Bald erstes E-Auto für die Kommune?

Wird Hohenstein-Ernstthal die erste Kommune mit Elektroauto in der Umgebung? Tests in Nachbargemeinden verliefen bisher wenig erfolgreich.

Hohenstein-Ernstthal.

Seit einem Monat ist Enrico Dietz, Mitarbeiter des Hohenstein-Ernstthaler Stadtbauhofes, mit einem gemieteten E-Auto unterwegs. Das Volkswagen-Autohaus Schmidt am Sachsenring ermöglicht einen Langzeittest bis kommenden März. "So ein Langzeittest ist uns wichtig. Wir wollen gerade auch im Winter sehen, wie es funktioniert", sagt Dietz.

Bisher ist er mit dem kleinen Flitzer zufrieden. Geladen wird er über Nacht im Bauhof, an einer normalen Steckdose. Die Reichweite beträgt etwa 150 Kilometer. "250 bis 350 wären wünschenswert, aber für meine Fahrten nach Glauchau oder Chemnitz reicht es", sagt Dietz. Das Nachfolgemodell des derzeit im Bauhof eingesetzten Fahrzeuges wurde kürzlich von VW vorgestellt und soll 260 Kilometer schaffen. Bei einem Tempo von 130 ist aber Schluss denn da wird der 83 PS starke Motor abgeriegelt.

Gerade für Verwaltungen oder Bauhöfe können die E-Autos vor allem aus Kostengründen eine Alternative werden. "Für 100 Kilometer sind es 5,50 Euro. Das schaffe ich mit dem VW Caddy nicht", sagt Dietz. Auch als Ersatz für Kleinbusse mit Dieselmotor kommt die elektrische Variante infrage, gerade auch deshalb, weil der im Bauhof übliche Kurzstreckenbetrieb für Dieselmotoren alles andere als gut ist. "Wenn wir nicht damit anfangen, wie soll der normale Bürger dann überzeugt werden", fragt Dietz.

Oberbürgermeister Lars Kluge (CDU), dessen Dienstwagen derzeit ein Passat, Baujahr 2002, mit Dieselmotor ist, denkt pragmatisch. "Es muss uns als Stadt auch etwas bringen", sagt er, ist aber für neue Antriebskonzepte offen. Denn neben dem Umwelt- und Kostenaspekt sei es ja auch ein angenehmes Fahren im E-Auto. Bei den Kleinwagen gäbe es über kurz oder lang konkurrenzfähige Modelle, die dank staatlicher Zuschüsse lukrativ sein dürften. Doch bei Multifunktionsfahrzeugen und Lkw gibt es in Sachen elektrischer Antrieb laut Dietz derzeit kaum Konzepte. Das liege etwa daran, dass das Akkugewicht die Nutzlast zu sehr einschränke.

Sollten Kluge und Dietz sich für das E-Auto entscheiden, wäre Hohenstein-Ernstthal die erste Kommune in der Gegend. Im Jahr 2018 hatte Gersdorf zwar einen BMW i3 getestet. Doch Bürgermeister Erik Seidel (parteilos) entschied sich damals gegen den E-Boliden. Mit seiner Reichweite von unter 200 Kilometern sei das Fahrzeug für längere Strecken ungeeignet gewesen, sagt der Rathauschef. Fahrten zur Staatskanzlei in Dresden etwa wären mit dem BMW, trotz 170 PS, nicht drin gewesen. Erschwerend kam hinzu, dass es damals an der Staatskanzlei keine Ladesäule gegeben habe. Die Anschaffungskosten von 40.000 Euro wollte der Bürgermeister daher nicht tätigen, obwohl er die Elektromobilität grundsätzlich begrüße.

Der Test war Teil der Aktion "Elektromobilität erfahren" des Energiedienstleisters Envia M, an der neben Gersdorf 31 weitere Kommunen teilgenommen hatten. So auch Callenberg im August 2015. "Bevor wir uns ein E-Auto zulegen, muss erst das Preis-Leistungs-Verhältnis besser werden", sagt Bürgermeister Daniel Röthig (CDU), der sich ebenfalls gegen den BMW i3 entschieden hatte. Auch hier das Fazit: Für längere Fahrten außerhalb der Kommune ungeeignet.

Die Glauchauer Verwaltung ist mit Fahrzeugen gut ausgestattet, sagt Bürgermeister Peter Dresler (parteilos). Neuanschaffungen seien aktuell nicht geplant. "Wenn es soweit ist, werden wir aber über E-Autos nachdenken", so Dresler. Dennoch hat der Rathauschef ein Problem, das über den kommunalen Tellerrand hinausgeht. Elektroautos hätten zwar eine positive CO2-Bilanz. "Doch wenn wir die gesamte Produktion und Entsorgung betrachten, haben E-Autos keine bessere Energiebilanz als andere Fahrzeuge." Dresler macht noch eine weitere Einschränkung. Schnellladesäulen, mit denen auch größere Elektrofahrzeuge zügig "betankt" werden können, kosteten derzeit um die 60.000 Euro. Zuviel für die Stadt, findet der Bürgermeister.

Und wie sieht es in anderen Kommunen aus? In Oberlungwitz betreibt die Stadtverwaltung bisher keine E-Autos. Bei einer Neuanschaffung eines Fahrzeuges könnte sich das mittelfristig aber ändern, so Bürgermeister Thomas Hetzel (parteilos). Lichtensteins Stadtoberhaupt Thomas Nordheim (Freie Wähler) sagt: "Die Stadt nutzt derzeit noch keine Elektroautos." Für die vorrangig im Stadtgebiet liegenden Dienstfahrten gibt es jedoch vier E-Bikes, die von den Beschäftigten regelmäßig genutzt würden.

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