Dicke Luft bei Bauern der Region

Mit Konvoi und einem Mahnfeuer auf dem Ankerberg machten Landwirte am Samstag auf ihre Probleme aufmerksam. Dabei war nicht nur die Politik angesprochen.

Oberlungwitz.

Knapp 70 Traktoren fuhren am Samstagnachmittag durch die Region. Mit lautem Hupen machten sie nicht nur am Oberlungwitzer Festplatz auf sich aufmerksam, wo gerade der Weihnachtsmarkt stattfand. An manchen Stellen erforderte der lange Konvoi auch Geduld bei anderen Verkehrsteilnehmern. "Die meisten Autofahrer haben, denke ich, Verständnis. Wir selbst sind ja schon demoerfahren. Leider", sagte Georg Stiegler von der Waldenburger Agrar GmbH, der zu den Organisatoren der Demonstration gehörte. Auch in Berlin und Chemnitz hat er bereits demonstriert, nun folgte das "Heimspiel", das auf dem Ankerberg endete.

Dort wurde am Abend ein Mahnfeuer entzündet, um weithin sichtbar auf die Probleme der Branche aufmerksam zu machen. Mehr als 150 Landwirte und etwa 50 weitere Besucher vermeldete Stiegler. "Damit sind wir zufrieden", sagte er vor dem Hintergrund, dass das Wetter nicht unbedingt förderlich war und es viele andere Veranstaltungen gab. Der Termin für die Demo sei ja nicht selbst gewählt worden. Es handelte sich vielmehr um eine gemeinsame Aktion der bundesweiten Initiative "Land schafft Verbindung", die die Agrarpolitik der Bundesregierung kritisiert und die Öffentlichkeit auf Probleme, aber auch auf die Bedeutung der heimischen Landwirtschaft aufmerksam machen will.

Andreas Grellmann, Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft Lungwitztal, kritisierte beispielsweise die ständig verschärften Düngevorschriften. Schon 2017 und 2018 gab es Neuregelungen, doch es gehe ja noch weiter, was auch mit extrem viel Bürokratie verbunden sei. "Wir arbeiten schon mit Hochdruck an der Umsetzung", betonte er. Doch man müsse eben auch eine gewisse Zeit abwarten, um Ergebnisse zu sehen. Gerade bei Themen wie der Nitratbelastung im Grundwasser stellten sich Verbesserungen nicht sofort ein. Daher fordert er längere Fristen und Übergangszeiten. Die Landwirte seien bereit, sich für die Natur insgesamt einzusetzen, auf die sie angewiesen sind. "Wir brauchen dafür aber faire, auskömmliche Preise", betonte Grellmann. Und die gibt es eben oft nicht, wenn der Weltmarkt bestimmt, was die Bauern für ihre unter strengen deutschen Vorschriften hergestellten Produkte bekommen.

Das Konsumverhalten der Bevölkerung sieht auch Organisator Georg Stiegler kritisch. "Die Leute müssen mehr darauf achten, Produkte aus Deutschland und Europa zu kaufen", sagte er. Die Jagd nach Sonderangeboten sei in Deutschland so extrem, dass der Anteil des Einkommens, der für Ernährung ausgeben wird, vergleichsweise niedrig sei. Das neueste Handy und dreimal im Jahr Urlaub zu machen, sei eben wichtiger geworden, kritisierten auch andere Landwirte auf der Bühne. Sie appellierten an die Bevölkerung, sich mehr mit dem Thema Landwirtschaft zu beschäftigen und dafür auch einmal einen Termin in einem der Betriebe zu vereinbaren. "Das Thema Hoffeste wollen wir ausbauen", sagte Stiegler.

Während viele Beiträge und Wortmeldungen zwischen Ärger, Resignation und Aufforderung zur Veränderung angesiedelt waren, gab es auch recht kämpferische Ansichten. So wandte sich Stephan Stiegler, Seniorchef der Waldenburger Agrar GmbH, direkt an den anwesenden örtlichen Bundestagsabgeordneten Marco Wanderwitz (CDU). "Wenn die Bauern an einem Strang ziehen, wird es für die Politik ungemütlich", sagte Stiegler. Wanderwitz stand wenig später selbst auf der Bühne. Viele Probleme und Sorgen könne er nachvollziehen, betonte er. "Wir müssen vernünftig zusammen reden und am Ende des Tages Kompromisse finden", sagte er.

Genauso forderte er, dass die Bauern auch bereit sein müssten, bei Themen wie Insektenschutz oder reduzierter Pestizidanwendung mitzuziehen.

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