"Ich will nie von Posten abhängig sein"

Wahlen 2019 Alexander Weiß, Linken-Fraktionschef, darüber, warum er auf allen Hochzeiten tanzt

Hohenstein-Ernstthal.

Student Alexander Weiß ist 26. Warum er als Oberbürgermeister von Hohenstein-Ernstthal und für die Landesliste kandidiert, darüber sprach er mit Redakteurin Ulrike Abraham.

Freie Presse: Sie studieren Grundschullehramt, kommen gerade von Ihrem Job als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni. Dazu die Arbeit im Landesvorstand der Linken und als Fraktionsvorsitzender im Stadtrat - wie koordinieren Sie das?

Alexander Weiß: Das funktioniert nur mit viel Planung. Dieses Jahr wird's richtig anstrengend: Ich habe so viel vorgezogen, damit ich mein Studium beenden und sofort in meinem Amt loslegen kann, sollte ich eine der Wahlen gewinnen.

Sie kandidieren für den Stadtrat in Hohenstein-Ernstthal, auf Platz 1 der Liste. Gleichzeitig wollen Sie in den Landtag - und Oberbürgermeister werden. Wie passt das zusammen?

Ich habe immer hier gelebt, wollte was verändern. Die Stadt hat sich nicht so entwickelt, wie ich es mir vorstelle. Deshalb bin ich 2014 für den Stadtrat angetreten. Als OB will ich mehr gestalten. Die Einwohnerzahlen gehen zurück - wir brauchen Ideen für die Zukunft und ein Stadtentwicklungskonzept.

Die Linke ist das soziale Gewissen in der Fläche, muss in den Kommunen präsent sein. Haben Sie mal gesagt. Warum wollen Sie dann in die Landespolitik?

Sollte es mit der Wahl zum OB nicht klappen, wäre das schade - aber dann hätte ich auf Landesebene die Chance, etwas für Regionen wie uns zu tun. Indem ich das Budget für die Kommunalvertreter ändere.

Wie genau?

Das Land teilt den Kommunen einen Großteil des Geldes zu. Aber die Mittelfreigabe hakt sehr: Als das Land einen neuen Betreuungsschlüssel für die Kitas beschloss, weniger Kinder pro Erzieherin oder Erzieher also, musste die Stadt die Gewerbesteuer anheben, um das zu finanzieren. Die Gemeinden sollen mehr vom Geld selbst verwalten können, nicht für alles Fördermittelanträge stellen. Sie wissen selbst am besten, wofür sie das Geld brauchen.

Stadtrat würden Sie bleiben?

Ja, die Rückkopplung zur Kommunalebene ist wichtig, damit man die Nähe nicht verliert. Ich muss dann natürlich genau schauen, wie ich die Zeit einteile; ich will nicht alle möglichen Ämter bekleiden und keines davon richtig machen.

Und der Lehrerberuf?

Müsste ruhen. Aber ich schließe ihn ab, mit dem Staatsexamen. Wenn's mit der Politik irgendwann vorbei ist, kann ich also dorthin zurück. Das war immer mein Ziel: Ich will nie von Posten abhängig sein. Das ist der Vorteil meines Alters. Die Energie hätte ich auch nach einer oder zwei Perioden im Amt noch.

Sie wären jedenfalls einer der jüngsten Bürgermeister - nervt es Sie eigentlich, dass Ihr Alter so oft Thema ist?

Schon. Das kommt, weil man als junger Mensch ein Exot ist in der Politik. Auch daran sollte sich etwas ändern.

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