Zu viele Altbauwohnungen? Stadt und Sanierer Müller uneinig

Ein Viertel aller Plauener Brachen wurde inzwischen revitalisiert. Das Rathaus warnt vor Leerstand, ein Unternehmer hält gegen.

Plauen.

Werden in Plauen zu viele heruntergekommene Häuser saniert? Die Stadtverwaltung ist dieser Ansicht, wie aus dem Monitoring-Bericht 2018 zur Entwicklung baulicher Brachen hervorgeht. Aufgrund anhaltend hoher Investitionen ist die Anzahl der registrierten Brachen seit 2014 um 14,4 Prozent auf aktuell 441 zurückgegangen und könnte Ende 2020 unter die 400er Marke rutschen. All das steht in dem von Falk Forster, Teamleiter Stadtentwicklung, erarbeiteten und am Montagabend dem Wirtschaftsförderungsausschuss vorgelegten Bericht. "Plauen hätte dann fast ein Viertel seiner Brachen binnen sechs Jahren revitalisiert", betont Forster.

Einerseits spricht die Stadtverwaltung von einer "erfreulichen Entwicklung", jedoch entstehe dabei ein Überangebot an Wohnraum. "Mittelfristig bedeutet dies selbst bei stabiler Bevölkerungsentwicklung wieder erhöhte Leerstände", heißt es weiter. Statt Überkapazitäten abzubauen, "werden neue geschaffen".


Plauens Altbausanierer Nummer eins kommt indes zu einer völlig anderen Bewertung des Wohnraumangebotes. "Ich warne vor Fehlinterpretationen", sagt Frank Müller. Der Immobilienunternehmer kannte den Monitoring-Bericht bislang nicht, widerspricht aber auf "Freie Presse"-Anfrage der Ansicht, in Plauen würden zu viele Gründerzeithäuser und Stadtvillen reaktiviert. "Für hochwertige Sanierung gibt es mehr Nachfrage als Angebote", hält Müller entgegen. Er nennt Plauen "eine hervorragende Stadt mit umwerfendem Potenzial" - und das betreffe auch die Immobilien. Den Wohnungsleerstand in seinem Unternehmen beziffert der Düsseldorfer mit Plauener Wurzeln auf zwei Prozent. In 27 Jahren habe er 1600 Wohnungen in Plauen saniert, 90.000 Quadratmeter. "Glauben Sie mir, die Nachfrage nach hochwertigen Wohnungen ist groß." Echtglas-Dusche, Parkett, Fußbodenheizung - derlei Dinge seien nachgefragt. Auch gehe der Trend zu größeren Wohnungen.

Der Bericht weist konkret für 2018 insgesamt 27 revitalisierte bauliche Brachen mit einer Gesamtfläche von 2,45 Hektar aus. Weitere 37 Maßnahmen für eine 3,3 Hektar große Gesamtfläche sind in Vorbereitung. Sieben Objekte (1,8 Hektar) haben den Status "unter Beobachtung". Dort sei noch nicht gänzlich klar, wohin die Reise der Sanierung geht. Die Gesamtfläche der verbleibenden Brachen sei 2018 erstmals unter 30 auf 28,3 Hektar gesunken.

In einem Punkt sind sich Stadt und Sanierer einig. Schlechte Lagen an Hauptstraßen oder im Rotlicht-Milieu sowie minderwertige Bauten gehen schlecht. Dort wachsen die städtebaulichen Probleme.

Ausschuss-Mitglieder stolperten im Bericht über eine Immobilie an der Pausaer Straße: Es handelt sich um das bisherige Domizil der rechtsextremistischen Partei Der Dritte Weg. "Ein wunder Punkt", räumte Baubürgermeister Levente Sárközy ein. Die Stadt müsse nicht nur die bauliche Substanz im Auge behalten, sondern auch soziale Belange.

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