Holz deckt die Wahrheit auf

Die Obermühle in Niederlungwitz wird von 1500 Jahre alten Eichenbalken getragen. Wie alt das Haus wirklich ist, weiß keiner. Die Angaben am Eingang jedenfalls stimmen so nicht.

Niederlungwitz.

Christian Metzeroth steht angelehnt an einem Balken. "Das ist hier der Ursprung von allem", sagt der Glauchauer Restaurator. "Der Balken dürfte zu den ältesten in ganz Glauchau gehören. Metzeroth schätzt, dass er um die 1500 Jahre alt ist. Das Eichenbalkengerüst, vor dem sich Metzeroth für ein Foto aufgestellt hat, trägt nahezu das gesamte Gebäude, die Obermühle St. Peter in Niederlungwitz. Metzeroth hatte sie vor knapp 20 Jahren ersteigert und beherbergt darin ein Sammelsurium an Technikgeschichte. Sein Herz hängt an dem Gebäude, nicht nur, weil er Restaurator und Technikfreund ist, sondern weil in der Geschichte der Mühle Vorfahren seiner Frau zeitweise die Besitzer waren.

Wer vor dem Mühlengebäude steht und auf die Eingangstür blickt, dem springt die Jahreszahl 1739 entgegen. In dem Jahr soll das Haus erbaut worden sein. "Doch das ist nicht ganz richtig, heute würde man ,Fake News' dazu sagen", meint der Restaurator. Das Jahr 1739 sei in der Geschichte der Mühle zwar bedeutsam, damals wurde ein maßgeblicher Umbau beendet. Doch die Mühle selbst sei viel älter. Wann sie genau gebaut wurde, verraten die alten Eichenbalken im Erdgeschoss nicht. Es gibt ein Dokument aus dem Jahr 1489. Das gibt darüber Auskunft, dass die Flurstücke Mühlgraben und Mühle vereint wurden. "Also hat es schon weit vorher die Mühle gegeben", ist sich Metzeroth sicher. Es gibt noch einen weiteren Anhaltspunkt, dass die Mühle älter ist. Mit dem Umbau von 1739 verschwand der alte Turm des Gebäudes. Doch die Stellen im alten Gebälk, in denen die nach oben gehenden Turmbalken einst eingezapft waren, sind heute noch zu sehen.

Doch wie können so alte Balken die mehrgeschossige Mühle - der Mehltrichter fasste bis zu 80 Tonnen - über so viele Jahrhunderte halten und vor allem nicht verfaulen oder morsch werden? "Das liegt daran, dass nur das Kernholz verwendet wurde", erklärt der Fachmann. Der sogenannte Splint, das Holz um den Kern herum, wurde sorgsam entfernt. Damit werde verhindert, dass Pilze, Sporen oder Ähnliches im Holz verbleiben, was über kurz oder lang zur Fäulnis führe. Verwende man, wie im Fall der Eichenbalken in der Obermühle, nur das Kernholz, passiere das nicht. Das Holz hält ewig, selbst im Wasser.

Christian Metzeroth geht davon aus, dass die Eichen, aus denen die Balken in der Mühle stammen, auch in der Umgebung gewachsen waren. Die Niederlungwitzer Chronik von Rolf Polster geht davon aus, dass vor der Besiedlung am Lungwitzbach ein Eichenwald stand. "Miriquidi" wurde in der Geschichtsschreibung die Gegend im Erzgebirge genannt, das heißt so viel wie "Dunkelwald".

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