Opferstöcke bei Dieben begehrt

Immer wieder haben es Kriminelle in Westsachsen auf Kirchen abgesehen. Sie wollen vor allem ans schnelle Geld. Doch auch so manches sakrale Kunstwerk ist schon verschwunden - und bis heute nicht wieder aufgetaucht.

Zwickau.

Die Zeiten, in denen der Kirchenschlüssel unter der Fußmatte liegt, sind vorbei. Derjenige, der das sagt, muss es wissen. Matthias Oelke ist Sprecher der evangelischen Landeskirche Sachsen. Immer wieder fällt ihm auf: Diebe machen vor Gotteshäusern längst keinen Bogen mehr.

Oelkes katholischer Kollege Michael Baudisch vom Bistum Dresden-Meißen sagt, dass Alarmanlagen und sichere Türschlösser inzwischen fast zur Standardausrüstung gehören. Besonders begehrt bei den Kriminellen: Opferstöcke, in die Kirchgänger zuvor ihre Spenden eingeworfen haben. Weil niemand weiß, wie viel Geld sich zum Zeitpunkt des Diebstahls darin befindet, bleibt der Schaden im Dunkeln. Im Jahr 2015 wurden der Polizei insgesamt acht Einbrüche dieser Art im Landkreis Zwickau gemeldet. Diese Zahl wurde 2016 bereits Ende September erreicht, wie Polizeipressesprecherin Anett Münster sagt.

Das Problem vieler Kirchgemeinden: "Um an das Geld zu kommen, werden Türen oder Fenster aufgebrochen", so Matthias Oelke. Damit entsteht teils hoher Sachschaden - er liege oft deutlich über dem Wert der Beute. Doch nicht nur in den Kirchen, sondern auch im äußeren Umfeld sind Kriminelle am Werk: Sie haben es zum Beispiel auf Dachrinnen aus Kupfer abgesehen. In Wilkau-Haßlau etwa schlugen Diebe gleich zweimal in einem Jahr zu. Genaue Zahlen haben weder Polizei noch Kirchen. "Nicht jeder Diebstahl wird dem Landeskirchenamt gemeldet", erklärt Oelke. Er schätzt, dass die Tendenz steigend ist.

In die Rubrik Auftragsdiebstahl fällt indes das Verschwinden sakraler Kunst. Diese Straftaten sind in den letzten Jahren rückläufig. Die meisten Diebstähle liegen schon länger zurück: So wird im Zwickauer Dom seit Dezember 1997 ein antiker Kriegsgott vermisst, der Jahrhunderte die Erbbegräbnisstätte der Familie Bose zierte. Die Täter hatten die 90 Zentimeter große und zehn Kilo schwere Figur vom Sockel geschraubt und einfach weggetragen. Bis heute ist das auf einen Wert von rund 10.000 Euro geschätzte Kunstwerk nicht wieder aufgetaucht.

Mehr Glück hatte da die St. Martinskirche in Oberlungwitz. Im Oktober 1990 verschwanden dort acht Holzfiguren, deren Wert auf eine halbe Million Euro geschätzt wird. 16 Jahre später konnten die Figuren - bis auf eine - wiedergefunden und der Kirche zurückgegeben werden. Eine Figur hatte die Polizei bei einer Internetauktion entdeckt und konnte so deren Weg zurückverfolgen. Nur von der "Heiligen ohne Abzeichen", die auf einem Flohmarkt in Bayern einen Käufer gefunden hatte, fehlt jede Spur. Da sich legaler und illegaler Markt vermischen, und es weltweit einen großen Markt dafür gibt, könne die Figur praktisch überall sein, sagt Kathleen Zink vom Landeskriminalamt.

Wegen der wertvolleren Ausstattung sind katholische Kirchen häufiger von Diebstählen betroffen als evangelische. Was in welchem Wert tatsächlich gestohlen wurde, dazu will sich Michael Baudisch nicht äußern. "Diese Übersichten sind für die Versicherungen gedacht, nicht für die Öffentlichkeit", sagt er.

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