Eine Spritze für ganz besondere Patienten

Die Zucht von Alpakas wird in der Region immer beliebter. Aber auch diese Tiere müssen mal zum Arzt. Ohne Impfung geht es nicht.

Oberlungwitz.

Das dicke Fell wurde zum Glück vor einigen Wochen geschoren, ansonsten wäre es den Alpakas von Frieder Kleindienst in Oberlungwitz derzeit vermutlich zu warm. Bei den Jungtieren wächst das dichte und sehr weiche Haarkleid ohnehin erst.

Insgesamt fünf kleine Alpakas, die im Juni und Anfang Juli geboren wurden, sorgen derzeit für Trubel im knapp einen Hektar großen Gehege, in dem das Gras aufgrund der Trockenheit nicht allzu üppig sprießt. "Wenn nötig, dann fressen sie auch Heu", sagt Kleindienst, der seit 2010 die possierlichen Tiere züchtet. Sie gehören zu den Klein- kamelen und stammen aus Südamerika, wo sie vor allem in Peru und Chile millionenfach leben. Auch in Australien gibt es größere Bestände. Während Lamas auch als Transporttiere genutzt werden, geht es bei den kleineren Alpakas ausschließlich um die Wolle. Denn die Haare haben eine besondere Eigenschaft: Sie sind innen hohl, weshalb Kleidung aus Alpakawolle noch besser wärmt als andere. Natürlich nützt das auch den Tieren selbst. Sie kommen mit Temperaturen bis 20 Grad unter Null locker klar. "Sie sitzen dann im Freien. Der Schnee auf ihrem Rücken schmilzt nicht mal, so gut isoliert das Fell", weiß Frieder Kleindienst. Er hat sogar schon Woll- fasern in die USA geschickt, wo sie genau vermessen wird. Die Tiere mit der besten Wolle werden dann in der Zucht bevorzugt eingesetzt.

An der Stelle, an der die Alpakas heute wohnen, standen früher andere in der hiesigen Gegend ungewohnte Tiere. Denn hier endete das Bisongehege, das die Agrargenossenschaft Lungwitztal betrieben hatte. Während man sich dort nicht ohne Weiteres hineingetrauen konnte, ist das bei den Alpakas unkompliziert. "Es sind wirklich liebe Tiere, die Menschen gegenüber sehr zutraulich sind", sagte Kleindienst. Der 70-Jährige hat hin und wieder auch Besuch von Kindergartenkindern aus der Naturgruppe der Kita "Vier Jahreszeiten". Die Mädchen und Jungen wollen auch zur Alpakataufe kommen.

Diese Woche gab es bei den Tieren allerdings ganz anderen Besuch, der mit fünf Spritzen "bewaffnet" war. Tierärztin Lisa Köhler verpasste dem Nachwuchs jeweils eine Impfung. Das klappte aber reibungslos und war bei den verspielten Alpakakindern offenbar schnell vergessen. "Es handelt sich um eine Routineimpfung gegen bestimmte Bakterien. Die bekommen auch andere kleine Wiederkäuer", sagte Lisa Köhler, die Alpakas regelmäßig als "Patienten" hat. Denn ihre Haltung nimmt in der Region zu. Die Tiere gelten als unkompliziert. Wichtig sind vor allem eine gute Klauenpflege und ordentliche Zähne.

Der Nachwuchs wird bis zu einem Jahr gesäugt. Eine Besonderheit gibt es bei der Geburt nach einer Tragzeit von rund elf Monaten. "Die Geburt findet immer zwischen 10und 15 Uhr statt, damit die Tiere noch in der Sonne trocknen können. Wenn es regnet, können die Muttertiere die Geburt sogar um ein paar Tage verschieben", sagte Frieder Kleindienst. Diese Besonderheit dient genauso wie das Fell, das Kleindienst selbst zu Wolle spinnt oder spinnen lässt, verbesserten Überlebenschancen in der teils rauen Natur im Andengebirge, wo die Alpakas in Südamerika zuhause sind.

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