Kellerbrand in Callenberg: Hat ein Präsent Schlimmeres verhindert?

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Mitten in der klirrend kalten Nacht mussten 39 Bewohner eines Callenberger Wohnhauses ihre Wohnungen verlassen.

Callenberg.

Rainer Wange kann sich noch gut an das Schrillen in der Nacht erinnern. "Ich hab mich zuerst gewundert, ob mein Wecker kaputt ist", berichtet der 68-Jährige am Vormittag danach. Doch was ihn da geweckt hatte, war kein Wecker, sondern der Brandmelder im rauchgefüllten Schlafzimmer. Wange verließ seine Wohnung im ersten Obergeschoss, im Treppenhaus kam ihm noch mehr Rauch entgegen.

Um genau 1.36 Uhr ging der erste Notruf bei der Feuerwehr ein. Nur kurze Zeit später rückten die Kameraden der Ortsfeuerwehren Callenberg, Langenchursdorf und Grumbach in Richtung Altenburger Straße aus. "Am Einsatzort herrschte eine unklare Lage, es brannte ein Kellerabteil, das Treppenhaus war verraucht", schreibt Feuerwehr-Pressesprecher Oliver Krüger später in einem Bericht. Hätten die Mieter des Wohnblocks auf eigene Faust versucht, ins Freie zu kommen, wäre dies lebensgefährlich gewesen, so Krüger. 39 Menschen wurden deshalb durch die Feuerwehr aus vier Aufgängen nach draußen gebracht - mithilfe sogenannter Rettungsfluchthauben. Mit Atemschutz ausgestattete Einsatzkräfte belüfteten das Treppenhaus. In dem Aufgang, wo der Brand passiert war, musste die Feuerwehr zudem eine Tür notöffnen, da von drinnen keine Antwort kam. Zwei Frauen im Alter von 82 und 89 Jahren sowie ein 69 Jahre alter Mann wurden mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung in umliegende Krankenhäuser gebracht.

Damit die Bewohner nicht in der Eiseskälte ausharren mussten, organisierte die Feuerwehr einen Linienbus. Nach kurzer Zeit konnte der aber wieder wegfahren, da in einer nahen Gaststätte Unterschlupf bereitgestellt werden konnte. Laut Oliver Krüger waren 65 Kameraden im Einsatz. Auch die Feuerwehr Hohenstein-Ernstthal war mit ihrer Drehleiter und weiteren Fahrzeugen vor Ort. Der Einsatz der Feuerwehr dauerte fünf Stunden. Anschließend nahmen Brandursachenermittler der Zwickauer Kriminalpolizei ihre Arbeit auf. Die Beamten waren am Freitagvormittag noch vor Ort.

Genau wie Rainer Wange, der stolz auf seinen Rauchmelder zeigt. Sein Sohn habe ihm den vor fünf Jahren zum Geburtstag geschenkt. Es sei der Einzige im Haus. Auch im Keller, wo der Brand ausbrach, gibt es keinen. Rainer Wange fragt sich, was passiert wäre, wenn er das Geschenk nicht erhalten hätte, das ihn so unsanft auf dem Schlaf riss. "Ich bin dann barfuß mit fast nichts an ins Treppenhaus gelaufen und habe die Leute alarmiert." Der Rauch sei so stark gewesen, dass er im Badezimmer alles schwarz eingefärbt habe. "Ich habe mittlerweile aber alles poliert, ich bin ein sehr ordentlicher Mensch", sagt der Mieter am Freitagmittag. Nur auf den Armaturen sind noch Einfärbungen des Rauches erkennbar. Den Notruf in der Nacht hat nach eigenen Angaben Simone Rockstroh abgesetzt, die mit ihrem Lebensgefährten im zweiten Obergeschoss wohnt. Auch dort sei der Rauch zu diesem Zeitpunkt bereits vom Treppenhaus in die Wohnung eingedrungen. Der beißende Geruch war auch tagsüber noch überall vernehmbar.

Zur Brandursache und zur Höhe des Schadens konnte die Polizei am Freitagabend noch keine Angaben machen. Was die Verpflichtung zur Nachrüstung von Rauchmeldern angeht, so gibt es diese in Sachsen nicht für Bestands- oder Altbauten wie an der Altenburger Straße.

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