"So sind sie halt, die Vogtländer"

Das Kottengrüner Trämpele hat sich im Neuberinhaus so einiges "Zamgespunne". Dabei wurde viel gelacht. Für die Einheimischen war das ein Fest.

Reichenbach.

Der Samstagnachmittag bot im Neuberinhaus die Gelegenheit, sich eine der sonst oft ausverkauften Aufführungen der Kottengrüner Trämpele anzuschauen. Der Laientheatergruppe, die es unter diesem seit 1993 gibt, eilt der Ruf voraus, kurzweilige, unterhaltsame, lustige und vor allem typisch vogtländische Stücke auf die Bühne zu bringen. In Mundart. Nichtvogtländer dürften wohl nur die Hälfte verstanden haben.

Diese Vermutung bestätigt Ilona Schöniger aus Auerbach. Sie war mit drei Freundinnen nach Reichenbach gekommen und berichtete von einer vierten Freundin, die zu Hause bleiben musste. "Sie wohnt zwar schon seit 20 Jahren im Vogtland, aber den Dialekt versteht sie immer noch nicht richtig." Die drei Damen, die sich auf dem Rang einen Platz ganz vorn mit freier Sicht zur Bühne gesichert hatten, fühlten sich bestens unterhalten: "Es gibt die ganze Zeit etwas zu lachen." Als waschechte Vogtländerinnen war für sie die Mundart kein Problem. Im Gespielten erkannten sie die Mentalität der Einheimischen wieder: "So sind sie halt, die Vogtländer", fand Ilona Schöniger. Schon lange hatten sich die drei Frauen vorgenommen, einmal zum Kottengrüner Trämpele zu gehen. Jetzt endlich in Reichenbach hat es geklappt. Genauso erging es Katrin Fiker aus Treuen. "Schon zwei Mal wollten wir zu einer Aufführung gehen. Immer war ausverkauft. Heute hat es endlich geklappt. Wir haben erst gestern von dem Auftritt heute erfahren und sind kurz entschlossen hierhergekommen", so die Treuenerin. Auch sie bescheinigt den Darstellern Authentizität: "Das ist das wahre Leben", fand sie. Ein Paar aus Lengenfeld meinte: "Wir haben die Karten geschenkt bekommen. Das ist hier sehr lustig."

"Zamgespunne" heißt das neue Programm, mit dem die Theatergruppe derzeit in der Region unterwegs ist. Die beiden Sketche und das nach der Pause folgende längere Stück waren ganz offensichtlich dem Alltag abgeschaut. Alle Klischees des typischen Vogtländers von rau über herzlich bis zänkisch bedienen die Schauspieler. Die Stücke wirken dem Leben entnommen. Die Truppe schaut einfach nur genau hin und bringt mit spitzer Feder Übertreibungen, Spitzfindigkeiten, Witz und manchmal auch hinter den Sketchen Nachdenkliches auf die Bühne.

So war das auch am Samstag bei "Der 60. Hochzeitstag". Um die vermeintliche Schwerhörigkeit des Jubelpaares wissend, nahmen deren Tochter und Schwiegersohn im Beisein der Alten kein Blatt vor den Mund: "Wir füllen sie ab, dann schaffen wir sie wieder runter." Sie holten das angeblich feine Meißner Porzellan aus dem Schrank, worauf die Oma fragte: "Haben denn die Meißner auch für die Mitropa produziert?" Dass die Enkeltochter bloß kommen will, um Geld für den Führerschein abzusahnen, wurde hinter dem Rücken besprochen, während man dem Jubelpaar erklärte, die Enkelin komme extra wegen des Ehrentages. Dann der Clou: Oma berichtete, was sich das Paar anlässlich des 60. Hochzeitstages gekauft hat: ein Hörgerät.

Zwischen den einzelnen Programmteilen gönnten die Schauspieler ihrem Publikum kurze Pausen zum Durchatmen und Getränke holen, nicht ohne zwischendurch noch zu berichten, was der Oma kürzlich passierte, als sie beim Spazierengehen - auf einem Grashalm kauend - von ihren Enkelkindern zu hören bekam: Jetzt stehe der Kauf eines neuen Autos bevor. Denn der Vater habe gesagt, einen neuen Wagen gibt es erst, wenn die Oma ins Gras beißt.

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