"Ich glaube, die AfD hat ihren Zenit überschritten"

CDU-Kreisvorsitzender Marco Wanderwitz über den Ausgang der sächsischen Landtagswahlen

Glauchau.

Marco Wanderwitz aus Hohenstein-Ernstthal, Staatssekretär im Bundesinnenministerium und Vorsitzender des Kreisverbandes Zwickau der Christdemokraten, gehört zu jenen Politikern in seiner Partei, die sich am deutlichsten gegen eine Zusammenarbeit mit der AfD aussprechen. Erik Kiwitter sprach mit ihm.

Freie Presse: Mit inzwischen etwas Abstand: Wie hat der Kreisverband Zwickau der CDU das Ergebnis der Landtagswahl aufgenommen?

Marco Wanderwitz: Wir haben unser permanentes Ziel, stärkste politische Kraft zu sein, erreicht: Dass heißt, wir sind nicht unzufrieden. Was unseren Landkreis betrifft: Da haben wir 36,3 Prozent der Zweitstimmen geholt. Das sind rund zehn Prozentpunkte Vorsprung. Auch unsere fünf Direktkandidaten haben gewonnen. Wir haben endlich mal wieder einen richtig guten Wahlkampf geführt.

In der Stadt Zwickau war es aber wesentlich knapper als zum Beispiel in Hohenstein-Ernstthal oder Glauchau.

Ja, das stimmt. In Zwickau gibt es größere infrastrukturelle Probleme, zum Beispiel was den Zustand von Sportstätten und Kitas angeht. Zwickau ist auch ein größerer sozialer Brennpunkt. Das wirkt sich auf das Wahlverhalten aus.

Das große Schreckgespenst war und ist die Alternative für Deutschland (AfD). Am Wahlabend haben sie sich im MDR-Fernsehen klar von ihr abgegrenzt, was nicht alle ihre Parteifreunde konsequent tun.

Erst einmal das: Ich glaube, die AfD hat ihren Zenit überschritten. Wegen der in etwa gleichen Wahlbeteiligung lassen sich die Bundestagswahl 2017 und jetzt die Landtagswahl ganz gut miteinander vergleichen. Da hat die CDU in Sachsen in absoluten Zahlen 35.000 Stimmen dazu gewonnen, die AfD 75.000 verloren. Aber um auf die Debatte im MDR-Fernsehen einzugehen. Ich habe der Moderatorin widersprochen, die die AfD als bürgerliche Partei bezeichnet hat.

Was ist die AfD Ihrer Ansicht nach?

Einige mögen ein bürgerliches Leben führen. Aber die Partei ist durchsetzt von Rechtsextremisten und völkischem Gedankengut.

Es gibt CDU-Mitglieder, die sagen, dass sie aus der Partei austreten, wenn es eine Koalition oder Zusammenarbeit mit der AfD gibt.

Ich weiß das. Und es gibt bei uns mehr Leute, die Probleme mit der AfD haben als mit den Grünen. Wenn die CDU mit der AfD koaliert, wäre sie auch nicht mehr meine Partei. Im Kreistag setzen wir uns konsequent von ihr ab und zeigen Kante.

In Zwickau gab es auf der konstituierenden Sitzung des Stadtrates schon einen ersten Unfall, wie Sie das bezeichnen. Kann man das umgehen?

Ich glaube ja. Speziell geht es mir um die Wahl eines AfD-Stadtrates in den Verwaltungsrat der Sparkasse. Wenn es um die Wahl nur eines einzigen Stadtrates in ein bestimmtes Gremium geht, hätten das die demokratischen Kräfte verhindern können. In dem Fall hat der AfD-Stadtrat aber wohl auch Stimmen von der CDU bekommen. Das ist nicht gut. Natürlich ringen wir mit der AfD um Sachthemen. Aber man muss auf der anderen Seite immer wieder deutlich sagen, dass sie eine Partei ist, die unsere Gesellschaft spalten und unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung aushebeln will.

Bewertung des Artikels: Ø 2.9 Sterne bei 9 Bewertungen
9Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 0
    7
    Distelblüte
    06.09.2019

    @Malleo: Ja, wenn sich bestehende Zustände nicht ändern, sondern verfestigen, dann werde ich noch eine ganze Weile so weitermachen. Isso.

