Gibt die Stadt die "Palla" auf?

An Glauchaus bekannter Industriebrache nagt weiter der Zahn der Zeit. Hoffnung auf einen Investor haben die Verantwortlichen nicht mehr. Im Gegenteil, vom Abriss ist jetzt die Rede.

Glauchau.

Der Kaufpreis ist Verhandlungssache, doch schwerer wiegen die Kosten, die bei einer Sanierung anfallen würden. Schätzungsweise 40 Millionen Euro sind notwendig, um den denkmalgeschützten Industriekomplex an der Otto-Schimmel-Straße in Glauchau zu sanieren. Dabei handelt es sich um insgesamt fünf Gebäude mit einer Gesamtnutzfläche von etwa 8500 Quadratmetern. Vergleichsweise weit billiger wäre da der Abriss, den gibt die Stadt mit 600.000 Euro an. Im neuen Doppelhaushalt taucht diese Zahl unter der Bezeichnung "Abriss Palla" auf - eines von mehreren Investitionsvorhaben, die die Kämmerin Heike Weigel den Stadträten vorgestellt hat. Gibt die Stadt die "Palla" auf?

Offenbar rückt der Abriss immer näher. Es gibt einen Beschluss des Glauchauer Stadtrates aus dem Jahr 2012. Der besagt, dass die Stadt den Abriss vorbereiten, in der Zwischenzeit aber einen Investor für den riesigen Gebäudekomplex suchen soll. Diese Galgenfrist läuft solange, bis die Abrissarbeiten ausgeschrieben werden. Das stadtbildprägende Gebäudeensemble liegt im Fördergebiet "Scherberg" - das erhöht die Chancen auf finanzielle Unterstützung, möglicherweise auch für den Abbruch, denn im besagten Haushaltsplan sind für den Abriss Fördermittel vorgesehen.

Zwar ist es mit dem Abbruch noch nicht soweit, aber "die Suche nach einem Investor ist erfolglos geblieben", konstatiert Glauchaus Oberbürgermeister Peter Dresler (parteilos). Dabei hat es durchaus Bemühungen gegeben, den Koloss an den Mann zu bringen. Die größte Chance verpasste die Stadt wohl vor etwa zehn Jahren, als das Projekt "Forum der Generationen" scheiterte. Damals wollte das Integrationswerk Westsachsen (IWS) eine Lern- und Erlebniswelt in der "Palla" einrichten mit der "Phänomenia" als Herzstück. Kosten: 40 Millionen Euro. Unstimmigkeiten, unter anderem darüber, wer die Folgekosten trägt, ließen das Vorhaben platzen. Jetzt beginnt das IWS mit dem Umzug von "Phänomenia" nach Stollberg in das dortige Schloss Hoheneck. In der Folgezeit versuchte die Glauchauer Wirtschaftsförderung, die ein Verkaufsexposé erstellte, auf Immobilienmessen, die "Palla" anzubieten. Gespräche mit dem Freistaat Sachsen, eine Landesbehörde dort unterzubringen liefen genauso ins Leere wie sich die Hoffnung zerschlug, ein Forschungsunternehmen in der "Palla" anzusiedeln.


Einst größter Arbeitgeber

Der Industriekomplex an der Otto-Schimmel-Straße in Glauchau wurde in den Jahren 1927/28 als repräsentativer Firmensitz der Unternehmen Meyer und Bößneck sowie Ernst Seifert gebaut. Nach dem Krieg wurden beide Firmen enteignet, zu DDR-Zeiten entstand daraus der VEB Textilwerke Palla, der größte Arbeitegeber in der Stadt. Bis Anfang der 1990er- Jahre wurde in der "Palla" noch produziert, bevor das Unternehmen nach St. Egidien übersiedelte. (sto)

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