Hohenstein und Ernstthal waren Bebel-Hochburgen

Der berühmte Sozialdemokrat wurde am heutigen Samstag vor 180 Jahren geboren. Er weilte oft in der Region.

Hohenstein-Ernstthal.

In Hohenstein-Ernstthal, in Meerane und in Glauchau wird der Name August Bebel durch Straßennamen in Erinnerung gehalten. Dahinter steckt eine ziemlich umfangreiche Geschichte, die Bebel mit diesen Städten und der näheren Heimat verbindet. Am heutigen Samstag vor 180 Jahren wurde August Bebel geboren.

Werfen wir zunächst einen kurzen Blick auf die Vita des Sozialdemokraten August Bebel. Geboren wurde der spätere Drechslermeister am 22. Februar 1840 in Deutz bei Köln. Er war ein bedeutender deutscher Politiker und Publizist, einer der Mitbegründer der deutschen Sozialdemokratie und ein langjähriger Parlamentarier in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Letzteres verbindet ihn gerade mit unserer Region, denn er wurde im Februar 1867 im Wahlkreis 17 des Königreichs Sachsen, der Glauchau, Meerane und Hohenstein-Ernstthal umfasste, in den Reichstag gewählt. Sein Wahlergebnis überzeugte absolut. Im Wahlkreis erreichte er 6395 Stimmen und damit etwa so viele wie seine fünf Konkurrenten zusammen. In Hohenstein kam er auf 489 und im kleineren Ernstthal auf 257 Stimmen. Beide Orte galten als Bebel-Hochburgen. Den Wahlkreis 17 vertrat er bis 1877. Durch Umzüge wechselte er die von ihm vertretenen Wahlkreise.

Bebel trat im Reichstag für die Verbesserung der Lage der Arbeiter auf, widmete sich den Fragen des Arbeitsschutzes, der Kinder- und Frauenarbeit. Sein Engagement für die Frauenbewegung schlug sich in seinem Buch "Die Frau und der Sozialismus" nieder. In den 60er- und 70er-Jahren des 19. Jahrhunderts betätigte sich Bebel im Gewerblichen Bildungsverein und in der Arbeitervereinsbewegung und übernahm dabei auch führende Funktionen. In der Zeit des Sozialistengesetzes (1878 bis 1890) sah er sich vielen Repressionen bis hin zu mehreren politisch motivierten Gefängnisstrafen durch das Kaiserreich ausgesetzt.

Auch in Zwickau saß er ein. Die wissenschaftliche Arbeit "Die bedeutendsten Gefangenen der Zwickauer Strafanstalten - August Bebel, Rosa Luxemburg und der Schriftsteller Karl May" berichtet darüber. Um die Gründung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei 1869 erwarb sich Bebel große Verdienste, wurde einer ihrer erfolgreichsten Funktionäre, Redner und Autoren. Ab 1892 bis zu seinem Tod fungierte er als einer der beiden Vorsitzenden der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD). Er trat vor allem in seinen Wahlkreisen sehr oft mit Vorträgen auf, berichtete über seine politische Arbeit, die er vor allem Lohnarbeitern, kleinen Handwerkern, aber auch Kleinbauern, Volksschullehrern und unteren Beamten widmete.

Zum Beispiel in Hohenstein-Ernstthal legte er als Abgeordneter oft Rechenschaft über seine Tätigkeit ab, sprach über die weitere gesellschaftliche Entwicklung und trat gegen Militarismus auf. So sprach er 1867 im Hohensteiner Schützenhaus, später im Hohensteiner Webermeisterhaus, ehemals Dresdner Straße 14, dazu in der ehemaligen Gaststätte "Phönix". Weitere Reden hielt er im Gasthaus Wüstenbrand, dem späteren Landwarenhaus, außerdem in Lichtenstein, dort sogar siebenmal. So trat er im "Goldenen Helm" und 1907 vor 3000 Zuhörern im einstigen Kulturpalast, dem späteren Klubhaus, auf, Soweit seien einige konkrete Auftritte Bebels genannt, der anderen Orts aber ebenso fleißig unterwegs gewesen ist. Nach Hohenstein und Ernstthal, wofür er schon oft Hohenstein-Ernstthal verwendete, unterhielt er besondere Verbindungen, so zu seinem Gewährsmann Carl Bohne in Ernstthal, mit dem er im August 1871 am 2. Kongreß der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei teilnahm und auch oft bei ihm in der Bergstraße 11 übernachtete, wenn er in der Gegend unterwegs war.

Selbst Karl May räumte August Bebel ein kleines literarisches Denkmal ein. In der Humoreske "Die falschen Excellenzen" (1877/78) erwähnt May ein Bild von Bebel, das im Hohensteiner Gasthaus "Drei Schwanen" hing. Schließlich und letztlich sei eine Veröffentlichung Bebels erwähnt: "Wie unsere Weber leben". Darin beleuchtet er ganz konkret die erbärmliche Situation der Weber in den Städten Glauchau, Meerane, Hohenstein-Ernstthal, Lichtenstein, Waldenburg und im Mülsengrund. Bebel ging von Dorf zu Dorf, erfuhr von furchtbar langen Arbeitszeiten, dem geringen Verdienst, der vorn und hinten für die Familien nicht zum Leben reichte.


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