Hehler wollte Defibrillator bei Ebay verkaufen

Bei Stehlen von Nothilfemitteln reagiert Justitia sauer. Doch diesmal gilt der vermeintliche Täter als schuldunfähig.

Hohenstein-E./Limbach-O..

Weshalb stiehlt man einen Defibrillator? Das 1700 Euro teure Notfallmittel war im Juni 2017 aus dem Erste-Hilfe-Raum der Limbach-Oberfrohnaer Stadtverwaltung verschwunden. Den Verlust bemerkte der Hausmeister am 20. Juni. Fünf Tage zuvor war das Gerät noch dort, wo es hingehört. Der Erste-Hilfe-Raum befindet sich gleich im Eingangsbereich des Rathauses. Ein 24-Jähriger aus Limbach-Oberfrohna soll das Gerät gestohlen haben. Besonders schweren Diebstahl warf ihm die Staatsanwaltschaft deswegen vor.

Dem vermeintlichen Täter auf die Schliche zu kommen, war für die Ermittler eine leichte Übung. Am 20. Juni tauchte der Defibrillator im Internet-Portal Ebay zum Verkauf auf. Der Anbieter bekam Besuch von der Polizei, die fand das Gerät in der Wohnung des Angeklagten. Der junge Mann versicherte damals schon, er habe das Gerät nicht gestohlen, sondern für 50 Euro von einem "Bekannten" gekauft. Der Name des Bekannten erwies sich allerdings als nicht existent. "Ich war wohl zu gutgläubig", sagte der Angeklagte. Warum er denn den Defibrillator abgekauft hatte, klang im ersten Moment absurd. "Eine weibliche Stimme hat mir gesagt, ich soll ihn kaufen, ich würde damit etwas Gutes tun und dabei noch Geld verdienen. Ich hatte damals wieder so eine schlimme Phase."

Seit der Kindheit leide er an Schizophrenie, sagte er vor Gericht. Deswegen sei er seit Jahren in psychiatrischer Behandlung, müsse Medikamente nehmen. Immer wieder kämen diese Schübe. "Eine Männerstimme beleidigt mich, die Frauenstimme dagegen befiehlt", erklärte er und versuchte gar nicht erst, Vorwürfe zu späteren Taten abzustreiten. Die passten tatsächlich ins Krankheitsbild des Angeklagten. Ein Gutachter bescheinigte ihm, dass seine Krankheit keine Folge seiner Alkohol- und Drogenkarriere ist. Den ersten Alkohol trank er mit zwölf Jahren, Drogen nahm er schon mit 13. Zwei Jahre später gehörte Crystal zu seinem regelmäßigen Konsum. Seit rund zwei Jahren ist er clean. Das haben mehrere Tests bewiesen. Zum Tatzeitpunkt habe er sich tatsächlich im Zustand der Schuldunfähigkeit befunden und unter Verfolgungswahn gelitten. "Im Moment fühle ich mich psychisch stabil", gab er vor Gericht an.

Für eine Einweisung in eine psychiatrische Anstalt reichte das Ganze nicht. "Letztendlich scheitert eine Verurteilung an Ihrer Erkrankung", machte Richter Michael Respondek deutlich. Auch die Staatsanwaltschaft beantragte Freispruch.

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