Lichtenstein sagt Nein zu Tempo 30

Anwohner in Kuhschnappel sehen für Schulkinder Gefahr durch den Verkehr. Jetzt die Enttäuschung: Aus der erfüllenden Gemeinde kam Verständnis, aber keine Hilfe.

KuHschnappel/Lichtenstein.

Wieder sorgt eine Entscheidung aus Lichtenstein für Verärgerung in St. Egidien, genau genommen im Ortsteil Kuhschnappel. Anlieger der Ernst-Schneller-Straße wünschen sich seit Jahren ein Tempo-30-Limit. Mit einem entsprechenden Beschluss war auch der Gemeinderat St. Egidien Ende 2020 auf Lichtenstein zugekommen. Dem hat diese nun einen Riegel vorgeschoben. Da Lichtenstein in der gemeinsamen Verwaltungsgemeinschaft erfüllenden Gemeinde ist, werden solche Entscheidungen dort getroffen.

In Kuhschnappel sorgt das erwartungsgemäß nicht für Freudenstürme: "Hier wird mehr auf Einhaltung von Paragrafen und Gesetzlichkeiten geachtet als auf die Sicherheit der Kinder und Anwohner", sagt Andreas Sinning. Er wohnt an der Ernst-Schneller-Straße und berichtet von den Zuständen aus seiner Sicht: Über weite Strecken gibt es keine oder nur schmale Gehwege und die Kurven sind unübersichtlich. Zudem werde die Straße häufig von Lkws genutzt, die das nahegelegene Gewerbegebiet anfahren, obwohl Durchfahrverbot herrscht.

Am meisten sorgt sich Sinning um die Schüler, die von Kuhschnappel aus häufig mit dem Bus in umliegende Orte fahren müssen. Nicht alle Haltestellen sind an einen Gehweg angeschlossen. "Gerade jetzt, wenn es früh dunkel wird und irgendwann der Schnee kommt, besteht Gefahr für die Kinder."

Mit anderen Anwohnern der Ernst-Schneller-Straße hatte Sinning sein Anliegen Lichtensteins Bürgermeister Thomas Nordheim (Freie Wähler) vorgetragen. Inhaltlich, so sagte dieser, unterstütze er das Ansinnen der Kuhschnappler absolut. Die vorgebrachten Argumente seien nachvollziehbar, so Nordheim. Umso mehr enttäuscht sind alle Beteiligten nun darüber, dass Lichtenstein das Tempo-30-Limit rigoros ablehnt. "Vor der Ablehnung ist von dieser Seite aus nicht noch einmal mit uns gesprochen worden", ärgert sich Sinning.

Als erfüllende Gemeinde sei man trotz allem an die Rechtslage gebunden und berücksichtige in der Regel die Hinweise übergeordneter Behörden, sagte Nordheim. So wurde im September die Polizei noch einmal angehört. Eine deutlich erhöhte Zahl von Unfällen hatte die nicht festgestellt. Von 2016 bis 2019 waren es nur vier, lediglich zwei passierten im gehweglosen Bereich. Hinweise, dass es zu konkreten Gefährdungen für Fußgänger kam, lägen ebenfalls nicht vor, heißt es in der Begründung des Ablehnungsbescheides der Stadt Lichtenstein. In Kuhschnappel gebe es 60 schulpflichtige Kinder. Wie viele davon den gehweglosen Bereich nutzen, wurde nicht ermittelt. Eine stark von Schülern genutzte Straße gebe es aber nicht. Allgemein sei laut Polizei in den gehweglosen Bereichen genug Platz, um am Fahrbahnrand zu laufen und dort auch auszuweichen.

St. Egidiens Bürgermeister Uwe Redlich findet es zynisch, dass erst etwas passieren muss, bevor es Regelungen zum Schutz der Leute gibt. Nun liegt es an ihm und dem Gemeinderat, ob Rechtsmittel gegen den Ablehnungsbescheid Lichtensteins eingelegt werden.

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11 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    4
    Bär53
    27.11.2020

    Es muss halt erst was passieren...Und wenn, dann muss man kein schlechtes Gewissen haben oder Sanktionen befürchten, es war ja "Dienst nach Vorschrift" und Schuld sind immer die anderen. Komisch nur, dass in anderen Städten und Gemeinden auf Kinder und Fußgänger mehr Rücksicht genommen wird.