. Die beiden wollen ihre Generation davon überzeugen, mehr auf ihre Füße zu achten.

Die Einrichtung hat Kohl seiner Lebensgefährtin Nadja Behmel überlassen, die den Laden mit dem Bioladen-Trend vergleicht. "Wie Bio für die Füße", sagt sie. Knackpunkt seien die Sohlen und das Fußbett. Martin Langheinrich scannt deshalb Füße ein und baut Einlagen. Nadja Behmel trägt auch welche. Mit solchen Einlagen habe sie ihre Rückenschmerzen in den Griff bekommen, sagt sie: "Wer einmal auf Einlagen gelaufen ist, will das nicht missen." Und: "Weich ist nicht unbedingt gut." In vielen Fällen zahle die Krankenkasse.

Vorn im Laden hängt die Wand voller Leisten. Das sind Schuh-Rohlinge aus Holz, auf denen Schuhmacher Maßschuhe bauen. Auf den Regalen stehen Modeschuhe in allen Farben. Herausnehmbares Fußbett, nachhaltig produziert, modisch. Nach diesen Kriterien kaufen sie ein, sagt Thomas Kohl. Und die orthopädischen Maßschuhe, die sein Experte anfertigt, sollen aussehen wie normale Schuhe. Ein stylisches Ambiente für den gesundheitsbewussten Kunden, der Stiefel für sich selbst oder für seine Kinder sucht. Tröstlich wirken dürfte die Einrichtung auf Menschen, die auf solche Spezialgeschäfte angewiesen sind. Auch Orthesen und Bandagen gibt es in dem Geschäft.

Sein Beruf hat Martin Langheinrich zum Experten für Fußleiden gemacht. "Am meisten verbreitet sind Knick-, Senk- und Spreizfüße", sagt er. Die Knöchel knicken nach innen und unten, das Gewölbe flacht ab, der Vorfuß ist verbreitet. Schon Vierjährige kommen mit Fehlstellungen, sagt Nadja Behmel.

Viele Leiden kann ihr Kollege mit Einlagen korrigieren. Die Kernkompetenz bleibe aber bei orthopädischen Maßschuhen. Für Klumpfüße, Diabetikerfüße, Lähmungen, Beinverkürzungen. Wem die üblichen Konfektionsgrößen nicht passen, der freut sich, dass es noch Handwerker gibt.

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