Der Fotograf unter dem Tarnnetz

Stundenlang sitzt Klaus Rosenow auf einen Dreibeinhocker und wartet und wartet und wartet. Auf das perfekte Motiv.

Lichtenstein.

Klaus Rosenow ist regelmäßig auf der Pirsch. Im Lichtensteiner Schubertgrund oder im Rümpfwald, der sich in Richtung Glauchau anschließt, ist er genauso gern unterwegs wie am Rödlitzbach oder am Lungwitzbach zwischen St.Egidien und Niederlungwitz. Oft muss er sich dabei verhalten wie ein Jäger, doch "bewaffnet" ist er nur mit einer Kamera. Auch ein kleiner Dreibeinhocker, ein Tarnnetz und dicke Kleidung dürfen nicht fehlen. "Ich saß auch schon bei 15 Grad Minus am Lungwitzbach", erzählt der 65-jährige Lichtensteiner, dessen große Leidenschaft die Naturfotografie ist. Seine Tier- und Landschaftsfotos sind seit Anfang dieser Woche im Lichtensteiner Rathaus an der Badergasse zu sehen. Gezeigt werden sie bis zum 23. Februar 2020.

Wenn Rosenow über die Natur spricht, ist seine Begeisterung zu spüren. Ein Glücksgefühl war es, als ihm am Ostermontag 2013 der Seidenschwanz im heimischen Grundstück vor die Kamera kam. Der Vogel ist normalerweise viel weiter nördlich zuhause und kann in der Region nur mit viel Glück beobachtet werden. Die Federhaube auf dem Kopf und die kleinen roten Knochenblättchen an seinen Schwingen sind die Markenzeichen des Tieres. Doch auch die heimischen Vögel sorgen für Freude. "Im Schubertgrund gibt es viele verschiedene Spechte", erklärt Rosenow. Nicht nur gefiederte Tiere, auch Rehe, Mäuse, neugierige Füchse und viele andere hat er schon fotografiert. Neben der Region rund um Lichtenstein ist Mecklenburg-Vorpommern ein weiteres Revier des Fotografen, der Durchhaltevermögen braucht. "Man sitzt oft Stunden da und wartet", sagt Rosenow. Um die Chance auf gute Bilder zu haben, zieht er meist frühmorgens bei Dunkelheit los, steuert einen bestimmten Beobachtungsplatz an und macht sich dort soweit es geht unsichtbar. Nur dann kommen die Tiere nah heran. Bei jungen Füchsen hilft auch deren Neugier. Eine digitale Spiegelreflexkamera und ein Objektiv mit großer Brennweite sollten auch nicht fehlen, wobei Klaus Rosenow auch ohne eine mehrere Tausend Euro teure Ausrüstung auskommt.

Zur Naturfotografie kam er Ende der 1990er-Jahre, als er als Ausgleich zur Arbeit vor allem auf der Suche nach Ruhe war. Die bescherte ihm die Naturfotografie genauso wie besondere Momente, zum Beispiel wenn ein Rehbock nur wenige Meter neben ihm vorbei läuft. Bevor Klaus Rosenow vor zwei Jahren in Ruhestand gegangen ist, war er Leiter der Sucht- und Drogenberatungsstelle des Diakoniewerkes Westsachsen. Ehrenamtlich kümmert er sich nach wie vor um eine Selbsthilfegruppe in Glauchau, da den Betroffenen eine gewisse Konstanz bei den Bezugspersonen sehr wichtig ist.

Ohne Zeit in der Natur geht es nicht. Oft denkt Christ Rosenow, dann auch über Themen wie Schöpfung und Evolution nach oder erinnert sich an einen seiner liebsten Bibelsätze: "Groß sind die Werke des Herrn, wer sie erforscht, hat Freude daran". Zur Freude über die Natur kommen aber auch Sorgen, denn Veränderungen sind nicht zu übersehen, egal ob es um das Baumsterben durch die Trockenheit oder den Rückgang der Insekten- oder Vogelvielfalt geht.

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...