Elsterberger Bürger sind den Zoff leid

Bürgermeister Sandro Bauroth kassierte jüngst öffentlich harte Kritik aus der größten Stadtrats-Fraktion. Bürger zeigen sich genervt vom "Kindergarten" im Rathaus.

Elsterberg.

Vor anderthalb Jahren hat Sandro Bauroth (FDP) den langjährigen Elsterberger Stadtchef Volker Jenennchen von der Alternativen Heimatliste (AHL) abgelöst. Einiges hat sich seither im Rathaus verändert - nicht zum Positiven, wie manche Bürgervertreter und Bürger finden. Vor Kurzem übte Wolfgang Haupt von der AHL, der größten Fraktion im Bürgerparlament, öffentlich harsche Kritik an Bauroth.

Aber woran liegt die dicke Luft im Rathaus? An einer machtgewohnten politischen Mehrheit? Am Bürgermeister? Oder daran, dass das Zusammenraufen doch noch mehr Zeit braucht? Einig sind sich Befragte nur in einer Sache: So, wie es im Rathaus zurzeit läuft, geht's für Elsterberg jedenfalls nicht voran.

Zur Kritik von Haupt hatte Bauroth sich auf "Freie Presse"-Anfrage nicht äußern wollen und sie als "Einzelmeinung" bezeichnet. Das Gegenteil sei allerdings der Fall, sagte Vize-Bürgermeister Sven Haller (AHL), der bei der Wahl gegen Bauroth unterlegen war: "Den Aussagen von Herrn Haupt stimmt die Fraktion der AHL voll zu." Haupt ergänzt: "Wir wollen, dass Elsterberg kein finanzieller Nachteil entsteht." Zuletzt gab die AHL den Anstoß für mehrere Änderungen im aktuellen Haushaltsplan. Posten wurden reduziert. Sven Thumstädter (Ev.-luth. Kirchengemeinde) erklärt, dass der Stadtrat schon oft "das ,Verbraten' von städtischen Geldern durch den Bürgermeister" verhindert habe. Zudem sei Bauroth kein Teamplayer. Haller und Haupt formulieren es anders: Es fehle das Vertrauen zum Stadtchef. Bauroth solle offener werden und andere Meinungen einbeziehen. Übt die AHL nun berechtigte Kritik oder schießt die langjährige stärkste Fraktion gegen den Wahlsieger aus einem anderen Lager?

Die geübte Kritik reicht im Stadtrat über die Reihen der AHL hinaus. Monika Beier (Linke) sagt: "Ich sehe den Bürgermeister ähnlich kritisch wie die AHL." Er wolle Sachen durchbringen, die finanziell nicht zu stemmen seien. So seien Pläne im Finanzausschuss abgelehnt worden, die Bauroth dennoch in den Stadtrat eingebracht habe - Beispiel: die Vorstudie für eine Überdachung der Burgruine. Vorgänger Jenennchen habe Vorhaben erst in der AHL vorgebracht und sich dann nach ihrer Tendenz gerichtet, so Beier.

Dass der Alt-Bürgermeister die politische Mehrheit im Stadtrat hinter sich gehabt habe und ganz anders habe agieren können, das sieht auch Axel Markert (SPD) so. Er finde es schade, sagt er, dass AHL und Bürgermeister wohl keine Freunde würden. Dabei seien sich Stadtrat und Bauroth in Grundsatzfragen einig, wie der Vermarktung des Enka-Areals oder der Ablehnung des Naturschutzgebietes Elstersteilhänge. Bauroth fehle es noch an Erfahrung, so Markert. Parteikollege Andreas Oberlein zeigt sich überzeugt, wie er sagt, "dass erfolgreiches Arbeiten nicht von allein erreicht wird." Ein Team, das den Aufgaben gewachsen ist, sieht er zurzeit aber nicht. Dennoch lobt Lothar Brand (Gemeinsam für Elsterberg) das Miteinander: Die Zusammenarbeit unter den Stadträten sei relativ konstruktiv. "Es funktioniert." Aber eine zu starke Fraktion findet er bedenklich. "Das Hauptinteresse sollte auf dem Wohl der Stadt liegen."

Genau darum geht es dem Bürgermeister, wie er sagt. "Man sollte die alten Sachen ruhen lassen und sich darauf konzentrieren, Elsterberg voranzubringen", so Bauroth mit Blick auf die AHL. Dass im Rathaus mehr gezofft als bewegt werde, stimme nicht. Bei Entscheidungen gehe er den normalen Weg über Ausschüsse und Stadtrat. "Man muss nicht immer einer Meinung sein, ich akzeptiere stets die Mehrheit." Mit der bisherigen Ausgabenstrategie könne man Elsterberg jedoch nicht aus dem Dornröschenschlaf wecken: "Die Pflichtausgaben müssen gedeckt sein, aber man muss auch mal Neues probieren." Visionen kosteten Geld, das gehe nicht ohne Fördermittel.

Auf die Frage, was sie von alldem halten, antworten viele Bürger erst mal: "Schwierig." Die einen vermissen Jenennchens Volksnähe. Die anderen finden: Bauroth wurde von der Mehrheit gewählt, also solle man ihn auch regieren lassen. Die Querelen nerven sie. Ob es Bauroth an Kompromissbereitschaft, an Offenheit fehlt, ob ihm einige Stadträte Knüppel zwischen die Beine werfen oder ob beide Seiten nicht schuldfrei sind - da gehen die Meinungen auseinander. Einigkeit herrscht nur darin: "So, wie es jetzt läuft, bringt es unserer Stadt nichts. Das ist doch Kindergarten."


Das denken Einwohner: Stimmen aus der Stadt

Befragte Einwohner wollten sich nur anonym äußern. Sie fürchten Konsequenzen aus dem Rathaus.

Machtkämpfe: "Im Rathaus herrscht Machtgerangel. Einige Köpfe können es nicht verwinden, dass sie nicht mehr die Macht haben. Sie behindern Bauroths Arbeit, sodass er keine Ergebnisse liefern kann."

"Es wird alles versucht, Bauroth die Arbeit schwerzumachen. Der Clan hält zusammen."

Vermisste Volksnähe: "Jenennchen war näher an den Bürgern dran."

Kindergarten: "Bauroth benimmt sich wie ein großes Kind auf der Spielwiese." "Was im Rathaus abgeht, erinnert an Kindergarten. Das hilft der Stadt nicht weiter."

Fehlende Ergebnisse: "Man merkt wenig von der Arbeit des Bürgermeisters." "Für die Stadt kommt dabei nicht viel rum."

Andere Zeiten - andere Herausforderungen: "Man kann das Heute schlecht mit Zeiten der DDR, als die Enka noch da war, vergleichen. Bauroth hat es schwerer."


Glasknochenkrankheit

Bei der Glasknochenkrankheit (Osteogenesis imperfecta) sind die Knochen leicht zerbrechlich, im Röntgenbild zeigen sie eine glasige Struktur.

Es handelt sich um eine seltene Erbkrankheit mit verschiedenen Typen, manchmal geht sie mit Kleinwüchsigkeit einher. In Deutschland sollen etwa 6000 betroffene Menschen leben. (bap)

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