  • 4
    3
    Malleo
    06.09.2019

    distel.
    Sie wiederholen sich und das langweilt!

  • 7
    3
    Hinterfragt
    06.09.2019

    Nun man kann's ganz kurz ausdrücken:
    Massiver Realitätsverlust ...

  • 8
    4
    Malleo
    06.09.2019

    Wer glauben will, sollte in die Kirche gehen!

  • 14
    4
    ralf66
    06.09.2019

    Hat diese CDU überhaupt noch was anderes im Sinn als sich mit der AfD ständig zu beschäftigen und damit die eigenen Probleme zu verschleiern?

  • 12
    3
    Tauchsieder
    06.09.2019

    Dies zum Thema Rechenkünste des Hr. Wanderwitz:
    Fakt ist, dass das politische Meinungsbild vor allem bei den Jungwählern vom Wahlausgang in beiden Ländern deutlich zugunsten der AfD abweicht. Wären nur die Stimmen der U30-Wähler ausschlaggebend gewesen, so wäre die AfD in Sachsen als Sieger aus der Wahl hervorgegangen, gefolgt von den Grünen und der CDU. Die SPD kommt bei den Jungwählern in Sachsen nur auf 7 Prozent, also noch einmal weniger als bei der Wahl (7,7 Prozent).
    In Brandenburg erfreuen sich die Grünen bei den Jungwählern der größten Zustimmung, knapp gefolgt von der AfD (23 Prozent zu 22 Prozent). Die SPD, die 26,2 Prozent holte, kommt bei den U30-Wählern nur auf 13 Prozent, also nicht einmal die Hälfte.(Info "F.W.)

  • 10
    7
    Lesemuffel
    06.09.2019

    Das Wundenlecken der Verlierer und Kaffeesatzleser, wie Wanderwitz öffnet den Blick auf die CDU. Das macht schon besorgt, wie er Zahlen herbeizerrt, um die Zenitüberschreitung der AfD zu beweisen. LT-Wahl 1990 CDU 53,8% 2019 32,1% Darauf ist Wanderwitz stolz? Ohne die Hilfstruppen zur Verhinderung des Wahlsieger der AfD wäre das CDU-Ergebnis noch schlechter. Wie man deutlich erkennen kann, geht die politische Arbeit von CDU und Co. So weiter, wie vor der Wahl - Diffamierung der AfD, Sachpolitik, Ärzte aufs Land, 1000 Polizisten zusätzlich - Fehlanzeige, oder, wann wird damit begonnen?

  • 12
    7
    saxon1965
    06.09.2019

    Herr Wanderwitz ist ein echter Rechenkünstler: "Da hat die CDU in Sachsen in absoluten Zahlen 35.000 Stimmen dazu gewonnen, die AfD 75.000 verloren." (Bundestagswahl 2017) Warum vergleicht er nicht noch die Europawahl mit der Landtagswahl?
    Solange sich solche Politiker in die eigenen Taschen lügen, solange wird die AfD Zulauf haben. Traurig!
    Dieses reflexartige Verhindern von Allem und Alles was mit der AfD zu tun hat, steht einen echten Demokraten nicht gut zu Gesicht.
    Es wird jedoch seine Gründe haben, warum man mit so wenig sachlicher Gelassenheit immer wieder reagieren muss.
    Nennt man eine Partei undemokratisch, gar rechtsextrem, so schmeißt man auch deren Wähler in diesen Topf.
    Ich meine, dass ist viel zu kurz gesprungen!

  • 9
    20
    Distelblüte
    06.09.2019

    Dem würde ich zustimmen. Die Schlagzeile trifft ebenso auf die meisten afd-Wähler zu.
    Lesenswert zu diesem Thema auch der heutige Artikel von Alessandro Peduto, "Männersache AfD".
    Im Grunde geht es um verloren geglaubte männliche Macht, verletzte Eitelkeiten. Deshalb ist die afd in den hoffnungslos überalterten Bundesländern wie Sachsen auch so erfolgreich. Und da es für junge, weltoffene Menschen (und Unternehmen) wenig attraktiv ist, in diese Regionen zu ziehen bzw. dort zu investieren, wird sich der Trend in den kommenden Jahren verfestigen. Aber das ist nicht so schlimm, dafür bleibt Mann schließlich unter sich.



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...