Scholaser wider Willen werden jetzt zu Coschützern

Jahrelang hatten zwei Familien Ärger mit der Post und bangten darum, ob sie im Notfall ein Rettungswagen findet. Nach acht Jahren soll nun Schluss sein.

Scholas/Coschütz.

Müllers und Hulinskys reicht es. Acht Jahre haben die beiden Familien mit ihrer Scholaser Adresse Probleme gehabt, ihre Briefe und Päckchen zu bekommen. Denn auch wenn Scholas draufsteht: Ihre Grundstücke liegen etwa einen Kilometer entfernt von diesem Elsterberger Ortsteil. Nämlich ganz am Rand von Coschütz an der Friedensstraße. Jetzt hat der Elsterberger Stadtrat eine Lösung beschlossen. Die kam unter Gewissensbissen zustande - und schmeckt nicht allen Beteiligten.

"Acht Jahre haben wir es am eigenen Leib erfahren", schildert Thomas Müller den Ärger, den die Familien hatten: Post-Zusteller fanden sie nicht, Briefe erreichten sie nicht rechtzeitig oder wurden in Scholas abgegeben. Dazu kam die Sorge, dass ein Krankenwagen im Notfall vielleicht um lebensrettende Minuten zu spät kommt, weil das GPS im ländlichen Raum versagt. Die beiden betroffenen Grundstücksbesitzer baten deshalb nun den Stadtrat darum, dass aus Scholasern künftig Coschützer werden: mithilfe einer Umgemarkung ihrer Grundstücke.

Torsten Kleditzsch

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Denn die gehören eigentlich zur Scholaser Flur (Grafik). Deshalb bekamen sie im Jahr 2011 auch die Adresse Scholas, Dorfstraße 2a und 2b. Zuvor waren sie unter Friedensstraße 2a und 2b zu finden. Das Ortsschild Coschütz befindet sich etwa auf Höhe des einen Grundstücks. Beide Männer wollen sich zudem gern im Coschützer Ortschaftsrat engagieren und auch in Coschütz wählen.

Der Scholaser Ortsvorsteher Uwe Pansa sprach sich heftig gegen eine Umgemarkung aus. "Unser Ortschaftsrat hat sich dagegen entschieden", erklärte er. "Hier stehen Individualinteressen entgegen Gemeinschaftsinteressen." Man wolle nicht durch Bevölkerungsrückgang noch mehr geschwächt werden, sondern als kleiner Ort mit Freiwilliger Feuerwehr und Vereinen bestehen bleiben. "Scholas wird sonst behindert", so Pansa. Außerdem zähle in Scholas jeder Wähler. Wie Bürgermeister Sandro Bauroth (FDP) erklärte, sollen jedoch die Wahllokale Losa und Scholas zusammengelegt werden. Somit sei gegeben, dass am Wahltag mindestens 50 Personen dort wählen würden.

Viele Bürgervertreter hatten jedoch Bauchweh bei dem Gedanken, mit ihrer Entscheidung entweder die Scholaser oder die Coschützer vor den Kopf zu stoßen. "Ich habe Bedenken, über die Köpfe des Ortschaftsrates Scholas hinweg zu entscheiden", sagte Sebastian Gläser von der Alternativen Heimatliste (AHL). Auch Jürgen Brückner (AHL) wollte weder Scholas noch Coschütz verprellen, wie er einräumte. Die Forderung von Wolfgang Krumm (AHL), dass sich beide Ortschaftsräte einigen sollten, setzte sich nicht durch. Axel Markert (SPD) erklärte: "Es ist eindeutig, dass beide Häuser zu Coschütz gehören." Eine Umgemarkung sei nur zeitgemäß, so Markert. Wolfgang Haupt (AHL) fand, dass die Argumente der Familien schwerer wiegen als die des Ortschaftsrates.

Mit sechs Ja-Stimmen gegenüber zwei Nein-Stimmen und sieben Enthaltungen entschied der Stadtrat schließlich zugunsten der Familien, die wider Willen Scholaser sind.

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