Hobby-Historiker greifen zur Schaufel

Die Frauen und Männer vom Lichtensteiner Geschichtsverein graben nicht nur in Archiven, sondern für die Nacht der Schlösser auch mal im Dreck. Großreinemachen war angesagt.

Lichtenstein.

Patrick Bochmann schmeißt eine Schaufel matschigen Dreck in die Schubkarre. "Das ist alles zersetztes Laub. Der Dreck verhindert, dass das Regenwasser auf dem Vorplatz des Lichtensteiner Schlosses ungehindert ablaufen kann", sagt der Chef des Vereins für Stadtgeschichte. Diesmal geht es nicht darum, die Grundmauern der alten Burg zu finden oder einen goldenen Sarg, sondern schlichtweg ums Großreinemachen.

Einmal im Jahr spannt der Geschichtsverein seine Mitglieder und sympathisierenden Freunde zu einem Arbeitseinsatz mit ein. "Das passiert immer vor der Nacht der Schlösser. Wenn die Besucher anrücken, soll alles schick aussehen. Ich meine, in Glanzzeiten hatten wir schon 5000 bis 7000 Besucher hier am Schloss", sagt Bochmann. Aus Sicht des Vereins nimmt das der ehemalige Herrschaftssitz der Schönburger einen besonderen Platz in der Geschichte der Stadt ein.


15 Helfer packen diesmal mit an, darunter so aktive Mitglieder wie der langjährige Nachtwächter Christian Bretschneider. Gerd Böhme ist kein Vereinsmitglied. "Ich habe dafür einfach zu wenig Zeit. Aber ich möchte trotzdem etwas dazu beitragen. Wenn mich der Verein bei solchen Einsätzen braucht, bin ich da", sagt der 52-jährige Maschinenbauer. Er hat sich den Rasentrimmer ausgesucht. Ich nehme mir die Rasenfläche vorm Schloss vor, wo Buden und Zelte stehen werden.

Von der Arbeit im Vorfeld bekommen die Gäste nichts mit. Da muss die Treppe am Schlossberg gekehrt werden. Die Grünflächen brauchen Pflege. Auch das Baumaterial, das derzeit vorm Schloss lagert, soll zur Nacht der Schlösser nicht ganz so ins Auge fallen. Die Flächen rund ums Schloss werden von Unrat befreit und freigeschnitten. Zwei Tage haben die Vereinsmitglieder für die Pflegearbeiten eingeplant. "Die brauchen wir ganz sicher", sagt Bochmann. Denn auch die unterirdischen Gänge werden auf den Besucheransturm vorbereitet, von Dreck befreit. Vorm Schloss sollen natürlich auch die Banner wehen.

"Ich bin froh, dass der Geschichtsverein diese Aktion organisiert und mit den Veranstaltungen das Schloss den Lichtensteinern immer wieder in Erinnerung bringt", sagt Schlossherr Mario Schreckenbach. Ins Schloss werden die Gäste diesmal nicht geführt. "Das ist eine Baustelle, das wäre zu gefährlich", sagt Bochmann. Entschieden ist derzeit auch noch nicht, ob die fünf Führer des Geschichtsvereins den Besuchern die Gruft zeigen werden. "Wenn doch, dann räumen wir in jedem Fall aus der Kapelle den verbliebenen Leuchter weg", sagt der Vereinschef. Der zweite Kerzenleuchter war 2018 zur Nacht der Schlösser gestohlen worden. Der fast zehn Kilo schwere Leuchter ist bis heute nicht wieder aufgetaucht.

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