Im "Capitol" gibt es jetzt mehr Beinfreiheit

Die Besucherzahlen im Hohenstein-Ernstthaler Kino sind leicht rückläufig. Der Betreiber hat aus der Not eine Tugend gemacht.

Hohenstein-Ernstthal.

Zwischen den Reihen der Holz-Kinosessel liegt nun ein ganzer Meter. Dank dem neuen Mittelgang lassen sich die Sitze dazu auch noch bequemer erreichen. Kein lästiges Vorbeidrängeln an den anderen Kinobesuchern mehr.

Vor einer Woche wurde auch das letzte Werkzeug wieder weggepackt und das Bauprojekt beendet. Insgesamt 12.000 Euro hat der Hohenstein-Ernstthaler Kinobesitzer, Andreas Elsner (64), in den Umbau investiert. Das ist relativ günstig. Es war deshalb nicht allzu teuer, da sein "Capitol" nicht unter Denkmalschutz gestellt wurde.

Aus ursprünglich 248 Sitzplätzen sind nun 190 geworden. Das war auch eine Reaktion auf die leicht sinkenden Besucherzahlen. Grund dafür sind die etlichen Streamingdienste wie Netflix. Die machen besonders den kleinen Kinos ordentlich das Leben schwer. "Für ein bequemes Kinoerlebnis hat sich der Umbau gelohnt. Endlich haben die Zuschauer Beinfreiheit und der Saal wirkt einfach lockerer", sagt Elsner. Der Sitzabstand zum Vordermann vor dem Umbau: gerade einmal 75 Zentimeter, in etwa so viel wie bei einem Flug in der Economy-Class. Die Vergrößerung um ein Viertel bringt laut Elsner mehr Bequemlichkeit mit sich.

Seit mehr als 22 Jahren betreibt er das Kino. Seit 1996 werkelt der gelernte Zerspanungsfacharbeiter an seinem Haus und hat mehr als 300.000 Euro investiert. Ganz fertig sei der Umbau aber noch nicht, wie Elsner hinzufügt: "Auch wenn wir im Kinosaal jetzt Teppichboden haben: Ich hätte gern noch kleine Ablagen an den Stühlen. Dann können die Leute auch ihre Getränke, die sie aus der Bar mitnehmen, abstellen." Die Bar ist enorm wichtig für die Existenz des Hauses. In kaum einem anderen Kino findet man noch einen gemütlichen Tresen, alte Sessel, die ein bisschen an die DDR erinnern, und dunkelbraune Holztische umrunden. "In den meisten alten Kinos hat man eine Bar, soweit vorhanden, wegrationalisiert. Aber genau das ist es, was die Leute wollen", sagt Elsner. 10.000 Besucher erwartet der 64-Jährige dieses Jahr. Das ist genau die Anzahl, die er benötigt, um sein Kino halten zu können. 2017 zählte er noch 12.000 Besucher. Grund für die geringe Besucherzahl war der lange Sommer: "Da kann man auch die besten Filme zeigen, wenn die Leute im Freibad sind, dann kommt keiner.", bedauert Andreas Elsner.

Elsner hat sein ganzes Leben dem Kino gewidmet und schon lange vor 1996 als Filmvorführer gearbeitet. Auch, wenn es immer auf und ab ging, seine Leidenschaft hat er über die Jahre nicht verloren. Dabei hat er seinen Gästen seinen eigenen Geschmack nie aufgedrängt. Er selbst mag es eher dokumentarischer, historische oder musikalische Inhalte. Umso mehr freut sich Andreas Elsner über den Film "Bohemian Rhapsody", der ab dem 15. November im "Capitol" zu sehen ist. Er erzählt die Geschichte der britischen Rockband Queen und wie sie zu Legenden der Musikgeschichte wurden. "So einen Film spiele ich dann natürlich, da gönne ich mir auch selbst mal etwas und hoffe, meine Gäste freuen sich auch".


Digitalsound und Blockbuster

Der größte Kassenschlager des "Capitols" nach der Wende war der Blockbuster "Titanic" mit Leonardo DiCaprio und Kate Winslet im Jahr 1998. 10.000 Besucher stürmten in vier Wochen in das Kino.

Vor vier Jahren kam auch im Kino in Hohenstein-Ernstthal die Digitalisierung. Seither gibt es besten Sound in Dolby 5.1.-Qualität für ein noch besseres Filmerlebnis.

Aufgrund der guten Besucherzahlen der vergangenen Wochen werden die Filme "Petterson und Findus", "Ballon" und "Klassentreffen 1.0" jeweils eine Woche länger gezeigt.

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