In der Werkstatt: Crashkurs für Frauen

Ölstand, Bremsflüssigkeit, Reifendruck - in einem Gersdorfer Autohaus lernen Damen von Damen, was es damit auf sich hat.

Gersdorf.

Carolin Fleischmann will nie wieder hilflos auf der Neefestraße in Chemnitz stehen. "Mein Auto hatte damals auf dem Weg zur Arbeit einen Platten", erinnert sich die 41-jährige Arzthelferin. "Ich hätte erstens nicht gewusst, wo sich das Reifenpannen-Set im Auto vor mir versteckt. Und zweitens nicht, dass man den kleinen Kompressor an die Stromversorgung des Zigarettenanzünders anstecken kann", gibt sie freimütig zu. Ganz zu schweigen vom Umgang mit dem Wagenheber und dem Radkreuz.

Damit ist bei ihr seit Donnerstagabend Schluss. "Von Frau zu Frau" ist das Motto eines Selbsthilfekurses für weibliche Autofahrer im Gersdorfer Renault-Autohaus Braune. Mike Braune hat die Idee von einer Kfz-Meisterin abgeguckt, die solche Kurse seit Jahren veranstaltet. Der Vorteil ist, Frauen reden nicht aneinander vorbei. Und sie kommen völlig ohne Fachchinesisch aus. Deshalb leiten zwei Frauen den Kurs. Wir testen einfach mal, wie das ankommt", sagt er. Braune pickte sich Adressen aus der Kundenkartei heraus, vier Frauen sagten sofort zu.


Der Kurs kostet nichts. Im Gegenteil. Bevor am Donnerstagabend das Damen-Quartett an der Hebebühne antanzt, dürfen sich die Frauen auf Kosten des Hauses erst mal Mut antrinken - natürlich mit alkoholfreiem Sekt. Michelle Trabert, Automobilkauffrau im ersten Lehrjahr, bittet dann zur Schautafel, erklärt anhand von Fotos, was sich unter der Motorhaube rund um das Antriebsaggregat verbirgt. Die 21-Jährige aus Wüstenbrand erläutert routiniert, worauf es für Laien ankommt: Motorölstand, die Ausdehnungsgefäße für Brems- und Kühlflüssigkeit, der Einfüllstutzen fürs Scheibenwaschgemisch, richtiger Reifendruck. "Normalerweise überlassen wir das ja unseren Männern", sagt Kursteilnehmerin Anne Dehnert.

Die 36-Jährige aus Neukirchen hat Pannenerfahrung und ist vorgewarnt. "Ich möchte einfach wissen, wie es richtig geht", sagt sie. Dafür schreitet Mechatronikerin Antonia Jessat, die seit ein paar Tagen ihren Abschluss in der Tasche hat, mit den Frauen zur Tat. Die 19-Jährige weiß: Es soll auch Männer geben, die schon am Öffnen der Motorhaube scheitern. Hermine Quente aus Oberlungwitz glaubt zwar nicht, dass sie mit 65 Lenzen noch die Kraft für einen Radwechsel hätte, doch auch sie verliert schnell die anfängliche Scheu, sucht zielsicher nach dem Mechanismus der Motorhaube. Das klappt. Ina Wendler aus Erlbach-Kirchberg darf an ihrem Auto das Waschgemisch nachfüllen, die anderen gucken genau hin. Wo sitzt der Ölmessstab? Wie wird gemessen? Antonia erklärt: Das Auto darf dabei nicht schräg stehen. Die Frauen ziehen sich Handschuhe an, messen selbst.

wichtigen Tipps: Handbremse nicht vergessen, Gang einlegen, vorm Anheben Radmuttern lösen. Aber wo ist das Ersatzrad? Stattdessen finden sie ein Pannen-Set, lesen die Anleitung, reparieren damit ein plattes Rad - und sind stolz drauf. Die Frauen haben richtig Spaß - eine Stunde ist rum wie nix. Carolin Fleischmann witzelt: "Ich habe viel gelernt. Und das ist gut so. Wir wissen ja, wenn man Männer mal wirklich braucht, sind sie nicht da."

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