IFA-Oldtimertreffen: Minister lässt Abgeordneten abblitzen

In Werdau beginnt morgen die 21. Auflage dieser Veranstaltung. Ihre Zukunft ist allerdings unklar. Kommunalpolitiker reagieren verärgert auf die Haltung des Wirtschaftsministers.

Werdau.

Martin Dulig (SPD), Sachsens Wirtschaftsminister, hat eine Einladung der Stadt zum Besuch des IFA-Oldtimertreffens am Wochenende in Werdau ausgeschlagen. Eine Entscheidung, die Werdaus Oberbürgermeister Stefan Czarnecki (CDU) und Landtagsabgeordneter Jan Löffler (CDU) bedauern. Die Absage ist offenbar nur die Spitze des Eisberges. Seit Monaten liegen die Kommune, der Landtagsabgeordnete und der Minister im Clinch. Hintergrund ist die Zukunft der Traditionsveranstaltung in Werdau. Ausgetragen wird diese auf einem Teilstück der Westtrasse. Dort findet das Treffen nach dem Willen des Ministers am Wochenende zum letzten Mal statt. Ab 2019, so hat Dulig mehrfach kundgetan, könne die Trasse für das Treffen nicht mehr genutzt werden. Der Minister forderte die Stadt wiederholt auf, nach einem anderen Veranstaltungsort Ausschau zu halten. Dulig warf der Kommune in einem Schreiben vor wenigen Tagen vor, "dass von Seiten der Stadt bis heute keine spürbaren Aktivitäten erfolgten".

Eine Kritik, die das Stadtoberhaupt, Stefan Czarnecki, nicht auf sich sitzen lassen will. "In den zurückliegenden Jahren wurden durch die Stadt und die Organisatoren acht Varianten und Standorte als Alternative für die Westtrasse geprüft", sagt das Stadtoberhaupt. Bei allen geprüften Varianten hätten sich die gleichen Probleme ergeben: eine deutliche Verkleinerung der Ausstellungsfläche, massive Behinderungen für Anwohner, keine oder zu wenig Parkplätze für Besucher und nicht vertretbare Kosten für die Absperrung des Geländes. Hinzu kämen, je nach geprüftem Standort, fehlende Versorgungsanschlüsse für Wasser oder Strom, mangelhafter Untergrund als Standort für die Oldtimer beziehungsweise nicht ausreichende Straßenbreite. Deshalb steht für den OB fest: In Werdau gibt es keine Alternative zur Westtrasse als Veranstaltungsort. Das habe man Dulig mehrfach mitgeteilt.


Inzwischen hat sich auch der Landtagsabgeordnete Jan Löffler eingeschalten und sich mit zwei sogenannten Kleinen Anfragen an den Minister gewandt. Dabei wollte er unter anderem wissen, wo und für welche Veranstaltungen in Sachsen jährlich Bundes- und Staatsstraßen gesperrt werden. Das Ergebnis: Allein 2017 wurde 197-mal eine Staatsstraße - dazu gehört auch die Westtrasse - für eine Veranstaltung gesperrt. Tendenz seit 2013 steigend. In einer zweiten Anfrage hakte Löffler nach und wollte unter anderem wissen, wie sich die Zunahme der Genehmigungen erklären ließe. Dulig ließ Löffler abblitzen und verweigerte eine konkrete Antwort mit der Begründung: "Die Frage ist eine Bewertung. Zur Abgabe einer Bewertung ist die Staatsregierung nicht verpflichtet." Auch auf Löfflers weitere Frage, ob künftig auch andere Kommunen mit einer Absage zur Nutzung einer Staatsstraße für Veranstaltungen rechnen müssten, gab es keine konkrete Antwort. Löffler reagiert sauer: "Dem Minister ist offenbar nicht klar, was das Treffen für Werdau und die Region bedeutet. Es macht mich traurig, wie aus dem Ministerium versucht wird, eine derartige Traditionsveranstaltung zu Grabe zu tragen, anstelle mit Augenmaß die Verhältnismäßigkeit abzuwägen." Löffler zeigt sich kampfbereit und will sich gemeinsam mit dem Stadtoberhaupt auch nach der 21. Auflage für einen Fortbestand des Treffens in Werdau stark machen. Löffler stellte vorgestern erneut eine Anfrage und will dieses Mal konkrete Antworten von Dulig.

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