Bahnhofskrawalle in Meerane: Vier Urteile nach Ausschreitungen

"Wir sind das Volk", rief die aufgeheizte Menge, Pyrotechnik flog durch die Luft, Polizisten wurden angegriffen. Ein Jahr danach ist das Geschehen fast vollständig aufgearbeitet - juristisch zumindest.

Meerane.

Vier Urteile sind in den vergangenen zwölf Monaten bereits gesprochen worden. Der letzte Angeklagte muss sich am Donnerstag vor dem Amtsgericht Hohenstein-Ernstthal verantworten. Alle fünf Straftaten haben die Männer in Meerane vor genau einem Jahr an jenem Abend begangen, der der Stadt deutschlandweit unrühmliche Bekanntheit verschaffte.

Etwa 100 Personen waren am 1. November 2015 einem Facebook-Aufruf gefolgt und trafen sich am Meeraner Bahnhof, um mehrere Reisebusse mit Flüchtlingen an der Abfahrt zu hindern. Die rund 700 Asylbewerber kamen mit einem Sonderzug aus Passau an, sie sollten auf verschiedene Unterkünfte in Sachsen verteilt werden. Am Abend eskalierte die Gewalt. Der Meeraner Bürgermeister Lothar Ungerer (parteilos) wurde als "Volksverräter" beschimpft. Feuerwerkskörper und Eier flogen in Richtung der Einsatzkräfte, die versucht hatten, die Störer abzudrängen.

Ein Jahr nach den gewalttätigen Ausseinandersetzungen ist das Geschehen zumindest juristisch fast vollständig aufgearbeitet. Anfang März dieses Jahres wurde ein 48-jähriger Maurer aus Meerane zu einer Geldstrafe von 1500 Euro verurteilt. Der Mann war Teil jener Gruppe, die den Anweisungen der Polizei, den Bahnhofsplatz zu räumen, nicht folgte. Als die Beamten die Asylgegner abdrängen wollten, sprang der 48-Jährige, der 1,5 Promille Alkohol im Blut hatte, ihnen entgegen und trat mit dem Fuß in Richtung eines Beamten.

Im April verurteilte Richter Manfred Weber einen 30-jährigen Glauchauer, der an dem Abend einen Polizisten so heftig auf das Helmvisier schlug, dass dieser ein Schleudertrauma erlitt und drei Monate lang den Kopf nicht ohne Probleme bewegen konnte. Der 30-Jährige hatte mehr als eine Promille Alkohol im Blut und wurde zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung verurteilt. Zusätzlich muss er 200 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Weil er zwei Feuerwerkskörper, die illegal aus Tschechien eingeführt wurden, in Richtung der Polizei warf, verurteilte Richter Manfred Weber einen 35-jährigen Meeraner zu einer Geldstrafe von 900 Euro. Der Mann entschuldigte sich bei den als Zeugen geladenen Polizisten persönlich. Wegen einer ähnlichen Tat wurde Ende April ein weiterer 35-jähriger Meeraner zu einer Geldstrafe von 3250 Euro verurteilt. Er hatte ebenfalls einen Feuerwerkskörper in Richtung der Beamten geworfen.

Am Donnerstag muss sich ein fünfter Angeklagter vorm Amtsgericht Hohenstein-Ernstthal verantworten, weil er an jenem Abend gegenüber Polizisten gewalttätig geworden sein soll. Es ist das einzige Verfahren, das nach dem Jugendstrafrecht verhandelt wird.

Zwischen September 2015 und März 2016 hatte es zeitweise monatlich fremdenfeindliche Demonstrationen in Meerane gegeben, auf dennen die Vorfälle am Bahnhof heruntergespielt wurden. Rechte Meinungsäußerungen im Stadtbild gab es zuletzt durch Banner und Schmierereien. (mit ael)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
3Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 2
    5
    Schinderhannes
    01.11.2016

    @ "voigtsberger":

    Fanden Sie, als sie bei der NVA waren auch, dass Gewalt keine Lösung ist und was hat der Bahnhofsvorplatz in Meerane, als völlig entkräftete Kriegs- und Terrorflüchtlinge Sachsen zugewiesen worden sind, mit der Situation von asozialen Maghrebinern in Köln zu tun?

  • 6
    5
    voigtsberger
    01.11.2016

    Bei 4 rote Daumen, muss ich den Bewertern unterstellen, sie billigen die Taten von Köln und finden dies richtig, das von über 1000 Anzeigen wegen Diebstahl und sexuelle Gewalt, nur 29 Verfahren eingeleitet wurden und davon 19 bisher verhandelt wurden, wo es mehrheitlich Freisprüche und Strafen unter 100 Euro gab. Was für eine scheinheilige Gesellschaft, die so blind ist und nicht sieht, was in unseren Land sich in kurzer Zeit schon verändert hat und wie mit zweierlei Maß gemessen wird. Oder warum ist seit der Silvesternacht in Köln ein mobiles Polizeirevier auf dem Bahnhofvorplatz eingerichtet und patrouillieren jetzt Polizisten im Umfeld bis in die kleinst Ecke, was vor 2015 nicht zur Diskussion stand und wer ist da der Auslöser für all die Sicherheitsmaßnahmen in unseren Land, nach Meinung der Verteiler von rote Daumen, wahrscheinlich unsere Bürger, na so was!

  • 7
    6
    voigtsberger
    01.11.2016

    Gewalt ist keine Lösung, aber was ist mit Köln und wie viel wurde da aufgearbeitet und wer zu was verurteilt, ein Lacher diese Rechtsauffassung und funktioniert nur bei unseren Bürgern!



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...