Ein Denkmal für einen blinden Meister

Heute wird der Töpferplatz in Waldenburgs Altstadt eingeweiht. Eine Verbeugung für einen Mann, der einst trotz Handicap das Traditionshandwerk der Stadt geprägt hat.

Waldenburg/Langenchursdorf.

Als der 24-jährige Walter Richter 1940 einen Platz an der Kunstakademie München erhielt, schien das die Chance seines Lebens zu sein. Der Zweite Weltkrieg aber verwehrte ihm zuerst die Möglichkeit, zu studieren und beraubte ihm wenig später auch noch seines Augenlichts. Also begann Richter zu töpfern - und wie! Was ein Mann, der seine Hände zu seinen Augen gemacht hat, schaffen kann, das ist auf dem Töpferplatz in Waldenburgs Altstadt zu sehen, der heute Nachmittag eingeweiht wird.

65 Jahre lang haben die drei lebensgroßen Töpferfiguren auf einen würdigen Platz gewartet. Dass sie diesen nun erhalten haben, ist auch ein Verdienst von Peter Tauscher, der die Figuren seit Mitte der 1990er-Jahre in seinem Depot aufbewahrt. Tauscher kennt Richter noch aus seiner Kindheit. "Mein Vater hat mich mal mit in seine Werkstatt genommen. Aufgrund seiner Blindheit wirkte er auf mich sonderbar. Aber ich war auch fasziniert von ihm", sagt er.

Es sei auch diese Begegnung gewesen, die Tauscher dazu motiviert habe, später selbst zum Töpfermeister zu werden. Als Facharbeiter restaurierte er dann sogar mehrmals die großen Figuren, als ihnen durch Vandalismus die Köpfe abgeschlagen wurden. "Ich betreibe diesen Beruf seit 60 Jahren, und ich traue mir zu sagen: Die Figuren sind eine Meisterleistung", sagt Tauscher.

Als Richter sie 1953 kreierte, sollten sie einen Töpferbrunnen schmücken zur 700-Jahr-Feier der Stadt. Aufgrund der enormen Größe übernahm die Firma Eydner das Brennen. Doch der Brunnen kam nie. Anfang dieses Jahres nun wurde mit Fördergeldern der neue Platz errichtet. Ein Denkmal für Walter Richter wie auch für das Töpferhandwerk der Stadt. Eine Informationstafel vom Arbeitskreis Chronik aus Langenchursdorf weist auf Richters Vita hin: seinen Geburtsort Langenchursdorf, das im Krieg erlittene Handicap, das spätere Wirken in Waldenburg. Und auch sein Weggang in den Westen 1958 nach Blumberg an der Schweizer Grenze.

"Er nahm zu DDR-Zeiten an einem Kunstwettbewerb teil und reichte die beste Arbeit ein", erzählt Richters Tochter Dorothea Werner, die in Meerane wohnt. "Weil er blind war, wurde ihm jedoch nur der 2. Preis zuerkannt." Der Frust trieb ihn weg aus der DDR. In Blumberg festigte er sich als Künstler und engagierte sich im Bund der Kriegsblinden. 2009 starb er 93-jährig.

Dass ihr Vater und sein Werk neun Jahre nach seinem Tod gewürdigt werden, freut Dorothea Werner, in deren Haus sich jede Menge Plastiken ihres Vaters befinden. "Der Kontakt zu ihm ist geblieben", sagt sie. Auch ihre Schwester aus Lindau am Bodensee kommt extra für die Einweihung des Platzes nach Waldenburg, wo man in aller Öffentlichkeit sehen kann, was man mit seinen Händen erreichen.


Tausende Besucher zum Töpfermarkt erwartet

Zum 24. Mal findet am Samstag und Sonntag wieder der Waldenburger Töpfermarkt statt. Von 10 bis 18 Uhr zeigen am Freiheitsplatz an der Mulde über 80 Töpfer aus ganz Deutschland und dem europäischen Ausland Töpfe, Krüge, Geschirr und Kunsthandwerk.

Neben der Töpferkunst gibt es auch Beschäftigungsmöglichkeiten für Kinder: eine Strohburg, Sand zum Buddel, Kinderschminken und eine Kinderschatzsuche jeweils um 15 Uhr.

Essen und Verpflegung gibt es ebenfalls vor Ort. Aus Waldenburgs schwäbischer Partnerstadt Warthausen kommen unter anderem Maultaschen und Wein.

Ein Shuttle-Service führt Besucher vom Freiheitsplatz zum Eurogymnasium an der Altenburger Straße, wo das 175-jährige Bestehen des Schulstandortes mit einem Oldtimertreffen gefeiert wird. Der Transfer zu beiden Schauplätzen ist kostenlos.

www.waldenburg.de

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