Auf abenteuerlicher Zeitreise im Schloss Waldenburg

Bei einer Schlossführung konnten junge Besucher auf den Spuren fürstlicher Bewohner wandeln und in Episoden aus der Vergangenheit eintauchen.

Waldenburg.

Wie hat um 1900 das Hausgesinde ohne Waschmaschine Wäsche gewaschen? Und was stand damals auf dem Speiseplan der Adligen und Armen? All das konnten sechs junge Besucher am Freitag im Rahmen einer Kinderführung in der ehemaligen Residenz der Fürsten von Schönburg-Waldenburg hautnah erleben. Unter dem Motto "Leben in einem Schloss" führten die Zwillingsbrüder "Micha und Mischa" - beide verkörpert durch Gästeführer Michael Hinke, der in zwei Rollen schlüpfte - durch die Räume.

"Ganz schön anstrengend, wie damals die Dienstmädchen die Haselnüsse klein geraspelt haben, oder?" fragt Michael Hinke seine jungen Gäste. Der 60-jährige Schlossführer ist in seinem Element. Er trägt eine Kochmütze sowie eine zweireihige Kochjacke und zeigt anhand von allerlei Küchengeräten anschaulich, wie damals im Schloss gekocht wurde. Seine einstudierte Rolle beherrscht er perfekt. Dann heißt es Ärmel hochkrempeln, und jedes der sechs Mädchen darf an der Raspel drehen, die der Glauchauer im Küchenreich in der Fürstenresidenz aufgebaut hat.

Weiter geht es in die angrenzende Wäscherei. Hier können sich die Kinder mit einem Waschzuber und einem Waschbrett im Wäsche waschen versuchen. Bevor es losgeht, bekommen die drei Schwestern, die achtjährige Jázmin und die sechsjährigen Zwillinge Theodora und Greta Diab aus Zwickau, noch ein Kopftuch und eine Kochschürze umgebunden. Denn damals ziemte sich das so. Und dann geht es los. "Ihr müsst richtig schrubben, sonst wird das gar nicht sauber", feuert "Mischa" seine Gäste an.

Hinke hat sich intensiv mit der Zeit um 1900 beschäftigt. Um seine jungen Besucher für das Leben damals am Hofe zu begeistern, hat sich der 60-Jährige eine Menge interaktive Überraschungen einfallen lassen. "Mir ist bei den Führungen wichtig, dass für Jeden im Alter zwischen fünf und zwölf Jahren etwas dabei ist, aber auch die Eltern sollen sich nicht langweilen", so Hinke. Sein Plan geht auf. Alle Teilnehmer sind begeistert bei der Sache.

Dabei hatten Lea Roßner aus Werdau und Lina Gruber aus Waldenburg erst gar keine Lust gehabt, an dem Rundgang teilzunehmen, erzählt ihre Oma, die mit den Ferienkindern den Tag verbringt. Mittlerweile sind die beiden sieben- und achtjährigen Mädchen jedoch voll bei der Sache. Auch Annerose Hupfer, die mit ihrem Enkelkind Hannah Katharina Sauerzopfe aus Berlin an der Führung teilnimmt, ist von dem Ferienangebot angetan. Mit der Neunjährigen, die eine Woche bei ihr in Werdau verbringt, möchte sie später noch das Naturalienkabinett besuchen.

Nachdem die Mädchen die frisch gewaschene Wäsche auf einer Wäscheleine mit Sturmklammern im Außengelände aufgehängt haben, führt "Micha" - abermals verkörpert vom Gästeführer, doch diesmal stilecht in Lehreruniform - die Teilnehmer zur nächsten Station. Und zwar in das reich verzierte Chinesische Zimmer. Hier soll eine Tafel für den Fürsten eingedeckt werden. Doch kennt "Micha" überhaupt die Benimmregeln am Hofe? - Sein lautes Geschlürfe der Prinzessinnensuppe am Tisch sorgt jedenfalls fürschallendes Gelächter. Weitaus weniger prunkvoll, ohne Tafelgedeck, aßen die Armen um 1900 mit Holzlöffeln. Fleisch besorgten sich die weniger betuchte Schicht beim Pferde- oder Hundemetzger um die Ecke.

Nach anderthalb Stunden ist das Treffen mit "Mischa und Micha" vorbei. Die anschauliche Geschichtslektion hat ihre Wirkung nicht verfehlt. Für die Kinder war die Zeitreise im Schloss Waldenburg ein unvergessliches Erlebnis.

In den Sommerferien hat das Schloss erstmals Kinderführungen angeboten. "Das kam so gut an, dass wir jetzt in der Ferienzeit daran festhalten wollen", erklärt Anja Straube, verantwortlich für das Marketing.

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