Skiflug-Weltrekordler feiert 70. Geburtstag

Seinen Platz in den Geschichtsbüchern hat Heinz Wosipiwo schon 1973 sicher, als er damals sagenhafte 169 Meter sprang.

Klingenthal/Sohl.

Bei Heinz Wosipiwo wird heute oft das Telefon klingeln. 70 Jahre alt wird der Skiflugweltrekordler von 1973. Ob Dietrich Kampf, Horst Queck, Rainer Schmidt, Manfred Wolf, Bernd Karwofsky - zu vielen Sportkameraden aus seiner aktiven Zeit hat der Klingenthaler noch immer einen engen Kontakt. Und er freut sich, dass er seinen runden Geburtstag bei guter Gesundheit feiern kann.

Der Rekordsprung von Heinz Wosipiwo in Oberstdorf auf 169 Meter ist auf Youtube zu finden. Der gebürtige Sohler schaut ihn noch manchmal an, um wiederholt festzustellen, dass sich das Skispringen doch gewaltig verändert hat. Nur mit den Moderatoren bei den Übertragungen kann er sich nicht so recht anfreunden, ausgenommen Dieter Thoma und Sven Hannawald.

2014 hatte Heinz Wosipiwo auch als Trainer aufgehört. Das Interesse am Skispringen hält ihn aber weiter gefangen. "Jetzt natürlich vor dem Fernseher. Ich freue mich und leide auch - genau wie früher", sagt er. Beim "Leiden" meint er vor allem Richard Freitag, der aktuell um die Rückkehr in den Weltcup kämpft. Der hatte als junger Bursche mit zu seinen Schützlingen gehört.

Die Stunden an den Schanzen, ob als Aktiver oder danach als Trainer, hat er nie gezählt. Da waren Momente dabei, die Gänsehaut ausgelöst haben: Zu seinem 50. Geburtstag standen beim Deutschland- Pokal auf der Vogtlandschanze mit Sven Götze, André Pschera und Steve Kurzenberger gleich drei Schützlinge von Heinz Wosipiwo auf dem Siegertreppchen!

Zu den Gratulanten heute wird sich auch Ulrike Gräßler aus Eilenburg gehören, inzwischen Mutter ein Sohnes. Heinz Wosipiwo hat großen Anteil daran, dass auch sie es als Skispringerin in die Geschichtsbücher schaffte. Er trainierte Gräßler, als diese aus Eilenburg nach Klingenthal kam. Als 2009 die Frauen in Liberec erstmals um WM-Medaillen kämpften, holte sie als erste Deutsche eine Silbermedaille. Daran, so sagt er, erinnere er sich fast noch mehr, als an seine eigenen Erfolge. Und fügt mit einem Schmunzeln hinzu: "Naja, meine liegen ja auch schon etwas länger zurück". Bei der Premiere der Skiflug-WM 1972 in Planica holte er als erster deutscher Skispringer Silber hinter dem Schweizer Walter Steiner.

Als junger Bursche erlebte Heinz Wosipiwo noch eine Vierschanzentournee mit den Stationen Oelsnitz, Bad Elster, Eichigt und Bobenneukirchen. Als er einst für Sohl startete, fuhr er mit den Skiern per Zug zum Skispringen nach Bad Brambach: "Als ich die Schanze am Wachtberg sah, bekam ich es mit der Angst zu tun - und fuhr wieder heim", schmunzelt er. Nur wenige Jahre später war er auf den größten Schanzen der Welt zu Hause.

Immer wieder betont er, wem er seinen Erfolg zu verdanken hat: Harry Glaß, der Skisprung-Legende aus Klingenthal. "Als ich in die Trainingsgruppe von Harry Glaß kam, war das wie ein Hauptgewinn im Lotto", schaut er dankbar zurück.

Die sportliche Bilanz:1971/72: Platz vier bei der Vierschanzentournee, Vize-Weltmeister beim Skifliegen in Planica; 1972/73: Mit 169 Metern Weltrekord im Skifliegen in Oberstdorf; 1973/74: Achter der Vierschanzentournee, Vizeweltmeister auf der Normalschanze in Falun, Vierter der Skiflugwoche in Planica; 1974/75: Sechster der Skiflug-WM in Bad Mitterndorf; 1975/76: Zweiter der Skiflugwoche in Oberstdorf.

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