Verspätete Lamm-Geburten nach Hitzesommer im Vogtland

Bei 35 Grad im Schatten kam voriges Jahr das Liebesleben der Schafe fast zum Erliegen. Späte Geburten und ein durch-einandergewirbelter Arbeitsablauf sind die Folge.

Waldkirchen.

Was Tiermanager Jörg Mothes von der Marienhöher Milchproduktion in Waldkirchen im August vorigen Jahres ahnte, hat sich bewahrheitet: In der Hitze des Sommers 2018 waren die Schafböcke nicht so fruchtbar wie in anderen Jahren. Die Folge: Die Lämmer kamen in den vergangenen Wochen wesentlich später und in großen zeitlichen Abständen auf die Welt.

"Normalerweise stehen bei uns zu Weihnachten die ersten Lämmer im Stall. Spätestens Mitte März haben alle Muttertiere gelammt. Die Ablammzeit endete in diesem Jahr erst kurz vor Ostern und damit etwa vier Wochen später als üblich", so Mothes. Damit kommen die Abläufe im Schafstall gewaltig durcheinander. "Im Endeffekt heißt das: Bei den später lammenden Schafen fehlen uns am Ende vier Wochen Melkzeit. Im Normalfall melken wir Anfang Mai alle 200 Muttertiere. Die später Lammenden können wir aber erst Ende Mai melken." Und noch eine Besonderheit registrieren die Schafhalter in Waldkirchen. Dieser macht sich besonders in der angeschlossenen Direktvermarktung bemerkbar: "Der Fettgehalt der Schafmilch liegt bei mehr als sieben Prozent. Üblich sind etwa fünf Prozent. Eine Erklärung dafür haben wir nicht", berichtet Helgard Bauern, die Geschäftsführerin der Direktvermarktung. Das Können der Mitarbeiter in der Molkerei sei besonders gefordert. "Mit genormten Arbeitsabläufen und starren Rezepten kommen wir nicht weiter. Fingerspitzengefühl ist gefragt. Schafmilch ist ein Naturprodukt. Fett- und Eiweißgehalt verändern sich ständig. Darauf müssen wir bei der Verarbeitung reagieren", so Helgard Bauer.

Torsten Kleditzsch

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Während Schafmilch und Schaffleisch vor 19 Jahren, als die Waldkirchner mit der eigenen Verarbeitung begannen, noch Nischenprodukte waren, nimmt die Beliebtheit von Erzeugnissen vom Schaf inzwischen zu. Entsprechend breit aufgestellt haben sich die Waldkirchner. Helgard Bauer zählt auf: "Schnittkäse, Weichkäse, Frischkäse, jeweils in verschiedenen Geschmacksrichtungen, Schafquark, Frischmilch und sogar Eis aus Schafmilch bieten wir an." Dazu kommt gerade um die Osterzeit Fleisch vom Schaf. Auch hier beobachtet die Geschäftsführerin ein verändertes Kaufverhalten: "Anfänglich haben wir Schafe und Lämmer nur zu Ostern oder im Winterhalbjahr geschlachtet. Inzwischen schlachten wir das ganze Jahr über." 15 Lämmer werden es allein Ostern.

Bevorzugt fragen die Verbraucher nach den Edelteilen: Keule, Schulter und Kotelett. "Weggeschmissen wird bei uns aber nichts. Aus den Bauchlappen machen wir Rollbraten. Rippchen kann man räuchern und andere Teile eignen sich für die Wurst", so Bauer. Damit liegen die Erzeuger auf einer Linie zumindest mit einem Teil der Verbrauchern, denn Bauer ist überzeugt: "Kunden, die beim Direktvermarkter kaufen, schätzen Lebensmittel und werfen generell weniger weg."

Seit Anfang März marschieren die ersten Milchschafe täglich auf den Melkstand, um dort in der Regel etwa zwei Liter Milch pro Tag und Tier den Landwirten zur Verarbeitung zu überlassen. Bevor die Mutterschafe gemolken werden, bleiben die Lämmer bis zu acht Wochen bei ihren Müttern. Erst dann erfolgt die Trennung der Lämmer von der Mutter.

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