Eine Männerfreundschaft: Der berühmte und der stille Otto

Der Geburtstag von Otto Dix jährt sich heute zum 125. Mal. Der weltberühmte Maler hatte auch Verbindungen nach Oberlungwitz. Dort lebte ein befreundeter Kollege, der weit weniger berühmt ist.

Hohenstein-Ernstthal.

Der bekannte Maler Otto Dix (1891-1969) hätte heute seinen 125. Geburtstag gefeiert. Der in Gera geborene Künstler hatte auch Verbindungen nach Oberlungwitz und Hohenstein-Ernstthal. Denn er war mit dem Heimatmaler Otto Baumgärtel (1887-1972) befreundet. Beide studierten ab 1909 in Dresden an der Königlichen Kunstgewerbeschule in der Fachrichtung Malerei.

In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg war Dix zusammen mit Baumgärtel bei dessen Familie zu Besuch. Sie wohnten in einem kleinen Bauerngut an der Poststraße in Hohenstein-Ernstthal. Das markante Backsteingebäude steht noch heute.

Damals gehörten diese Häuser noch zu Oberlungwitz. Erika Harnack hat in ihrer Sammlung sogar ein Foto von einem dieser Besuche. "Wann es genau entstanden ist, weiß ich aber nicht", sagt die 87-Jährige. Otto Baumgärtel war ihr Onkel. Die Oberlungwitzerin, die als Deutschlehrern an der Pestalozzischule Schüler unterrichtete, fühlt sich beiden Künstlern verbunden. Sie versuchte vor allem die Erinnerung an Otto Baumgärtel zu erhalten.

Denn während Otto Dix weltbekannt wurde, hatte es Baumgärtel ungleich schwerer, seinen Lebensunterhalt zu verdienen. "Sie waren sehr verschieden", schätzt Erika Harnack ein. Dix konnte sich viel besser darstellen und war extrovertierter, auch in seiner Kunst. Baumgärtel dagegen war der Ruhigere, wollte nie im Mittelpunkt stehen. Auch seine Bilder präsentieren sich zurückhaltender.

"Trotz der Gegensätze waren sie Freunde und verloren sich auch nach dem Studium nicht aus den Augen.

Sie haben auch die Meinung des anderen sehr geschätzt", erzählt die Oberlungwitzerin, die etliche Karten in ihrer Sammlung hat, die Otto Baumgärtel von Otto Dix erhalten hat. Bilder von Otto Baumgärtel hat Erika Harnack ebenfalls, vom weltbekannten Dix dagegen nicht. "Die würde ich mir nicht unbedingt ins Wohnzimmer hängen", sagt sie über dessen Werke. Heimatmaler Otto Baumgärtel hat unter anderem große Wandgemälde in den Rathäusern von Hohenstein-Ernstthal und Oberlungwitz geschaffen.

Als Musterzeichner erarbeitete er auch Motive, die dann auf Textilmaschinen in Hohensteiner Betrieben zu großen Wandteppichen wurden, unter anderem anlässlich der Olympischen Spiele im Jahr 1936 in Berlin.

"In dieser Zeit entwarf Baumgärtel auch ein Sachsenring-Brettspiel, das es heute in einer Neuauflage gibt. Zudem gestaltete der Künstler, der zeitweilig auch im Wettbewerb mit Georg Schindler stand, Plakate oder Ansichtskarten.

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