Retter wollen bei ihrer Übung ganz hoch hinaus

Das Technische Hilfswerk hat im Reichenbacher Neubaugebiet West eine Übung veranstaltet. Ein Dummy wurde abgeseilt.

Reichenbach.

Die Fahrzeuge, die mit Blaulicht durch die Stadt in die Reichenbacher Albert-Schweitzer-Straße gefahren sind, fielen auf. Der THW-Ortsverband Reichenbach war am Samstagvormittag im Neubaugebiet West zu seiner Jahresabschlussübung angerückt. "Wir haben diesmal nicht normal alarmiert, sondern die Ausbildungszeit zur Übung genutzt", sagte Gruppenführer Jonathan Frank.

Beim Ankommen wurde zuerst die Schadenslage erkundet. Die Helfer erfuhren, dass die unteren Etagen nicht über das Treppenhaus zugänglich sind und dass im Haus Personen vermisst werden. In den Wohnungen der oberen Etagen waren zwei Dummies platziert. Die Helfer mussten mit Leitern in das erste Obergeschoss einsteigen. Sie nutzten dafür die Vorderseite mit der Balkonfront. Dann wurde das Haus nach Personen abgesucht. Als die Personen gefunden waren, musste über die Rettung entschieden werden. Da diese über das Treppenhaus nicht möglich war, wurde ein Ausleger mit Seilzug nach draußen gebaut.

Dafür wurde ein stabiles Gerüst errichtet. Von unten wurden Schleifkorbtragen an das Seil von oben eingehängt und nach oben gezogen. Im Haus wurden die Dummies auf den Tragen befestigt und mit Gurten gesichert und dann durch das Fenster ins Freie befördert. Eine Gruppe nutzte dabei die Balkonseite des Hauses, die andere die Rückseite. Die Tragen wurden vorsichtig nach unten geleitet, ohne die Hauswand zu berührend.

Der schonende Umgang mit den Patienten war wichtig. Beide Gruppen waren nahezu zeitgleich fertig. Alle Handgriffe wurden von den Schiedsrichtern mit Argusaugen verfolgt. Die Auswertung erfolgte sofort vor Ort. Bewertet wurden Kommunikation, Teamwork, Arbeitssicherheit für die Helfer sowie alle technischen Arbeitsgänge. Den Schiedsrichtern war wenig aufgefallen, was im Ernstfall zusätzlich Beachtung finden soll. Die Übung wurde als Erfolg gewertet.

"Im Ernstfall sind wir bei solchen Schadenslagen nicht allein. Dann sind das DRK und andere Helfer mit vor Ort. Bei der Übung haben wir viele Aufgaben übernommen, die sonst von anderen Rettern erledigt werden", sagte Jonathan Frank, der zusammen mit Konrad Rösler das Übungsszenario erdacht hat. Insgesamt waren 18 Kameraden und vier Fahrzeuge vor Ort. "Wir bedanken uns bei der Wohnungsbaugesellschaft (Woba), dass wir das Haus für Übungszwecke nutzen durften", sagte Stev Oertel, der am Samstag als Schiedsrichter eingesetzt war.

"Ich habe einen guten Kontakt zum THW und speziell zu Stev Oertel aufgebaut und auch zu Thomas Weck von der Feuerwehr. Das bedeutet kurze Wege in der Kommunikation", erklärte WOBA-Geschäftsführerin Daniela Raschpichler. Das Unternehmen stellt öfter leere Häuser für Übungszwecke zur Verfügung, wie diesmal das Gebäude in der Albert-Schweitzer-Straße 37. "Das ist eine Form der Unterstützung für diese Organisationen, die uns wiederum zugutekommt, denn die Helfer üben für den Ernstfall - der hoffentlich niemals eintritt", so die Geschäftsführerin. Höhenrettung ist für die Woba nicht nur bei den Sechsgeschossern ein Thema, sondern auch beim einzigen Hochhaus in Reichenbach mit elf Stockwerken.

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