Warum in Rotschau die Kartoffeln trotz Dürre gedeihen

Jammern wegen der anhaltenden Trockenheit? Nicht bei dem als vogtländischem Kartoffelpapst bekannten Ulrich Gündel. Er kommt auch mit wenig Wasser aus - dank eines ausgeklügelten Bewässerungssystems.

Rotschau.

An der Schwarzen Tafel im Reichenbacher Ortsteil Rotschau gedeihen die Kartoffeln trotz fehlenden Niederschlags. Wie das geht? Für das kontinuierliche Wachstum sorgt ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem, das Ulrich Gündel seit vier Jahren nutzt - nicht umsonst ist der Chef von "Gündels Kulturstall und Kartoffelwelt" in Rotschau als vogtländischer Kartoffelpapst bekannt.

Die stete Feuchtigkeit auf seinem Feld verdankt er der sogenannten Tropfbewässerung: Sie funktioniert über Schläuche, die Wasser nur ganz langsam freigeben. So lässt sich Wasser sparen. In einfacher Form ist diese effektive Form der Bewässerung seit Jahrtausenden bekannt, dokumentiert etwa in China im ersten Jahrtausend vor Christus. Mit mäßigem Erfolg weiterentwickelt wurde die Technologie im 19. Jahrhundert in Deutschland; israelische Wasserbauingenieure der Firma Netafim ließen sich in den 1970ern ein oberirdisches Rohrsystem patentieren. Heute ist das Unternehmen der weltweit größte Hersteller von Bewässerungssystemen.

Auf Fründels Feldern werden im Frühjahr 58.000 laufende Meter Schlauch beim Anhäufeln der Pflanzung verlegt. Die Schlauchtrommeln befinden sich auf dem Anhäufelgerät, das mittels Traktor über das Feld gezogen wird. Der Schlauch wickelt sich dabei von selbst ab. Das Wasser kommt aus einem eigens dafür installierten Wasseranschluss. Für die Bewässerung hat Gündel die Felder in Abschnitte von jeweils einem Dreiviertel Hektar aufgeteilt. Jeder Teil wird einmal pro Woche über Löcher in den Schläuchen für vier bis fünf Stunden bewässert. Die Wassergabe entspricht einer Niederschlagsmenge von zehn Millimetern. Zwischendurch schaut der Kartoffelanbauer mit der Grabegabel nach, wie es um die Feuchtigkeit bestellt ist. Als Vergleich hat er den Schaugarten, der nicht bewässert wird. In der Tat: Dort sind die Kartoffeln deutlich kleiner.

Der Diplomlandwirt baut auf dem elterlichen Hof seit 2004 alte Kartoffelsorten an. Mit acht Sorten im Garten startete ein Versuch, der in einem Unternehmen gipfelte, das er 2007 an Sohn Swen übergab und in dem er nun angestellt ist. Inzwischen sind es 135 Sorten Kartoffeln, die auf sechs Hektar wachsen. In diesem Jahr wird die Bewässerung erstmals benötigt. "Klar kostet das auch Geld. Die Alternative sind jedoch kleine, schorfige Kartoffeln, die wir nicht verkaufen", so Ulrich Gündel. Für den Schorf sei ein Bakterium verantwortlich, das sich im Boden befindet und Sauerstoff liebt. Trockene Böden bieten ihm eine gute Nahrungsgrundlage.

Dank des ausgeklügelten Bewässerungssystems rechnet Ulrich Gündel trotz der anhaltenden Dürre in diesem Jahr mit einer hervorragenden Qualität seiner Kartoffeln. "Durch die zahlreichen Sonnenstunden lagert sich viel Stärke ein. Die Kartoffeln bekommen ein deutlich besseres Aroma als in nassen Jahren", ist er sicher. Die ersten Kartoffeln sind jedenfalls bereits geerntet und werden über den Hofladen verkauft.

Bevor es an die große Ernte geht, haben Gündels freilich noch einiges vor. Schon jetzt laufen die Vorbereitungen für die Jubiläums-Verkostung von Kartoffeln und Wein am 1. September. Stattliche 300 Auflagen in 13 Jahren werden zu diesem Zeitpunkt dann absolviert sein. (mit ulab)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...