Damenriege kreuzt die Nadeln

Einmal im Monat genießen Frauen in Lichtenstein in gemütlicher Runde die "Lange Stricknacht" - weil es einfach Spaß macht.

Lichtenstein.

Freitags wird gebadet. Falsch. In Lichtenstein wird freitags gestrickt, zumindest einmal im Monat. Da kreuzen bis zu 20 Frauen im "Nähkästchen" am Lichtensteiner Kreisverkehr die Nadeln. Corina Reichenbach, die Inhaberin des Ladens, ist kreativer Kopf der fröhlichen Runde. Die 55-Jährige hat die "lange Stricknacht" erfunden.

Eigentlich müsste der Abend "Nacht der langen Nadeln" heißen. Denn da wird nicht nur gestrickt, sondern auch gehäkelt. Am Freitag waren einige Nadeln so lang - manche bis zu 30 Zentimeter -, dass man dafür fast einen Waffenschein benötigt. "Das hat seinen Grund. Wir häkeln heute tunesisch. Eine alte Handarbeitstechnik, bei der man viele Maschen direkt auf der Häkelnadel hat", erklärt Reichenbach. Vor vier Jahren ging das mit der Stricknacht los. "Hauptsächlich Stammkundinnen", sagt Corina Reichenbach. Selten packen die Frauen an diesen Abenden vor 21.30 Uhr das Strickzeug wieder ein. Diesmal gab es sogar Sekt. "Das ist eine Ausnahme, aber heute ist schließlich Frauentag." In der Runde entsteht alles, was aus Wolle entstehen kann. Sogar das Fallrohr an der Dachrinne vorm Laden haben die Frauen bereits knallbunt umhäkelt. Ansonsten werden Freunde und Verwandte mit den Produkten beschenkt: Stulpen, Schals, Mützen, Stirnbänder, komplette Kindergarnituren. "Socken stricken mit vier Nadeln, das ist die Hohe Schule", sagt Corina Reichenbach. Manuela Steigemann, Verkäuferin in der benachbarten Boutique, hat sogar den Schulterwärmer und den schicken Rock, den sie am Abend trägt, selbst gestrickt. "Wenn das Lagerfeld noch hätte erleben können", witzelt eine in der Runde. Die modischen Accessoires sind ebenso beliebt wie die gehäkelten Figuren. Unter den geschickten Händen von Corina Reichenbach entstehen Erdmännchen, Flamingos und Blumen. Alles wird mit Füllwatte ausgestopft, damit es Halt bekommt.

"Die Strickerei in gemütlicher Runde ist einfach gut für die Psyche. Du kannst dabei abschalten, es beruhigt", sagt Corina Reichenbach. Auch Hannelore Bretschneider liebt diese Freizeitbeschäftigung. "In so einer Runde macht das doch viel mehr Spaß als im stillem Kämmerlein", sagt die 66-Jährige. Kerstin Naumann, Physiotherapeutin aus Bernsdorf, weiß das Hobby zu schätzen: "Das ist eine gute Diät. Du hast die Hände voll und kannst dabei nicht essen. Nein im Ernst, wir können hier alle voneinander lernen, die verschiedenen Techniken ausprobieren. Ich möchte das nicht missen." Manuela Steigemann sieht das außerdem ganz praktisch. "Während wir hier stricken, können unsere Männer zu Hause ungestört Fußball gucken", sagt die 50-Jährige.

Seit 28 Jahren hält Corina Reichenbach trotz unzähligen Baumaßnahmen im Zentrum mit dem Laden durch. "Ohne einen Zweitjob würde es aber nicht gehen", sagt sie.

Wer sich für die Stricknacht interessiert, kann sich zu den Ladenöffnungszeiten informieren: Montag bis Mittwoch von 9 bis 12.30 und 14 bis 17 Uhr, Donnerstag/Freitag 14 bis 17 Uhr und Samstag 9 bis 12 Uhr.

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