Bei Beierleins geht's drunter und rüber

Neues Jahr, neues Stück. Immer im Januar liefert das Schönberger Dorftheater einen weiteren Stoff für die Bretter im Dorfgasthof. In diesem Jahr sorgt Friedhelms Familie für unterhaltsame Stunden - mit schwarzem Humor.

Schönberg/Köthel.

Premiere am Samstagabend, zweite Vorstellung am Sonntagnachmittag und noch nicht einmal Halbzeit. Weitere fünf Vorstellungen im Gasthof Köthel des gleichnamigen Schönberger Ortsteiles wollen die Laiendarsteller bis zum 3. Februar stemmen. So ist das beim Dorftheater Schönberg/Oberwiera. Sieben heißt die magische Zahl. Die Kartennachfrage ist groß. Und der Saal gibt mit 220 Plätzen nicht mehr her. Deshalb ist die Anzahl der Vorstellungen im Laufe der Jahre stetig gestiegen, von zwei auf fünf und hat mit sieben Aufführungen pro Saison das Limit erreicht. Mehr geht nicht. Denn alle Mitwirkenden stecken in dieses Projekt ihre Freizeit, müssen Beruf, Familie und Sonstiges unter den sprichwörtlichen Hut bekommen.

Am Sonnabend öffnete sich der Vorhang zum 15. Streich. In der Tat ist mit der Premiere des neuen Stücks "Für die Familie kann man nichts", eine Komödie in drei Akten von Hans Schimmel, die 15. Spielzeit seit Bestehen des Ensembles angebrochen. Ellen Krause, die von Anfang an die Geschicke leitet, kann es manchmal selbst kaum fassen, welche Entwicklung das Projekt Dorftheater genommen hat, das einst mit einem vergleichsweise kleinen Stück in der Kirche begonnen hat. Theresa (Gentsch, verheiratet Klupsch) zum Beispiel war damals noch Schülerin. Sie steht heute als junge Frau und Mutter immer noch gern auf der Bühne. Im aktuellen Stück übrigens als Schülerin - eine Rolle, die ihr immer noch gut passt.


Der Stoff des neuen Stücks weicht etwas ab vom gewohnten Schenkelklopfer-Format. Eine bewusste Entscheidung, sagt Regisseurin Ellen Krause. Alle seien sofort begeistert gewesen vom Abstecher ins Fach "rabenschwarzer Humor". Eine gute Wahl. Es gab nicht nur am Schluss der Vorstellung reichlich Applaus, sondern auch spontan während der Szenen. "Meine Hochachtung dafür, was dieses Ensemble geleistet hat", urteilte zum Beispiel Christine Stolper vom Chemnitzer Fresstheater. Das Lob stammt aus berufenem Mund, denn sie steht als Wirtin des beliebten Ensembles selbst seit vielen Jahren auf der Bühne. Ellen Krause war nach der Premiere mehr als angetan von ihrer kleinen Bühnenfamilie. Das, was sie sich vorgenommen hatten, die Dialoge und häufigen Szenenwechsel mit der nötigen Lockerheit über die Bühne zu bringen, wurde sehr gut gemeistert. "Musstest Du viel sprechen?", fragte sie heiter und gelöst Souffleuse Ines Schulze-Gräfe unmittelbar nach der Premiere. Die verneinte schmunzelnd, ihr Einsatz sei kaum gefragt gewesen. Sie hilft übrigens nicht nur über Texthänger hinweg, sondern öffnet und schließt auch den Vorhang per Hand.

440 Besucher hatten am Wochenende bereits ihren Spaß am aufregenden Familienleben der Beierleins. Oberhaupt Friedhelm (Reik Vogel), das weiße Schaf in der Familie ist nicht zu beneiden. In seinen vier Wänden geht's drunter und drüber. Die Karrieren seiner Geschwister, die als Erfinder, Hacker, schmuddelige Wahrsagerin und Essgestörte unter seinem Dach wohnen, würde er nur zu gern seiner Herzdame Doris (Susann Schatz) vorenthalten. Doch es kommt natürlich anders ... Haushälterin Frieda Schrubbke (Dieter Rehm) kann gar nicht so viel putzen, wie im Hause Beierlein Schmutz anfällt. Dazu versorgt sie das Publikum mit allerlei Weisheiten, wie etwa ihre Übersetzung für die begriffsstutzige Anna (Theresa Klupsch): "Der IQ ist sozusagen die Körbchengröße fürs Gehirn." Eine Paraderolle für Dieter Rehm, der genüsslich Gag auf Gag aus dem Staubwedel schüttelt.

Ohne Worte über viele Bühnenminuten das Publikum zu amüsieren, diese Glanzleistung schafft hingegen Michael Beier. Als vermeintliche Leiche Albert muss er ernst bleiben trotz größten Tohuwabohus. "Das muss'te erst mal bringen", raunte es anerkennend von den Zuschauerplätzen, während er leichenstarr auf dem Sofa hockte.

Neben allem Klamauk kommt auch die Liebe nicht zu kurz im heiteren Dreiakter. Autor Hans Schimmel hält überraschende Paarungen bereit: Die männerscheue Traudel (Andrea Kallwitz) mutiert nach versehentlichem Alkoholgenuss zur "Klymphomanin", vernascht und beklaut energiegeladen ihr Opfer Gerd (Klaus Neumann), das sich zunächst völlig überrumpelt sträubt und sich einen Akt später nur zu gern in die Rolle des galanten Liebhabers fügt. Der Pfeil der Liebe trifft schlussendlich auch Gundula und Hubbi. Für Mona Schubert und Jörg Hartig sieht das Drehbuch eine besondere Herausforderung vor: einen Sprachfehler, der verbindet und beflügelt - "Je t'aime" klingt es zum Schluss aus den Boxen und lässt das Publikum dahinschmelzen, bis die Lachtränen kullern.

Zwölf Rollen und Figuren bieten reichlich Potenzial, in denen jeder seine Stärken so überzeugend ausspielt, dass sie wie maßgeschneidert passen. Bühnenbild, Maske und Technik vervollkommnen den Genuss. Das Publikum weiß es zu honorieren - spendete außer Applaus auch reichlich Geld. Nach zwei Vorstellungen kamen bereits 1200 Euro zusammen.


Spielen und Gutes tun

Seit 2010 wurde das Publikum des Schönberger Dorftheaters bei den Veranstaltungen um Spenden gebeten zur Unterstützung der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen und für die Durchführung kultureller Aktivitäten im Dorf.

Bis 2018 wurden 26.500 Euro gespendet. Unterstützt wurden aus diesem Fonds bisher unter anderem: die Beschaffung neuer Glocken für die Kirche in Schönberg, die Restaurierung von Kirchenfenstern, die Unterstützung für Hochwassergeschädigte im Dorf, Kindertagesstätten in Schönberg (Sonnenmarkise, Spielplatz) und in Oberwiera (Tontechnik-Außenanlage), mehrere Aufführungen des Marionettentheaters für Kinder und Erwachsene, Auftritte eines Gospelchores und von Liedermachern, Kinderarbeit in der Kirchgemeinde Oberwiera-Schönberg, Jugendfeuerwehr (Bekleidung), Ausstattung von kommunalen Spielplätzen in Schönberg, Tettau und Pfaffroda, Anschaffung einer transportablen Bühne für Veranstaltungen, Trikots und Tornetz für Jugend-Fußballmannschaften. In diesem Jahr wird um Unterstützung bei der Beschaffung neuer Glocken für den Kirchturm in Niederwiera gebeten.

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