Gersdorfer rücken aus wie vor 100 Jahren

Die Freiwillige Feuerwehr Gersdorf feiert ihr Jubiläum "135 Jahre". Am Sonnabend brennt dort vor allem die Luft.

Gersdorf.

Rein in die Stiefel, Helm auf und los geht's - zum Löschangriff mit Handdruckspritze, Leiter- und Hydrantenwagen wie vor 100Jahren. Am Sonnabend schlagen die Gersdorfer Floriansjünger kräftig Alarm für ihren historischen Löschangriff. "16 Kameraden werden daran beteiligt sein", sagt Mario Legies, der die Chronik der Gersdorfer Wehr verfasst hat. Was den Herren von heute allerdings fehlt, ist der typische Kaiser-Wilhelm-Schnauzbart von damals.

"Die weißen Hosen und die Jacken haben wir mal nachnähen lassen, die Helme und Haken sind original", sagt Wehrleiter André Legies. Anlass der historischen Übung ist das Jubiläum "135 Jahre Gersdorfer Feuerwehr". Ab 14 Uhr bekommen die Gäste rund ums Gerätehaus einiges geboten.

Das Gersdorfer Feuerlöschwesen reicht zurück bis ins Jahr 1783. "Die damalige Herrschaft Lichtenstein wies am 1. Dezember 1782 alle Amtsdörfer an, genau das Feuergerät-Inventarium festzusetzen", schreibt Mario Legies in der Chronik. Daraufhin kaufte Gersdorf die erste Handdruckspritze samt Zubehör. Die erste fahrbare stand dann am 17. April 1783 zur Verfügung. Sie kostete damals 11 Taler, 19 Groschen und 6 Pfennige. Eine erlassene Feuerordnung legte zum Beispiel fest, dass es in jedem Haus einen Feuerhaken, eine Leiter, eine Wasserkanne und eine Laterne geben müsse. Außerdem schrieb das Regelwerk vor, dass im gesamten Ort fünf Feuerläufer einzusetzen sind. Davon sollten drei aus dem oberen Ort und zwei aus dem unteren Ort benannt werden. Sie hatten im Brandfall die Aufgabe, den Schulmeister zu alarmieren, der seinerseits dann die Feuerglocke läutete. Andere sollten durchs gesamte Dorf laufen und die Leute mit ihrem Brandgerät zur Brandstelle beordern. Es wurden stets Leute gebraucht, die dann die Spritzendrücker ablösen konnten. Es gab damals auch Belohnungen für jene, die zuerst den Brand meldeten und die Kompanie, die zuerst Wasser an die Brandstelle brachte. Dieser Wettbewerb brachte dabei auch Rivalitäten hervor. Schon damals regelte eine Ausrückeordnung, wie im Brandfall alles abzulaufen hatte.

Zwar tauchte in der alten Ortschronik 1878 schon einmal der Begriff Obere Spritzenkompanie auf, doch erst ab 1883 gab es in der Ortsmitte eine als Verein gegründete Freiwillige Feuerwehr 1. Kompanie. Legies konnte auch fünf Hauptmänner der Gersdorfer Feuerwehr, die im Zeitraum 1883 bis 1935 die Wehr befehligt haben, ermitteln. Darunter Wilhelm Ackermann (1883 bis 1887), Robert Hübsch (1887 bis 1889), Albin Krämer (1889 bis 1908), Max Herold (1911 bis 1935) und August Grabner (1908 bis 1911). Legies hat auf 28 Seiten einen spannenden Abriss zur Geschichte verfasst. Die Chronik können die Gersdorfer zum Fest gern unter die Lupe nehmen.

Heute hat die Gersdorfer Wehr 42Aktive, 18 Mitglieder in der Alters- und Ehrenabteilung sowie 22Mitglieder in der Jugendwehr. In diesem Jahr hatten die Gersdorfer bereits 23 Einsätze: sieben Brände, 14 technische Hilfeleistungen und zwei Verkehrsaunfälle. Siebenmal wurden die Gersdorfer für Einsätze außerhalb des Ortes angefordert.

Das Programm ab 14 Uhr bietet Demo einer Fettexplosion (14.30 Uhr), Auftritt des Kindergartens (15 Uhr), die historische Schauübung (16 Uhr), Schalmeienkapelle der Oberlungwitzer Wehr (16.30 Uhr), gemütliches Beisammensein (ab 19 Uhr), dazu ganztägig Stationen der Jugendwehr, Polizeidino Poldi, Spaßvogelausstellung, Kinderschminken, Technikausstellung und Geräteschau mit Vorführung, Essen vom Grill.

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