Fäkalien im Bach geben Rätsel auf

Der Fraktionsvorsitzende der Linken in St. Egidien klagt: Der Kuhschnappelbach stinkt. Die Wasserbehörde weiß von nichts, doch auch der Bürgermeister rümpft die Nase.

St. Egidien.

Die Natur, die ist schon schön. Auch Uwe Wienhold ist gerne draußen. Jeden Tag läuft der Fraktionsvorsitzende der Linken des Gemeinderats St. Egidien zu seinem Gartengrundstück. Dafür geht er ein Stück durch den Wald, er überwindet ein plätscherndes Gewässer: den Kuhschnappelbach. Dahinter führt ein Trampelpfad weiter zu seinem Garten. Doch am Bach riecht es nicht nach Bäumen und feuchtem Boden: "Es riecht nach Kot", sagt Wienhold.

Fäkalien im Bach? Das Problem besteht Wienhold zufolge schon seit 2013. "Ende August war damals der Bach noch sauber", sagt er. "Es gab sogar kleine Fische und Krebse im Wasser." Plötzlich waren die Bachbewohner allerdings verschwunden, stattdessen roch es oft unangenehm.Doch woher kam damals die Verunreinigung? Dafür muss man wissen: Es gibt zwei Leitungen im Abwasser-System. Schmutziges Wasser, zum Beispiel Abwasser aus Toiletten, fließt in Kläranlagen und wird dort gereinigt. Gereinigtes Wasser aus Kläranlagen und auch Regenwasser, wird in Flüsse und Bäche geleitet. Irgendwo an diesen Rohren musste es zu einem Fehler gekommen sein.


Zuständig für die Abwasserbeseitigung ist die Untere Wasserbehörde in Zwickau. Auf Anfrage von Uwe Wienhold gab es mit Verantwortlichen der Behörde schon im Jahr 2014 eine Begehung des Kuhschnappelbachs. "Da gab es natürlich den Vorführeffekt", sagt Wienhold. Man sah und roch nichts. Dennoch, so lässt das Landratsamt Zwickau auf Anfrage wissen, wurde später ein Fehler festgestellt. "In der Kanalisation des Gewerbegebietes Am Auersberg/Achat war eine Fehlaufbindung vorhanden", heißt es. Dadurch gelangte Schmutzwasser in die Regenwasserkanalisation und somit auch in den Kuhschnappelbach. Diese falsche Anbindung wurde jedoch schon im Jahr 2016 beseitigt.

Riechen soll es trotzdem noch, auch wenn bei einem Ortsbesuch der "Freien Presse" wenig festzustellen war. Das Wasser im Kuhschnappelbach schäumte nur ein wenig. Doch auch Bürgermeister Uwe Redlich (parteilos) stellte nach Starkregen am 1. September 2019 einen "erheblichen Fäkalgeruch" fest, wie er sagt. Es scheint also sicher, dass der Bach weiterhin kontaminiert wird. Doch wodurch? Die zuständige Behörde will seit 2016 keine Beschwerden mehr erhalten haben. Ob von der Gemeinde seitdem noch ein Fall gemeldet wurde, will Redlich noch prüfen, immerhin war der Bach laut Uwe Wienhold immer wieder mal Thema im Gemeinderat. Seit dem 1. September, dem Starkregen, hat Redlich aus seiner Sicht genügend Hinweise für eine erneute Meldung bei den Behörden gesammelt. Vielleicht wird also bald das Rätsel von den Fäkalien im Bach gelöst. Und vielleicht kehren nach seiner Lösung auch die Fische und Krebse in den Kuhschnappelbach zurück.

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