Wo das Leben endet, fängt seine Arbeit erst an

Der Kriminalbiologe Mark Benecke sorgte im Glauchauer Stadttheater nicht nur für ein volles Haus. Er ist auch Garant für Gänsehaut und manchen Lacher.

Glauchau.

Für Unerschrockene, für Fans der Forensik oder einfach für Neugierige ist die Veranstaltung im Glauchauer Stadttheater ein Muss gewesen. Mark Benecke, deutscher Kriminalbiologe, begeisterte in seinem über zweistündigen Vortrag nicht nur mit Wortwitz, sondern auch mit Bildern über ein Thema, worüber man sich im Alltag nur selten Gedanken macht. "Ich bin noch sehr skeptisch, habe zwar schon viel über seine Lesungen gehört, weiß jedoch nicht, was mich erwartet", sagte Hendrik Stöckl aus Niederlungwitz vor der ausverkauften Veranstaltung.

"Bodyfarm" war das Thema des Abends. Langjährige Benecke-Kenner und Leser der Simon Beckett-Romane wussten, auf was sie sich einlassen: spannende und zugleich makabere Schilderungen eines in Deutschland unmöglich umzusetzenden Projektes. Die Bodyfarm ist ein in Tennessee (USA) angelegtes Feld, auf dem Leichen zu Untersuchungszwecken abgelegt werden, um deren Verwesungsstadium zu dokumentieren. Leicht verständlich und in Anlehnung an alltägliche Momente brachte Benecke sein Publikum zum Lachen und Nachdenken. Zum Beispiel: Eine Leiche sei keineswegs giftig, man könne sie berühren wie die zarten rohen Muskelwürfelchen eines Gulasches, der zum Sonntagsessen zubereitet wird. "In unserer Arbeit zählen nur die Daten unserer Experimente. Das macht Forensik aus", sagte der erfahrene Kriminalbiologe, der 365 Tage im Jahr auf der ganzen Welt forscht. "Wir dürfen uns von Beispielen nicht beeinflussen lassen, jeder Fall ist besonders, nie wird eine Bedingung einer anderen ähneln." Dort, wo das Leben endet, fangen die Forschungen Beneckes an. "Man muss immer ein Kind bleiben, die Sicht auf kleinste Details nie verlieren und immer hinterfragen", sagte er. Bilder seiner Forschungen an den Leichen fördern das Bewusstsein, nicht blauäugig zu urteilen: Liegt im Wald tatsächlich ein Vergewaltigungsopfer? Oder haben Füchse einer verunglückten Person an der Hose gezerrt, die kürzlich Geschlechtsverkehr vollzog?

Benecke stellte Fragen, ließ seine Fans an den Fällen mitarbeiten: "Ich habe zwei Ansatzpunkte vom Publikum erfahren, die habe ich noch bei keiner Lesung gehört. Das Wunder von Glauchau", sagte er. Er habe im Glauchauer Stadttheater schon immer ein aufmerksames Publikum erlebt. Auch den Backstage-Bereich im Haus bezeichnete er als den besten auf der ganzen Welt.

Mark Beneckes Abschlussworte richtete er vor allem an die Menschen, die nach diesem Vortrag eine schlaflose Nacht erwartet: "Wenn man an Erdbeermarmelade denkt oder an Einhörner, da hat man keine schlechte Laune."

Und der anfangs skeptische Hendrik Stöckl war am Ende beeindruckt. "Es ist Benecke gelungen, ein Thema zu präsentieren, welches vielleicht bei manchem Ekel hervorruft und dennoch zur Aufklärung von Straftaten wichtig ist. Es waren starke Worte und nicht so schöne Bilder. Wir sind der Erde egal, sollten wir uns selbst vernichten, wird ein anderes Individuum unseren Platz einnehmen. Bis dahin sollten wir einige Dinge wieder mit Kinderaugen sehen", sagte Stöckl.

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