KZ-Räucherhaus: Mann bekommt Bewährung

Nazi-Bilder und Körperverletzung: Ein 33-Jähriger Glauchauer hat mehrere Straftaten zugegeben - doch der Richter hält ihm im Urteil einiges zugute.

Glauchau.

Ein 33-jähriger Glauchauer ist am Montagnachmittag zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr verurteilt worden. Der Vollzug ist zur Bewährung ausgesetzt, damit muss der Mann nicht ins Gefängnis. Mit dem Urteil, das Richter Rupert Geußer am Landgericht Zwickau fällte, wird das erste Urteil des Amtsgericht in Hohenstein-Ernstthal aufgehoben. Damals, im Januar 2018, war der Mann zu einem Jahr und sechs Monaten ohne Bewährung verurteilt worden.

Angeklagt war der Glauchauer wegen drei Delikten, die länger als zwei Jahre zurückliegen. Am 23. Dezember hatte er auf seiner Facebookseite ein Foto hochgeladen, das ein Modell des Vernichtungslagers in Auschwitz zeigt. Dazu hatte der Angeklagte geschrieben: "So, da werden wir mal das Räucherhaus anfeuern." Für den Richter ist dies klare Volksverhetzung, "an Menschenverachtung nicht zu überbieten", fügte er hinzu. Verteidiger Stefan Katzorke plädierte in diesem Fall für Freispruch, weil er keine Billigung des Holocaust erkennen könne. Auch der zweite Punkt der Anklage bezog sich auf das Verhalten des Mannes im Internet. Der Angeklagte gab zu, am 1. Januar 2017 um 4.52 Uhr ein Bild auf Facebook gepostet zu haben, das Adolf Hitler mit einer Rakete samt Hakenkreuz zeigt. Mit "Happy New Year" war das Bild überschrieben. Für Staatsanwalt Jörg Rhezak ist dies als Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen strafbar. Verteidiger Katzorke sieht das anders. Sein Mandant sei nach einer Silvesterfeier volltrunken gewesen, habe das Bild mit dem Smartphone weitergeleitet. Ein Hakenkreuz sei für ihn damals nicht zu erkennen gewesen. Richter Geußer wertete dies letztlich als fahrlässigen Vollrausch.


Die vergleichsweise Milde seines Urteils erklärte der Richter am Montag mit dem dritten Punkt der Anklage. Der Angeklagte hatte am 23. März 2017 gegen 1 Uhr auf der Talstraße in Glauchau einen Studenten ins Gesicht geschlagen, der hatte sich den Kiefer gebrochen, war auf einen Begleiter hinter sich gefallen und hatte ihn mit zu Boden gerissen. Der Begleiter hatte eine Platzwunde am Hinterkopf erlitten. Doch bei der Zeugenbefragung in der aktuellen Verhandlung konnten beide keine eindeutigen Angaben machen, was damals genau passiert war. Und auch der dritte Student, der dabei gewesen ist, konnte nichts zur Aufklärung beitragen. Für den Staatsanwalt ist der Faustschlag gefährliche Körperverletzung, für den Verteidiger einfache Körperverletzung. Richter Geußer legte sich auf vorsätzliche Körperverletzung fest, was auf das Strafmaß Auswirkung habe.

Für den Angeklagten sprachen mehrere Dinge: Er hat die Straftaten eingeräumt, seine Sozialprognose sei positiv. Er hat einen unbefristeten Job als Krananlagenfahrer, lebt in sozial geordneten Verhältnissen und hat mit Einverständnis der Mutter die gemeinsame Tochter zu sich genommen. Deswegen hat das Gericht veranlasst, die Freiheitsstrafe für vier Jahre zur Bewährung unter Auflagen auszusetzen.

Eigentlich hätte die Berufungsverhandlung schon im August stattfinden sollen. Jedoch war der Angeklagte aus gesundheitlichen Gründen nicht verhandlungsfähig.

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