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Der Verein Lebenshaus in Lichtenstein hat schon viele Pflegekinder unterstützt. Aber die Truppe um Chefin Silvia Groß ist noch lange nicht am Ziel ihrer Wünsche. Auch in Zwickau können unsere Leser jungen Menschen den Weg in die Selbstständigkeit erleichtern.

Lichtenstein.

Pascal ist locker drauf. Er trägt Kapuzenshirt und Basecap. Am linken Ohr einen großen Ring aus Holz, am rechten einen kleinen schwarzen. Der Junge arbeitet in drei Schichten, und in seiner Freizeit macht er Musik. Schlagzeug und Gitarre, so richtig laut.

Pascal ist 23. Als er an dem kopfhohen Eisentor steht, strahlt er, und man merkt, dass er stolz ist. "Wissen Sie, was das ist?", fragt Pascal erwartungsvoll und zeigt auf das Tor. "Na?" Als die Antwort ausbleibt, sagt er: "Ein zweiflügliges Drehflügeltor. Das ist mein Werk!" Das eiserne Tor ist Pascals Gesellenstück. Er hat es in einem Metallbaubetrieb in der Gegend hergestellt. 56 Stunden Arbeitszeit. Der 23-Jährige hat Schmied gelernt. "Ein ehrbares Handwerk mit einer jahrtausendelangen Tradition", sagt Pascal.

Wir sind auf dem Gelände des Vereins Lebenshaus in Lichtenstein in der Weststraße. Pascal Lange, der heute in Chemnitz lebt, ist zu Besuch hier. Dass seine Lebensgeschichte einen positiven Verlauf genommen hat, Pascal inzwischen auf eigenen Beinen steht und ein anständiger Kerl geworden ist, das verdankt er auch dem Verein Lebenshaus. Bei ihm handelt es sich um eine rege in Anspruch genommene Begegnungs- und Beratungsstelle für Pflegeeltern, Kinder und Jugendliche. Gegründet hat den Verein vor 18 Jahren Frieder Demmler mit seiner Ehefrau Karin. Beide waren auch Pascals Pflegeeltern. "Ich habe mich mit meiner leiblichen Mutter nie verstanden. Es gab oft richtig große Probleme. So bin ich eines Tages über eine Vermittlungsstelle des Jugendamtes bei der Familie Demmler gelandet", erzählt der Junge.

Seine Pflegeeltern hatten viel Geduld mit Pascal. Denn der stellte sich als ein richtig schwerer Fall heraus. Er war verschlossen und hatte noch kein Vertrauen zu seinen neuen Eltern. "Am Anfang war ich ein Junge, der mit Stühlen warf und nie über Probleme reden konnte. Oft habe ich meine Pflegeeltern grob angefahren", erinnert sich Pascal. Der Junge war nicht das einzige Pflegekind von Karin und Frieder Demmler. Weil sie zeitig gemerkt haben, dass auch das Verhältnis zwischen Kindern und ihren Pflegeeltern nicht immer einfach ist, haben sie eben den Verein Lebenshaus gegründet.

Aber das Thema der leiblichen Eltern bleibt natürlich immer im Raum. "Jeder hat seine Wurzeln", sagt Silvia Groß. Die junge Frau und Mutter von drei Kindern ist seit diesem Jahr Chefin des Vereins Lebenshaus. "Wo komme ich her? Das ist immer eine wichtige Frage. Wenn man sich ihr verschließt, dann hat man es auf lange Sicht schwer", sagt die Diplompädagogin. Deshalb sind Treffen zwischen den Kindern, die bei Pflegeeltern aufwachsen, und ihren leiblichen Eltern wichtig. Ungefähr 100 davon gibt es jährlich im Lebenshaus. Weil die Begegnungen häufig aber unter keinen allzu guten Vorzeichen stehen und in einer angespannten Atmosphäre stattfinden, gilt das Umfeld der Treffen als besonders wichtig. "Deshalb wollen wir unbedingt unseren Außenbereich am Vereinshaus attraktiver gestalten", sagt Silvia Groß. So möchte der Verein einen modernen Spielplatz errichten. Die Vereinsmitglieder haben klare Vorstellungen: Die Anlage soll aus einer Doppelschaukel aus Robinienholz, einem Sandkasten mit Sitzgelegenheiten, weiteren Spielelementen, Sonnensegel und einer Sitzgruppe für Erwachsene bestehen. Silvia Groß erklärt: "Je entspannter und ungezwungener die Atmosphäre bei den Treffen, umso besser." Die Spielgeräte sollen von einem Handwerker in Zwickau angefertigt werden. Die Kosten werden auf etwa 9700 Euro geschätzt. "Natürlich kann der Spielplatz dann von allen Kindern genutzt werden, die bei uns zu Besuch sind", so die Vereinschefin. So findet zum Beispiel einmal im Monat der beliebte Kindertreff "Schatzkiste" statt.

"Für mich ist der Spielplatz natürlich nichts mehr", lacht Pascal. Aber er drückt die Daumen, dass die Sache klappt und genügend Spenden zusammenkommen. Natürlich wird er auch weiterhin den Verein Lebenshaus besuchen und die Treue halten. Als er im August davon erfuhr, dass sein Pflegevater Frieder völlig überraschend im Alter von erst 56 Jahren gestorben ist, war das auch für ihn ein schwerer Schlag. "Er hat mich immer behandelt wie seine eigenen Kinder. Er hat mir beigebracht, meine Wut unter Kontrolle zu bringen und einen guten Weg einzuschlagen. Das werde ich ihm nie vergessen", sagt er..

Aus Dank hat Pascal Lange das Eisentor, sein Gesellenstück, dem Lebenshaus als Eingang zur Verfügung gestellt.

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