Augenschmaus am Hauptmarkt

Ein markantes Haus im Zwickauer Zentrum wird derzeit aufwendig saniert. Dabei bekam es sein Aussehen von 1893 wieder zurück. In der alten Apotheke im Erdgeschoss gab es eine Überraschung.

Zwickau.

Das Haus mit der Nummer 15/16 am Zwickauer Hauptmarkt, bisher besser bekannt als Löwen-Apotheke, hat eine wechselvolle 130-jährige Geschichte hinter sich. Schon mehrfach wurde es umgebaut, zuletzt in den Jahren 1979/1980 und 1999/2000. Nun wurde und wird das Gebäude außen, aber auch teilweise innen wieder so gestaltet, wie Franz Wolf es im Oktober und November 1885 entwarf.

Im Juni 2015 hatte die Lichten-steiner Bauconzept Planungsgesellschaft das damals baufällige Haus von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben gekauft. "Wir haben einen Narren an dem Haus gefressen", sagte Geschäftsführer Bert Hoffmann damals. Jetzt, vier Jahre später, sind die aufwendigen Arbeiten vorangekommen. Das Dach hat seine Schiefereindeckung zurück. Für jedermann sichtbar sind auch die beiden Türmchen samt den Turmhauben und Wetterfahnen an ihren Platz zurückgekehrt. Die Hauben waren wahrscheinlich zwischen 1920 und 1930 entfernt worden. Die Bauakte hatte sie damals als baufällg beschrieben.

An der Seite zum Hauptmarkt sind die Gerüste bereits abgebaut, die Optik wie vor 130 Jahren ist wieder sichtbar, obgleich noch ein paar Restarbeiten erforderlich sind. Dabei verschwand nicht nur der Schriftzug der Löwen-Apotheke, sondern auch die Verankerung für die Werbung der früheren "Bärenschenke" sowie anderer Läden, die ihre Spuren im Sandstein hinterlassen hatten.

Die Fassade selbst ist eine Herausforderung für jeden Steinmetz. Vor allem die Restaurierung der Schmuckelemente und Gesimse erforderte filigrane Arbeit. Es habe sich als Vorteil erwiesen, dass die ursprüngliche Gestaltung symmetrisch erfolgte, sagte Bert Hoffmann von Bauconzept. Auf der rechten Seite des Hauses befinden sich die gleichen Elemente wie auf der linken Seite. Der Steinmetz konnte also vom jeweils besser erhaltenen Teil ein Muster abnehmen und die Elemente in seiner Werkstatt nachbauen. Der Sockel ist mittlerweile fast fertig. Nur am Eingang muss dieser noch aufgearbeitet werden. Hier schimmert noch die schwarze Farbe durch, die zum Ende des Zweiten Weltkriegs zum Schutz vor Bombenangriffen auf den hellen Sandstein gestrichen worden war. Erhalten geblieben sind auch die Eingangstüren. "Diese geben dem Gebäude im Erdgeschoß das Gesicht", sagte Hoffmann.

Aus der ehemaligen Apotheke, aber auch aus den übrigen Etagen wurden alle Wände entfernt, die in das denkmalgeschützte Gebäude nicht hineingehören. "Im Erdgeschoss wird wieder ein großer Raum entstehen", sagte Hoffmann. Dabei wurde die alte Apotheke zur größten Überraschung. "Dort waren gleich zwei Zwischendecken eingezogen worden. Warum, das weiß niemand so genau."

Die obere Decke entstand mit dem Umbau Ende der 70er-Jahre und sollte wohl Modernität ausstrahlen. "Die Verringerung der Raumhöhe hatte zudem wirtschaftliche Gründe, es mußte weniger geheizt werden - gleiches haben wir im Max-Pechstein-Museum vorgefunden", erklärte der Geschäftsführer. Die zweite, untere Decke sei dann Ende der 90er-Jahre mit den neuen Möbeln der Apotheke gekommen.

Das eigentlich Interessante verbarg sich darunter: die Originalstuckdecken, die sehr wahrscheinlich aus dem Jahr 1885 stammen. "Die werden wir wieder genauso herrichten", sagte der Bauherr. Warum ein Teil der Decke schwarz gestrichen worden war, ist allerdings unklar. " Wir hoffen, die Stuckateure können die Farbe entfernen, ohne die Decke zu beschädigen."

Im Haus sollen überwiegend Büros oder Praxen untergebracht werden. Einen Teil wird das Unternehmen selbst nutzen. Im Dachgeschoss werden zwei Wohnungen entstehen. Dass im Erdgeschoss wieder eine Apotheke einzieht, ist ausgeschlossen. Der frühere Apotheker wollte die Löwen-Apotheke, die als älteste Apotheke Zwickaus und als drittälteste in Sachsen galt, zwar nach dem Umbau fortführen, er war jedoch voriges Jahr verstorben.

Derzeit sind die Handwerker, die zum größten Teil aus der Region stammen, hauptsächlich mit der Rückfront des historischen Gebäudes beschäftigt. Diese wird deutlich moderner gestaltet und sich auch farblich von der vorderen Fassade unterscheiden. Im kommenden Jahr, so Hoffmann, soll das Gebäude, in das mehr als 800.000 Euro investiert werden, fertig sein. Wer sich das Bauwerk schon vorher ansehen will, hat dazu am Tag des offenen Denkmals die Gelegenheit. Am 8. September kann es besichtigt werden.

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