Der Bayern-Praktikant auf der Glauchauer Trainerbank

Ehrensache! Engagiert in Westsachsen. Paul Nürnberger ist als Fußball-Trainer gleich für mehrere Teams verantwortlich.

Glauchau.

Das runde Leder (das gar nicht mehr aus Leder besteht) bestimmt die Freizeit von Paul Nürnberger. Der 21-Jährige, der im Remser Ortsteil Weidensdorf wohnt, hat gleich mehrere Trainerjobs. Beim VfB Empor Glauchau kümmert er sich um die B-Junioren und sammelt Erfahrungen als Co-Trainer der ersten Männermannschaft. Zudem fährt Nürnberger mit dem Mobil des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) auf Sportplätze in Westsachsen und im Vogtland. Parallel dazu ist er für eine Fußball-Arbeitsgemeinschaft an einer Grundschule in Lichtenstein verantwortlich. "Der Fußball ist meine Leidenschaft", sagt Paul Nürnberger, der an der Universität in Jena - nun im fünften Semester - Erziehungswissenschaften und Psychologie studiert. Der junge Mann pendelt fast täglich mit dem Zug zwischen Glauchau und Jena. Er sagt: "Unterwegs bleibt Zeit für die Vor- und Nachbereitung der Trainingseinheiten."

Dass es dabei auf ganz viele kleine Details ankommt, hat Nürnberger während eines Praktikums beim renommiertesten deutschen Fußballverein gelernt: Er war zwischen Ende April und Anfang September für den FC Bayern München im Einsatz. Der Student kümmerte sich unter anderem um den Kids-Club und die Vorbereitung von Sommercamps, die beispielsweise in Bochum, Hannover und Dresden stattfanden. Ganz nebenbei traf Paul Nürnberger auch einige Stars: Er war an einem Videoclip beteiligt, der mit den Profis Joshua Kimmich und Thiago gedreht wurde. Bei einem Trainingskick stand er mit zwei Weltmeistern von 1990 auf dem Rasen der Allianz-Arena: Klaus Augenthaler gehörte zu den Gegnern, Hans Pflügler zu den Teamkollegen. Zudem verfolgte der Westsachse viele Einheiten des von Miroslav Klose trainierten U-17-Teams der Bayern.

Das Praktikum beim 29-maligen Deutschen Meister hat Paul Nürnberger der Hartnäckigkeit seines Vaters Kai Schumann, der eingefleischter Bayern-Fan ist, zu verdanken. Er hat einen Brief an die Geschäftsstelle an der Säbener Straße in München geschickt und angefragt, ob sein Sohn als Trainer bei Nachwuchsteams hospitieren darf. Nach der ersten Absage folgte ein zweiter Brief, der offenbar an der richtigen Stelle gelandet war. Dann meldeten sich die Bayern-Verantwortlichen bei Paul Nürnberger. "Ohne die Verrücktheit meines Papas hätte ich die Erfahrung nicht sammeln können", sagt der Student, der als Trainer-Vorbilder Jürgen Klopp und "Pep" Guardiola nennt - aufgrund des Auftretens an der Linie (Klopp) und der taktischen Philosophie (Guardiola).

Von den Erfahrungen, die Paul Nürnberger in der bayerischen Landeshauptstadt sammeln konnte, profitiert er nun auch bei den Trainingseinheiten im Sportpark an der Meeraner Straße in Glauchau. "Wichtig ist, hart und mit der Liebe zum Detail zu arbeiten. Egal wie groß der Erfolg auch ist: Werte wie Menschlichkeit und Bescheidenheit darf man nicht verlieren", sagt der junge Mann, der in den letzten Jahren auch schon Praktika bei Nachwuchsteams des FC Erzgebirge Aue und der SG Dynamo Dresden absolvieren durfte. Bei der Trainingsmethodik stellt er keine großen Unterschiede fest. Fußball bleibt eben Fußball

Über das Engagement von Paul Nürnberger, der bereits im Alter von 15 Jahren die ersten Nachwuchsteams trainierte, freut sich Knut Mager. Der Vorsitzende des VfB Empor Glauchau, eines Vereins mit rund 300 Mitgliedern, macht deutlich: "Es ist durchaus auch gut, wenn jemand nach einer Abwesenheit mit einer gewissen Distanz an die Sachen rangeht und neue Wege aufzeigt. Mit seiner bodenständigen und sympathischen Art kommt Paul gut an - sowohl bei Spielern als auch Funktionärs- und Trainerkollegen." Dabei verfolgt Paul Nürnberger mit den Teams aus Glauchau unterschiedliche Ziele: Die erste Männermannschaft kämpft um den Aufstieg in die Landesliga, die B-Junioren gegen den Abstieg in die Kreisoberliga. Knut Mager weiß, dass sich irgendwann die Wege des Vereins und Nürnbergers trennen werden. "Wir sind uns bewusst, dass er zu gegebener Zeit ein Engagement im Betreuerstab einer höherklassigen Mannschaft suchen und finden wird, aber momentan hilft er bei der Entwicklung unseres Vereins", sagt Knut Mager.

Paul Nürnberger bestätigt die Voraussage: Er will sein Hobby - spätestens nach einem Masterabschluss - zum Beruf machen.

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