Debatte um Karl-May-Haus geht weiter

Das geschichtsträchtige Gebäude bekommt jetzt aus Sicherheitsgründen ein Fundament. Aber damit ist das Problem noch nicht gelöst.

Hohenstein-Ernstthal.

Noch im Oktober will das Bauamt der Stadt Hohenstein-Ernstthal den Auftrag für eine Sicherungsmaßnahme am Geburtshaus von Karl May vergeben. Das hat Ulrich Weber, der Leiter des Bauamtes, am Donnerstag der "Freien Presse" mitgeteilt. Noch am Dienstag zur Stadtratssitzung gab es in diesem Zusammenhang einige unbeantwortete Fragen.

Bei der Sicherung des Gebäudes geht es um eine sogenannte Unterfangung. Bei den Abrissarbeiten der beiden benachbarten Gebäude - an deren Stelle soll der geplante Erweiterungsbau - stellten die Arbeiter fest, dass das Karl-May-Haus, in dem der Schriftsteller 1842 geboren wurde, gar kein Fundament besitzt. So steht das Haus nach dem Abriss der Nachbargebäude auf wackeligen Beinen, auch wenn nach Aussage der Experten keine Gefahr besteht, dass es einstürzt. "Jetzt wollen wir praktisch ein neues Fundament einbringen", sagte Weber.

Das ist neu. Zur Stadtratssitzung Anfang der Woche war noch unklar, welche Variante die Stadt für die dringende Sicherung des Gebäudes wählen wurde. Stadtrat Udo Zilly (Pro Hot) hatte darüber hinaus die Frage gestellt, ob mit der zusätzlich notwendig gewordene Sicherung Mehrkosten für die Stadt und damit den Steuerzahler entstehen. Gab es im Stadtrat noch keine konkrete Angabe dazu, sagte Weber am Donnerstag der "Freien Presse": "Nicht automatisch. Wir hatten einen fünfstelligen Betrag für die Sicherung eingeplant. Das Ergebnis der Ausschreibung wird am Ende zeigen, ob wir damit auskommen." Der Auftrag könnte laut Weber zwischen dem 28. Oktober und dem 6. Dezember ausgeführt werden. Dabei wird es zur zwischenzeitlichen Schließung des Museumsbetriebes kommen.

Aber es gibt noch ein größeres Problem als das der Sicherungsmaßnahmen. Im Sommer war die Ausschreibung für den Rohbau des neuen Depots, das an die Stelle der beiden abgerissenen Gebäude soll, geplatzt. Es gab nur zwei Firmen, die sich beteiligten, und die Angebote waren doppelt so hoch wie erwartet. Dietmar Röder (SPD) wollte im Stadtrat wissen, ob es einen Plan B gibt, wenn die Angebote der zweiten Ausschreibung wieder zu hoch sind. OB Lars Kluge (CDU) konnte lediglich antworten, dass man dann neu beraten müsse. Röder nach der Sitzung: "Platzt die Ausschreibung erneut, gibt es drei Möglichkeiten: Das gesamte Projekt wird gecancelt, wir schlucken die höheren Kosten, oder wir schreiben so lange aus, bis die Kosten passen."

Dann könnte es noch einmal richtig spannend werden. Denn dann müsste der Erweiterungsbau Karl-May-Haus - das derzeit größte Projekt der Stadt - quasi noch einmal den Stadtrat passieren. Und das Projekt gilt als umstritten.

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