Kindheitserinnerungen werden wach

Eine Ausstellung im Schloss Wolkenburg widmet sich Spielzeug aus der DDR.

Wolkenburg.

Nur Deutsch, Mathe und Sachkunde? Von wegen. In der DDR haben Kinder schon in niedrigen Klassenstufen Romane von Jules Verne gelesen - zumindest wenn man einer Puppenschule glaubt, die derzeit im Schloss Wolkenburg zu sehen ist. Pädagogischer Mittel bedient sich auch das Brettspiel "Wir sammeln Pilze", das einige Meter weiter in einer Vitrine zu sehen ist. Das Produkt des Spielewerks Karl-Marx-Stadt animiert die Mitspieler dazu, sich Wissen über Pilze anzueignen: Sind Steinpilz, Sandröhrling und Schwefelkopf genießbar oder nicht? Wer es nicht weiß, setzt aus. Und wer aus Versehen im Wald auf dem Spielbrett ein Feuer entzündet, darf nicht mehr mitmachen.

Es sind Details wie diese, die die Ausstellung "Kinderträume. Spielzeug aus der DDR" lehrreich machen. Kurzweilig im doppelten Sinne ist die Schau, die am Donnerstagabend eröffnet wurde, ohnehin - unterhaltsam, aber auch überschaubar, da sie sich nur über drei Räume erstreckt. Vielen Besuchern dürfte es gehen wie Hannelore Maiwirth, die gestern beim Blick in mehrere der Vitrinen feststellte: "Das hatten wir auch zu Hause." Die Chemnitzerin meinte damit einen Metallbaukasten, ein Puppenhaus und einen Kaufmannsladen.

Die Liste ließe sich fortsetzen. Ebenfalls in vielen DDR-Kinderzimmern zu finden war ein Mini-Wartburg mit der Aufschrift "Volkspolizei". Für diesen gab es sogar eine Fernsteuerung - aber nicht per Funk wie heute üblich, sondern per Kabel, sodass man sich beim Steuern nicht weit vom Polizeiwagen entfernen konnte. Gleich neben dem Wartburg parken in der Ausstellung ein Ferrari und ein Cadillac. Die Nobelschlitten dürften zwischen Plauen und Rostock weit seltener gewesen sein. "Einige der Exponate waren in der DDR gar nicht zu haben, sondern gingen in den Export", erklärt Gabriele Pabstmann. Die amtierende Museumsleiterin hat die Schau gemeinsam mit privaten Leihgebern kuratiert. Eines stellt man beim Blick in die gläsernen Vitrinen fest: Auch wenn inzwischen Spielkonsolen und Smartphones in den Kinderzimmern Einzug gehalten haben, gibt es zahlreiche Kontinuitäten. Denn mit Modelleisenbahnen und -autos, Metallbaukästen und Puppen spielen Mädchen und Jungen auch heute noch.

Die Ausstellung "Kinderträume. Spielzeug aus der DDR" im Schloss Wolkenburg, die bis zum 8. Januar 2017 läuft, ist dienstags bis sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 4 Euro, ermäßigt 2Euro.

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