Schwänzer lernen Lust auf Schule

Kein Bock auf Lernen sei ein zunehmendes Problem, sagen Schulamt und ein Psychologe. Frank Ebersbach weiß, wie sich Verweigerer zurückholen lassen.

Reichenbach/Rodewisch.

Eigentlich simpel: Wer Schule schwänzt, muss mit Sanktionen rechnen. Daran lässt sich das Problem auch ansatzweise in Zahlen fassen. So verhängte die Schulverwaltung des Vogtlandkreises laut Landesschulamt in Zwickau im vergangenen Jahr in knapp 450 Fällen ein Bußgeld wegen wiederholter Schwänzerei. "Das können im Ausnahmefall 2500 Euro sein", sagt Frank Ebersbach.

Der 58-jährige Förderschulpädagoge leitet die Klinikschule der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Rodewisch. Er und sein zehnköpfiges Pädagogen- und Erzieherteam beschulen im Schnitt 70 Schüler, zu denen auch die Patienten der Tagesklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Plauen zählen. Der Anteil der stationär Untergebrachten betrage analog zur Bettenzahl in Rodewisch 50, so Ebersbach. Und im Schnitt halten sich die Betroffenen dort sechs Wochen auf. Für die angegliederte Schule ergibt sich daraus ein jährlicher Durchlauf von 500 bis 600 Schülern.

Nicht jeder der kleinen oder schon etwas größeren Patienten, die in der Klinikschule rudimentär unterrichtet werden, sind Schulschwänzer. Oft geht es darum, während eines mehrwöchigen Klinikaufenthaltes "nur" den Anschluss an die Regelschule zu halten. Doch der Anteil der Schulverweigerer nehme zu, sagt der Chefarzt der Jugendpsychiatrie in Rodewisch, Wolfgang Liskowsky. Etwa 10 bis 20 Prozent aller Schüler würden unabhängig von Häufigkeit und Motiv irgendwann die Schule verweigern.

Liskowsky nennt die Diagnosen: In über der Hälfte der Fälle liege der Schulverweigerung Schulangst, konkret Angst vor Mobbing oder Angst vor Leistungsdruck zugrunde. Ein weiteres Viertel der Patienten leide unter Schulphobie - einer ungünstigen Wechselwirkung zwischen besorgten Eltern, die ihr Kind nicht loslassen, und der daraus resultierenden Verlustangst bei den Kindern. Bleibt ein weiteres Viertel, das sich laut Fachmann im Bereich Sozialverhaltensstörung oder Dissozialität bewegt. Viele dieser Fälle würden nicht in der Psychiatrie landen. "Die Gerichte sehen diese Schüler eher, es werden Sozialstunden, Strafen oder im besseren Falle Schulweisungen angeordnet", so Liskowsky.

Der erfahrene Förderschulpädagoge Frank Ebersbach hält wenig von repressiven Maßnahmen. Das führe selten zum Ziel, erklärt er. Die Frage lautet: Wie lässt sich ein Kind oder ein Jugendlicher wieder fürs Lernen begeistern und damit auch die gesetzliche Schulpflicht durchsetzen? Dafür sei es unabdingbar, dass Elternhaus, Schule, Jugendamt und Klinik an einem Strang ziehen. Es gelte die Ursache ausfindig zu machen, im Einzelfall zu fragen, warum es dem Kind schlecht geht, und dem entgegenzuwirken, so der 58-Jährige. Ebersbach sieht die Klinikschule dabei als Schnittstelle, die zu allen Beteiligten Kontakt hält und sie regelmäßig an einen Tisch bringt - den ständigen Austausch mit der Regel-Schule, auch nach der Wiedereingliederung dort, inklusive.

Schubert erklärt: Die Schülerzahl im Vogtlandkreis betrage aktuell 18.220, die wöchentliche Gesamtzahl der Unterrichtsstunden: knapp 41.000. Insofern würden die harten Fälle von Schulverweigerung weniger als ein Prozent ausmachen. Dass es aber einer Zunahme gibt, registriere auch die Landesschulbehörde.

Einen Vortrag zum Thema veranstaltet das Sächsische Krankenhaus Rodewisch am kommenden Dienstag, 11. Dezember um

17 Uhr im Haus A24. Unter dem Titel "Kein Bock auf Schule - Schulverweigerer zurückholen" referieren Klinikschulleiter Frank Ebersbach und Psychologin Franziska Schröck.

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